Ältere Mitarbeiter sind unmotiviert?! – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer).

Ältere Arbeitnehmer sind unmotiviert – auch das ist ein oft geäußertes Vorurteil, das sich nach wie vor hartnäckig in den Köpfen vieler Personalentscheider und Führungskräfte hält. Eine Studie des Beratungsunternehmens EY zeigt, dass 40 Prozent der Beschäftigten, die älter als 61 Jahre sind, sich selbst als „hochmotiviert“ bezeichnen. In der Generation der unter 20-Jährigen sagt das nur jeder Vierte von sich. Eine wissenschaftliche Studie kommt ebenfalls zu ganz anderen Ergebnissen: Danach steht das Lebensalter von Mitarbeitern in keinem bedeutsamen Zusammenhang mit ihrer Motivation, im Unternehmen tatkräftig mitzuarbeiten. Älter zu sein ist für sich genommen keine Ursache dafür, dass die Leistungsbereitschaft nachlässt.

Allerdings lässt sich ein indirekter Zusammenhang nachweisen: Wenn nämlich ältere Arbeitnehmer wiederholt erleben, dass sie allein wegen ihres Alters benachteiligt oder geringgeschätzt werden, verfestigt sich der Eindruck, dass die Unternehmensleitung ihrer Arbeit wenig Wertschätzung, Rückhalt und Verständnis entgegenbringt. So wächst die Neigung, die Misserfolge eigener Initiativen für wahrscheinlich zu halten und zu fürchten. Dies (und nicht das Lebensalter) kann den leistungsorientierten Einsatz für das Unternehmen schwächen.

Oft werden ältere Mitarbeiter wegen ihres Alters spöttisch angesprochen, sie werden gehänselt, vor allem jüngere Kollegen machen sich lustig über sie und ihr Alter – offen oder hinter ihrem Rücken. Geht etwas schief, wird das Ergebnis häufig auf das Lebensalter geschoben.

Ältere werden immer wieder gefragt, wann sie denn gehen, wann sie aufhören wollen, und bei anstehenden Entscheidungen werden sie nicht selten übergangen. Schnell verfestigt sich dann das Gefühl, dass sie nicht mehr gebraucht werden, dass man sie lieber los wäre. Geben sich dann auch noch die potenziellen Nachfolger zu erkennen, dann glauben viele, dass es besser ist, so schnell wie möglich auszuscheiden. Wenn ihnen der Abschied auch noch mit einer ordentlichen Abfindung versüßt wird, drehen sich plötzlich alle Gedanken nur noch um das Ende des Arbeitslebens.

Die Leistungsbereitschaft wird auf diese Weise erfolgreich herausgemobbt. So kommt es, dass sich manche dieser Mitarbeiter zehn und mehr Jahre quälend auf ihren Abschied vorbereiten. Sie machen nur noch „Dienst nach Vorschrift“ und möglichst fehlerlos, nur um nicht mehr negativ aufzufallen. Motivation und Höchstleistungen? Fehlanzeige. Solche Mitarbeiter sind in die „Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiungs-Falle“ gelaufen und bestätigen mit ihrem Verhalten alle bestehenden Vorurteile. Die Konsequenzen sind fatal, nicht nur beim Betroffenen, sondern bei allen anderen Beschäftigten. Denn die nehmen durchaus wahr, wie mit den älteren Kollegen verfahren wird, und wissen, dass sie selbst irgendwann in die gleiche Situation kommen. Zur Begeisterung für die eigene Firma trägt das mit Sicherheit nicht bei.

Denn das Teuerste, was sich ein Unternehmen leisten kann, ist das LmaA („Leck mich am A…“) der Mitarbeiter. Kurioserweise ist es übrigens häufig so, dass diejenigen, die vor 20 Jahren beim Mobbing älterer Kollegen in der ersten Reihe standen, jetzt, wo sie selbst zu den Älteren gehören und gemobbt werden, völlig überrascht sind und die Welt nicht mehr verstehen.

Vor diesem Hintergrund erscheint auch der allseits bekannte Engagement Index des Beratungsunternehmens Gallup nachvollziehbar. Nach einer Befragung von 2.200 Arbeitnehmern stellte sich heraus, dass insgesamt zwar 23 Prozent innerlich gekündigt haben, bei den Mitarbeitern über 50 Jahre waren es mit 29 Prozent aber deutlich mehr. Sie haben mit ihrer Karriere abgeschlossen und fühlen sich ihrem Arbeitgeber emotional nicht mehr verbunden. Als die gleiche Befragung 2001 zum ersten Mal durchgeführt wurde, gaben nur 15 Prozent der Mitarbeiter 50plus an, resigniert zu haben. In den meisten Fällen sei die deutliche Verschlechterung auf die fehlende Wertschätzung der Führungskräfte zurückzuführen, schließt Gallup.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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