Aktuelle INSA-Umfrage: Asylstreit und Neuwahlen – was meinen die Bürger?

Gestern herrschte in Berlin und München keine Sonntags-Ruhe. Die Führungs-Gremien der CDU und CSU berieten über die aktuelle Lage, die durch persönlichen Zwist und den immerwährenden Streit um den richtigen Umgang mit den Herausforderungen der Asyl-Politik geprägt ist. Wir Menschen nehmen gerne vor allem die Informationen auf, die unserer Sicht der Dinge entsprechen. Das gilt auch dafür, welchen Meinungsumfragen geglaubt wird und welchen nicht. Wird die eigene Meinung bestätigt, stimmt das Ergebnis, widerspricht die Umfrage der eigenen Meinung, wird es bezweifelt. Das kann am Ende dazu führen, dass aus mehreren unterschiedlichen Richtungen Kritik kommt, weil jeder in seiner „Blase“ eine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit hat.

Um erkennen und auch dokumentieren zu können, inwieweit die gefühlte Stimmung dem tatsächlichen Ergebnis bei der „Sonntagsfrage“ entspricht bzw. widerspricht, fragt das Meinungsforschungs-Institut INSA – ein Partner des Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus) inzwischen auch regelmäßig danach, wie die Befragten die Stimmung für die einzelnen Parteien einschätzen. Unabhängig von der eigenen Brille, welche die Stimmung für die präferierten Parteien immer etwas wohlwollender sieht und für die kritisch bewerteten Parteien immer etwas missgünstiger, lassen sich aber auch so Entwicklungen erkennen, die für die Politik von Relevanz sind. Dabei müssen tatsächliches Wahlverhalten und Stimmung nicht immer übereinstimmen.

Die Ergebnisse der CDU/CSU bleiben in allen Bereichen konstant. Lediglich der Anteil an Wählern, die sich eine Wahl der Union grundsätzlich nicht vorstellen können, steigt um einen Prozentpunkt.

Die SPD gewinnt bei der Sonntagsfrage einen halben Prozentpunkt hinzu, verliert jedoch einen Prozentpunkt an sicheren Stimmen. Drei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche können sich grundsätzlich nicht vorstellen, die SPD zu wählen.

Für die AfD ergeben sich keine Veränderungen, abgesehen davon, dass im Vergleich zur Vorwoche drei Prozentpunkte weniger ausschließen, die AfD zu wählen.

Die FDP gewinnt bei der Sonntagsfrage und bei den sicheren Stimmen je einen Prozentpunkt hinzu. Gleichzeitig kann sich ein Prozentpunkt weniger grundsätzlich nicht vorstellen, die FDP zu wählen.

Die Linkspartei verliert einen Punkt bei der Sonntagsfrage, gewinnt jedoch gleichzeitig zwei Prozentpunkte bei den potentiellen Stimmen hinzu. Ihr Negativpotential ist einen Prozentpunkt niedriger als in der Vorwoche.

Bündnis 90/Die Grünen gewinnt zwei Prozentpunkte bei den potentiellen Stimmen hinzu. Ihr Negativpotential steigt um einen Prozentpunkt.

Wie schätzen die Befragten die Stimmung für die Parteien ein?

Verschiedene politische Ereignisse haben verschiedene Auswirkungen auf die Stimmung für oder gegen die Parteien. INSA fragte deswegen regelmäßig im INSA-Meinungstrend:

„Bitte denken Sie an die allgemeine Stimmung der vergangenen Woche in der deutschen Bevölkerung: Wie schätzen Sie die vorherrschende Stimmungslage in Bezug auf die folgenden Parteien ein?“ 

Antwortoptionen: sehr positive Stimmung, eher positive Stimmung, neutrale Stimmung, eher negative Stimmung, sehr negative Stimmung, weiß nicht, keine Angabe.

Berechnet man für die Antworten zu den einzelnen Parteien jeweils einen Mittelwert zwischen + 2 (positive Stimmung) 0 (neutrale Stimmung) und -2 (negative Stimmung), erkennt man, dass über die vergangenen vier Wochen hinweg die Stimmung für alle Parteien insgesamt als negativ eingeschätzt wird. Deutlich wird vor allem in der Entwicklung der letzten Wochen, dass die Befragten die Stimmung für die Union immer negativer einschätzen. Am 04. Juni lag die Union noch mit dem höchsten Mittelwert an erster Stelle und ist aktuell knapp an vorletzter Stelle.

Auch für die Grünen hat sich die Stimmungeinschätzunhg leicht verschlechtert, während sie für die FDP leicht besser wurde. Die Einschätzungen der Stimmungen für die Linkspartei sowie die SPD haben sich kaum verändert. Für die AfD gab es einen erkennbaren Anstieg des Werts der insgesamten Stimmungseinschätzung, sie wird aber weiterhin am schlechtesten bewertet.

INSA-Chef Hermann Binkert im 50PlusFernsehen zur aktuellen politischen Stimmungslage

Sind die Befragten für Neuwahlen zum Bundestag? 

Ein Drittel der Befragten (33 %) sind für Neuwahlen zum Bundestag. Etwas mehr Befragte, nämlich 36 Prozent, sind dagegen. Insgesamt weitere 30 Prozent wissen nicht, ob sie für Neuwahlen sind oder machen dazu keine Angabe. Männer sind etwas häufiger gegen Neuwahlen als Frauen (42 und 31 %), dafür sind Frauen etwas häufiger unentschieden (34 %, kumuliert).

Bei den Befragten ab 55 Jahren ist der Wunsch nach Neuwahlen zum Deutschen Bundestag ausgeprägter.

Wie würden die Befragten wählen, wenn die CDU und CSU getrennt antreten würden?

Aufgrund des Konflikts zwischen CDU und CSU in der Flüchtlingspolitik hat INSA interessiert, wie die Sonntagsfrage ausfällt, wenn CDU und CSU getrennt bei einer Bundestagswahl antreten würden. INSA hat gefragt: 

„Aktuell bilden CDU und CSU eine gemeinsame Fraktion im Bundestag. Sollte es zu einem Bruch zwischen den beiden Parteien kommen, wäre es möglich, dass die CDU auch in Bayern und die CSU in den restlichen Bundesländern jeweils als eigenständige Parteien gewählt werden können.

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen unter diesen Bedingungen wären, wie würden Sie wählen?“

Die CDU käme auf 22 Prozent der Stimmen und die CSU auf 18 Prozent. Dies sind in Summe elf Prozentpunkte mehr als die Union bei einem gemeinsamen Antreten in der aktuellen Sonntagsfrage erhält.

Die SPD würde im Vergleich zur aktuellen Sonntagsfrage zwei Prozentpunkte verlieren und 17 Prozent der Stimmen erhalten.

Die AfD würde fünf Prozentpunkte verlieren und bei elf Prozent liegen, während die FDP zwei Prozentpunkte verlieren würde und auf sechs Prozent kommt. Bei der Linkspartei gäbe es keine Veränderungen und die Grünen würden einen Prozentpunkt verlieren und zehn Prozent der Stimmen erreichen.

Hermann Binkert (INSA) im 50PlusFernsehen zu den möglichen Auswirkungen auf die Landtags-Wahl in Bayern

 

 

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