Ältere Mitarbeiter sind besser als ihr Ruf. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Kein Unternehmen sollte unnötig früh seine Mitarbeiter in den Ruhestand schicken und leichtfertig auf deren Know-how verzichten. Viele Menschen bringen bis ins hohe Alter hinein herausragende Leistungen und können mit ihren Fähigkeiten ihre Firma und manchmal auch die Menschheit ein kleines Stück weiterbringen: Unternehmer, Politiker, Wissenschaftler, Ärzte, Schriftsteller, Künstler, Regisseure, die unzähligen Menschen in Ehrenämtern.

Wer würde ernsthaft erwägen, ihnen ihre Intelligenz und ihre Leistungsfähigkeit abzusprechen und sie zu einem festen Datum in den Ruhestand zu schicken? Die Diskussion über dieses Thema ist allerdings allzu häufig immer noch ein Tabu.

„Nichtssagend sind also die Reden derer, die dem Greisenalter ein tätiges Leben absprechen wollen, und es ist ungefähr so, wie wenn man behaupten wollte, der Steuermann tue bei der Schifffahrt nichts. Freilich tut er nicht das, was die jungen Leute tun, dafür ungleich Wichtigeres und Besseres. Nicht durch Kraft oder körperliche Behändigkeit und Schnelligkeit werden große Leistungen vollbracht, sondern durch besonnenen Rat, das Gewicht der Persönlichkeit, gereiftes Urteil: Eigenschaften, die im Alter nicht verloren zu gehen, sondern sogar noch zuzuwachsen pflegen.“ (Marcus Tullius Cicero, 106–43 vor Christus)

Hört man manchen Unternehmern und Führungskräften zu, scheinen in vielen Betrieben dagegen völlig andere Menschen beschäftigt zu sein. Sie sind zwar oft schon 20, 30 oder 40 Jahre in der Firma. Mit zunehmendem Alter und ab einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt wird ihnen aber von ihren Chefs immer weniger zugetraut und nach Wegen gesucht, sie so früh wie möglich loszuwerden. Gleichzeitig glauben interessanterweise aber die gleichen Chefs, dass sie selbst bis mindestens 80 arbeiten können oder sogar müssen, weil ihrer Meinung nach ihre persönliche Leistungsfähigkeit und Produktivität nicht sinkt und es ohne sie sowieso nicht geht. Erschreckenderweise fällt den wenigsten dieser Widerspruch auf. Dabei werden gerade die älteren Arbeitnehmer die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels gemeinsam mit ihren jungen Kollegen abfangen müssen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft stellt fest: „Ältere Beschäftigte sind deutlich besser als ihr Ruf. Zu den herausragenden Eigenschaften gehören hohe soziale Kompetenz, Souveränität, Loyalität, Disziplin und Zuverlässigkeit. Sie sind weniger stressanfällig, verfügen über eine fundierte Erfahrung und zeichnen sich durch eine weitreichende Krisenbeständigkeit aus.“

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

1 Kommentar zu "Ältere Mitarbeiter sind besser als ihr Ruf. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten"

  1. Jürgen Haßelbring | 8. August 2018 um 07:36 | Antworten

    Wir regen uns auf, wenn in amerikanischen Unternehmen die Order kommt sich von X Mitarbeitern zu trennen. Hier wird weder nach Alter, Qualfizierung oder anderen Dingen gefragt. Die Zahlen stimmen nicht, also muss Personal gehen.
    Ist es denn in hiesigen Unternehmen anders. Da man die Gesetzeslage kennt, macht man es mit Geld. Person X ist 55 und verdient 100.000€, ein Studienabgänger ist 28 und freut sich über 35.000€. Notfalls wird ein zweiter eingestellt und man spart immer noch. Die Unternehmen haben halt KEINE soziale Verantwortung und es sind oft nicht die Unternehmenslenker die solche Fehlentscheidungen treffen. Sich Wichtig tuende Bereichsleiter und Dummgehaltene HR-ler, die auch mal ein Erfolgserlebnis melden wollen. Das dies stets nur kurzfristige Erfolge sind, nehmen alle in Kauf. Bei der nächsten Entscheidung sitzen sie ja bereits nicht mehr mit am Tisch.
    Man muss ein Umdenken wollen, nur sind Macher die wollen rar.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: