Ab 50 ist man alt – ein Gespräch mit Helmut Muthers über unser Altersbild

BESTZEIT-PLUS sprach mit Helmut Muthers, einem Aktivisten für die Generation 50Plus, über ein verändertes Altersbild, ältere Mitarbeiter, die Zielgruppe 50Plus und sein neues Buch.

Herr Muthers, Sie sind Coach, Verleger, Redner und Autor. Als Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen sind Sie für den Bundesverband Initiative 50Plus tätig. Altersmäßig sind Sie aber Rentner und könnten eigentlich mit den Enkeln spielen. Wie schaffen Sie das volle Pensum in Ihrem Alter?

Für mich ist Alter keine Zahl oder von irgendeinem Datum abhängig. Ich glaube fest daran, dass meine Einstellung zu mir selbst, zu meinen Fähigkeiten, zu meiner Befindlichkeit und letztlich auch zu meinem Alter prägend für mein Wohlbefinden, meine Lebensqualität, meine Fitness, meine Kreativität, meine Lust etwas zu tun, ist.

Was treibt Sie an?

Helmut Muthers – 50Plus und kein bischen müde

Mich treibt die Überzeugung, dass die dramatische Alterung der Gesellschaft, der Mitarbeiter- und Kundenstrukturen noch nicht wirklich im Bewusstsein von Unternehmern und Entscheidern angekommen ist. Diese Veränderungen werden unser Land aber stärker und nachhaltiger prägen als alle anderen Entwicklungen. Mich treibt die Tatsache, dass gerade die klein- und mittelständischen Unternehmen Chancen liegen lassen, die bei einer adäquaten Ansprache der älteren Generationen leicht zu heben sind.

Wie reagieren die Unternehmen?

Sie reagieren eher so, als wäre die massive Alterung ein Schnupfen, der vorüber geht – also eher gar nicht, verhalten oder halbherzig. Nach meinen Vorträgen kommen die Teilnehmer meist zu mir mit der Aussage, so hätten sie die Konsequenzen der Alterung für ihren Betrieb noch nie gesehen. Im Hinblick auf die Mitarbeiter sprechen sich zwar 85 Prozent gegen den Jugendwahn aus, andererseits reagieren aber 80 Prozent der Unternehmen auf die Alterung mit mehr Fortbildung ihrer jüngeren Mitarbeiter. Und während Politik und Wirtschaft eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit fordern, werden die Mitarbeiter nach ihrem 50. Geburtstag für alt erklärt.

Warum – glauben Sie – ist das so?

Viele Unternehmen sind gefangen in ihren Klischees und Vorurteilen gegenüber ihren Kunden und Mitarbeitern. Viele glauben immer noch an den alten, senilen, kränklichen, pflegebedürftigen Alten, bei dem nichts zu holen ist. Das ist natürlich völlig falsch. Es gibt tatsächlich Firmen, die Kunden ab 50 deshalb nicht mehr aktiv ansprechen. Gegenüber der Belegschaft gilt ähnliches. Immer noch drängen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter so früh wie möglich in die Rente, mit dem Hinweis auf nachlassende Produktivität und Leistungsbereitschaft. Dabei gibt es weltweit keine Studie die beweisen würde, dass mit zunehmendem Alter die Produktivität der Mitarbeiter nachließe – genau das Gegenteil ist der Fall. Nicht das Alter ist entscheidend sondern das Umfeld und der respektvolle Umgang.

Was passiert, wenn die Wirtschaft nicht umdenkt?

