70 Jahre arbeiten – und glücklich sein!

Ein Gespräch mit dem ältesten, aktiven Film-Verleiher Wolfgang Schmidt-Dahlberg.

Wolfgang Schmidt-Dahlberg: mit 88 Jahren voller Leidenschaft aktiv

Wolfgang Schmidt-Dahlberg, Jahrgang 1930, feierte am 2. August 2018 sein 70-jähriges Arbeitsjubiläum. „Seit 1948 arbeite ich ununterbrochen, wenn man einmal von den Urlauben absieht“, so Schmidt-Dahlberg. „Angefangen habe ich nach dem Krieg und der Flucht aus dem Osten mit ersten Gelegenheitsjobs. Meine guten Englischkenntnisse führten mich in das US-Hochkommissariat in Frankfurt/Main, dort arbeitete ich in der Public-Relations Abteilung.“ Da Schmidt-Dahlberg schon immer ein kommunikativer Mensch war, kam er über sein Netzwerk im Mai 1950 zu Columbia Pictures und absolvierte dort eine kaufmännische Ausbildung. Er erlernte das Filmgeschäft von der Pike auf und seit dem läßt ihn das Thema nicht mehr los. Selbst heute, Jahrzehnte später, spürt man seine große Leidenschaft. „Ich habe viele tolle Filme erlebt, die Starts, die opulenten Premieren und ich durfte so viele faszinierende und inspirierende Menschen kennen lernen – allein, dass ich bei der Columbia die rechte Hand von Erich Müller wurde, war schon damals eine Auszeichnung für mich.“ Angesprochen auf die Kinowelt von damals, die internationalen Stars, gerät Schmidt-Dahlberg ins Schwärmen. „Es waren viele, die ich kennen lernen durfte, die Schell, Jean Marais oder Curd Jürgens, die junge Romy Schneider, die Bardot, Blacky Fuchsberger und … Sophia Loren! Von ihr war ich sehr beeindruckt. Charmant, witzig und gescheit“, lacht er.

„Um es klar zu stellen: ich sage nicht, dass früher alles besser war. Wenngleich ich das ein oder andere vermisse …“, dabei schmunzelt Schmidt-Dahlberg, „Es war anders! Ich bin dankbar und glücklich, dass ich das hautnah erleben durfte! Und genauso dankbar bin ich, im Jahr 2018 zu leben und aktiv zu sein – auch noch am Berufsleben teilhaben zu dürfen.“

Trotz Branchenwechsel: fulminanter Neustart in der Kinoszene

Seine Heirat und die Familiengründung in den 1960er Jahren bedeuteten das Niederlassen im Rhein-Main Gebiet und der Branchenwechsel in die Lederwarenindustrie. Im ehelichen Betrieb war er der Verkäufer, der mit ungewöhnlichen Ansätzen neuen Wind reinbrachte. Später wurde er Geschäftsführer und er engagierte sich parallel als Vorsitzender des Verbandes der deutschen Lederwarenindustrie.

Trotz Branchenwechsels blieb Schmidt-Dahlberg der Filmindustrie immer treu, er ließ nie den Kontakt abreißen, war die ganzen Jahre präsent. Das war sein Glück, wie er auch heute noch betont. Denn als die Ehe geschieden wurde, hat sich „Wolf“ wie ihn seine Freunde nennen, nach einem neuen Wirkungskreis umschauen müssen. In der Filmbranche wurde er mit offenen Armen begrüßt. „Obwohl ich schon 54 Jahre alt war, hatte ich den Willen und die Freude es noch einmal wissen zu wollen. Und ich hatte Glück, denn mit der CineVox hatte ich einen sehr erfolgreichen deutschen Verleih im Rücken und die Filme „Abwärts“ oder „Die flambierte Frau“, haben mir sehr geholfen, wieder in die Filmindustrie einzusteigen.

