Altersbild: Weg mit der Zwangspensionierung! – Ein Kommentar von Helmut Muthers

Haben Sie etwas gespürt, als Sie 50, 60 oder älter geworden sind? Haben Sie sich von einem Tag auf den anderen verändert? Hat sich Ihre geistige Leistung von einem Moment zum nächsten verschlechtert? Ist Ihre körperliche Leistungskraft am Geburtstag zusammengebrochen? Selbstverständlich nicht, auch wenn der eine oder andere vor jedem runden Geburtstag einen Horror entwickelt, als hätte sein letztes Stündlein geschlagen. Die Leistungsfähigkeit und die Leistungsbereitschaft sind nicht auf irgendwelche Jahreszahlen oder ein bestimmtes Datum fixiert.

Deshalb ist der quasi angeordnete Austritt aus dem Arbeitsleben pure Willkür und nicht wirklich zu begründen.

Wenn die abfallende Leistungsfähigkeit etwas mit einem bestimmten Alter zu tun hätte, müsste es erklärbar sein, warum der Rentenbeginn in den letzten Jahrzehnten immer wieder vor- und zurück verändert wurde und mit Sicherheit auch künftig verändert wird. Unter dem Druck der demografischen Verhältnisse wird das Rentenalter künftig weiter nach hinten verschoben oder auch ganz aufgehoben werden müssen. Die OECD hat schon 2012 ein Renteneintrittsalter von 74 gefordert. Das Renteneintrittsalter hat nichts mit der Glückseligkeit der Menschen zu tun. Das ist politisch motiviert und geschieht aus programmatischen oder finanziellen Gründen. Die Rente wird im aktuellen Umlageverfahren-System dauerhaft nicht zu finanzieren sein. Schon heute werden aus Steuergeldern jährlich 90 Milliarden Euro an die Rentenversicherung überwiesen – Tendenz steigend. Wenn es um den Menschen und vielleicht sogar um sein Wohlergehen ginge, müssten doch auch Politiker, Künstler, Unternehmer und Fussball-Trainer zwangspensioniert werden.

Wie kann es sonst sein, dass der Papst erst mit 76 gewählt wurde, immerhin zum Oberhaupt der katholischen Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern und zum Chef von 1,2 Millionen Priestern und Ordensleuten. Was ist denn mit seiner Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft? In meinem früheren Leben als Bankvorstand (angestellter Manager), hatte ich einen Dienstvertrag, dessen Ende an meinen 65. Geburtstag gekoppelt war. Das ist vergleichbar mit dem Verfalldatum auf dem Käse im Supermarktregal. Ist das Datum erreicht, wird gnadenlos ausgesondert. Für mich war der Weg in die Selbstständigkeit und der Wegfall dieses Endfälligkeitsdatum, eine höchstemotionale Befreiung, die ich bei allen Unwägbarkeiten der Selbstständigkeit nie bereut habe. Ich habe große Lust, zu arbeiten, mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß und ich will selbst bestimmen, wie lange ich arbeite bzw. wann ich damit aufhören will. Natürlich haben andere Menschen andere Bedürfnisse und mir ist völlig bewusst, dass nicht jeder mit seiner Rente sein Leben auskömmlich gestalten kann. Es sollte sich aber trotzdem herumgesprochen haben, dass die bisherige Formel „65 = Rente = Alt.“ ihre Berechtigung völlig verloren hat und nicht mehr zu halten ist.

Menschen, die sich mit 65 fühlen wie Anfang 50, die sich kleiden und verhalten wie 45-Jährige, sollten selbst entscheiden. Und wer weiter arbeiten möchte, sollte das ohne Einschränkungen tun können. Jeder einzelne ist selbst am besten in der Lage, für sich zu beurteilen, was gut für ihn ist. Das muss kein anderer für ihn tun.

Fremdbestimmung ist Diebstahl an Selbstbestimmung.

Autor Helmut Muthers

Helmut Muthers ist Landes-Geschäftsführer des Bundesverband Initiative 50Plus in Nordrhein-Westfalen.

Er ist Autor, Mitautor und Herausgeber von mehr als 20 Büchern und Hörbüchern, u.a. Business-Bestseller wie „30 Minuten Marketing 50+“, „30 Minuten für ver-rückte Unternehmer“, „Wettlauf um die Alten“.

Helmut Muthers ist ausgezeichnet als Expert-Member des Club 55.

Mehr Informationen zu Helmut Muthers finden Sie im Internet:

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