Ohne die älteren Kunden haben die weitaus meisten Unternehmen kaum eine Chance. Die älteren Generationen sind die einzigen wachsenden und aktuell reichsten Kundengruppen. Aus fälligen Lebensversicherungen und Erbschaften fließen ihnen zwischen 50 und 70 unglaubliche Finanzmittel und Vermögenswerte zu. Ihr Geld- und Kaufverhalten bestimmt die Existenz der Unternehmen in fast allen Branchen. 75 Prozent der Neuwagen, 60 Prozent der Mineralwasser und 50 Prozent der Kosmetik werden von Menschen 50plus gekauft. Ärzte, Apotheken, Baumärkte, Cafés, Restaurants, Banken und unzählige andere Firmen sind von ihnen heute schon abhängig. Man muss sich das einmal vorstellen, die heute 60-jährigen Kunden fühlen sich in der Regel mindestens zehn Jahre jünger und verhalten sich auch so. Sie sind fit, neugierig, kreativ, informiert, selbstbewusst, kritisch und anspruchsvoll. Sie kaufen heute deutlich anders als früher und vor allem völlig anders als junge Kunden. Wer sie als Senioren anspricht und respektlos behandelt, unzuverlässig ist und sie mit Anglizismen nervt, der wird sie verlieren.

Auf der Mitarbeiterseite ist folgendes zu beachten: Aufgrund der massiv gesunkenen Geburtenzahlen der letzten Jahrzehnte gibt es immer weniger junge Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dazu kommt, dass in den nächsten 15 Jahren rund 20 Millionen Babyboomer in Rente gehen. Am Ende wird eine große Zahl von Arbeitskräften fehlen, was sich heute schon bemerkbar macht. Ohne das Potenzial der älteren Mitarbeiter, ohne ihre Leistungsbereitschaft und ihre Erfahrung werden die Unternehmen die künftigen Herausforderungen nicht lösen können. Viele große Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und holen ihre ehemaligen Mitarbeiter wieder zurück.

Sie haben ein Buch geschrieben. Worum geht es in „Ab 50 ist man alt“?

Die Rente im Blick und den Rollator schon in der Garage? Weit gefehlt. Die heutigen älteren Menschen sind hell im Kopf, leistungsstark und anspruchsvoll. Eine Bevölkerungsgruppe mit immer größerer Bedeutung für Konsum und Arbeitswelt. Gut informiert, kritisch und wohlsituiert sind sie eine attraktive Zielgruppe. Höchste Zeit, diese Generation endlich ins Boot zu nehmen – zum einen als größte Käufergruppe, zum anderen als Arbeitskraft, die ihre Erfahrung und Besonnenheit engagiert im Unternehmen einbringt. Es muss Schluss sein mit systematischer Stigmatisierung des Alters, Anti-Aging, Frühverrentungen und Senioren-Programmen! Wir brauchen endlich ein positives Altersbild und wertschätzendes Verständnis für das Älterwerden. Das Buch ist eine lohnende Gebrauchsanweisung für den Umgang mit den Konsum- und Arbeitsprofis der heutigen Generation 50Plus.

Wer sollte Ihr Buch lesen?

Das Buch „Ab 50 ist man alt“ ist für Unternehmer, Entscheider, Führungskräfte, Vertriebler, Marketing- und Personalverantwortliche aber auch für Verbände und die Politik geschrieben. Darüber hinaus soll es jedem Menschen Mut machen, auch mit zunehmendem Alter sein Leben selbstbewusst im eigenen Interesse zu gestalten. Es gibt keinen Grund, die Flügel hängen zu lassen oder den Kopf in den Sand zu stecken.

Wann erscheint das Buch?

Das Buch „Ab 50 ist man alt“ erscheint am 18. September 2017 im Plassen Verlag.

Details zum Buch „Ab 50 ist man alt“ von Helmut Muthers

  • Autor: Helmut Muthers
  • Verlag: Plassen
  • Seiten: 256
  • ISBN: 978-3-86470-509-0,
  • Preis: 19,99 Euro

Helmut Muthers ist

  • Landesvorsitzender des Bundesverband Initiative 50Plus in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz
  • Autor verschiedener Bücher und Hörbücher
  • Coach
  • Präsidium und Expert-Member des CLUB 55 – Exklusive 55-köpfige Gemeinschaft Europäischer Marketing- und Verkaufsexperten (www.club55-experts.com)
  • Seit 2012 Geschäftsführer und Gesellschafter der Nafa Verlags-GmbH und Herausgeber der renommierten Monatlichen Praxistipps „Erfolgreicher Führen und Verkaufen in der Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com)

Mehr Informationen zu Helmut Muthers im Internet: www.muthers.de

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