Vollgas mit der Wende

„Nach der CineVox bin ich erfreulicherweise wieder von meiner Ausbildungsfirma, damals Columbia Tri-Star, heute Sony Pictures, engagiert worden. Viele Kollegen von damals waren noch dabei, natürlich in exponierten Positionen und gereifter. Ich hatte dennoch das Gefühl, viel hat sich nicht verändert und ich habe mich gleich wohl gefühlt. Dann kam der Mauerfall. Als die Frage aufkam, wer von Berlin aus die ehemaligen Neuen Bundesländer betreuen wird, habe ich mich freiwillig gemeldet. Mit knapp 60 Jahren wollte ich es wieder wissen, getreu meinem Motto: „Geht nicht – gibt’s nicht!“. Es war eine sehr aufregende Zeit und ich hatte eine wahnsinnige Freude daran.

Ich kann behaupten, dass ich unermüdlich daran gearbeitet habe, den ostdeutschen Kinomarkt positiv zu beeinflussen, beim Aufbau zu helfen. Ein besonderes Anliegen waren mir dabei immer die kleinen und mittelständischen Kinobetreiber.“

Rente? Du doch nicht!

Kino-Klassiker „Flashdance“

Obwohl mit 65 Jahren der Arbeitsvertrag automatisch endete, hatte er die Gelegenheit, einige Jahre als freier Berater weiter arbeiten zu können. In der Zeit reifte der Gedanke, dass er über das Rentenalter hinaus der Branche treu bleibt und sich als Verleiher selbstständig machen würde. Damit nicht genug, denn Schmidt-Dahlberg hat sich zusätzlich als Disponent für ausgewählte, ostdeutsche Kinobetreiber eingesetzt. Darüber hinaus hat er z. B. auch den Aufbau eines kleinen Kinocenters unterstützt und als er nahezu 80 Jahre war, hat er dieses Engagement in vertrauensvolle Hände vor Ort abgegeben.

Neues Projekt: Der Film „Das letzte Mahl“

Angesprochen auf Wünsche und Ziele sagt er: „Mein Wunsch: Gesund und fit bleiben. Solange das gegeben ist, spiele ich weiterhin aktiv mit!“, gibt er sich engagiert. Schmidt-Dahlberg hat aber noch ein besonderes Ziel. Die wachsende Gruppe der „älteren Generation“ wird nämlich im Kinomarkt unterschätzt. Sie haben die Zeit, sie haben in der Regel die finanziellen Mittel; sie wollen Entertainment und Spaß am Leben. Dazu gehört auch das Kino, denn damit sind viele aufgewachsen. „Ich vermisse das entsprechende Filmangebot für dieses Publikum. Erste Ansätze sind zwar erkennbar, reichen aber nicht aus.

Deshalb freue ich mich, mit meinem Weggefährten und Freund Gerd Bender einen Mitstreiter gefunden zu haben. Gemeinsam reaktivieren wir seit 2016 echte Kinoklassiker, sind aber auch offen für neue, ausgewählte Produktionen.“ Aktuell vertreiben die beiden u.a. Saturday Night Fever oder Flashdance.

Für Anfang 2019 ist der Start des historischen Spielfilms „Das letzte Mahl“ geplant.

Über Rekord-Filmvertriebs GmbH & Co. KG

Seit fast 20 Jahren bedient die „Rekord Film“ den Kinomarkt in Deutschland und Österreich. Sie vermarktet erfolgreich Filme unterschiedlicher Genres, wie Mainstream, Art-House und Sonderformate mit Theater- und Musical-Hintergrund kleiner und mittelständischer Auftraggeber. Beispiel ist die Aufzeichnung „Ich, Judas“ mit Ben Becker. Bei Bedarf unterstützt die „Rekord Film“ weitere Vermarktungsschienen, wie TV und Homevideo.

Ein besonderes Anliegen ist Wolfgang Schmidt-Dahlberg der unterentwickelte Teil des Filmmarktes für die „ältere Generation“, die mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet, zunehmend nach Unterhaltung und Zerstreuung sucht. Diesem wachsenden Bedarf möchte die „Rekord-Film“ – gerne gemeinsam mit Partnern – ein entsprechendes Angebot bieten.

Bundesverband Initiative 50Plus

Wolfgang Schmidt-Dahlberg gehört zu den Initiatoren des Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus), dessen Gründungs-Vorsitzender er war. Im BZ-NachrichtenTV sehen Sie einen Beitrag über die Presse-Konferenz zum Start der „Initiative Arbeit 50Plus“, in der Wolfgang Schmidt-Dahlberg über seine Erfahrungen spricht.

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