Altersbilder: Wir, die Babyboomer. Ein Kommentar von Renate Zott

Wir sind gerade unheimlich viele. Oder anders gesagt, in der Geschichte Deutschlands gab es noch so viele Menschen, die 50 Jahre und älter sind. Wir, die sogenannten Babyboomer laufen den Jungen rein zahlenmäßig gerade den Rang ab. Unsere Gesellschaft altert. Dass damit eine Lawine immenser Probleme unaufhaltsam auf uns zurollt, die ebenfalls in dieser Form noch nie zuvor da waren, ist völlig klar. Darauf vorbereitet sind wir nur mangelhaft.

Renate Zott, Frau 50Plus, fordert von der Gesellschaft ein positiveres Altersbild

Zurück zu den Babyboomern. Angekommen an der magischen 50. Man stirbt nicht mehr jung und hat die meiste Lebenszeit mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit doch schon hinter sich gelassen. Gleichzeitig war diese Generation noch nie so jung wie heute. Wir sind anders als unsere Mütter und Väter, als diese 50 waren. Es ist, als ob Quantensprünge dazwischenlägen, dabei ist es gerade einmal eine Generation. Der Fortschritt reißt die meisten von uns mit und hält uns im Grunde auch jung. Täglich neues Denken und Lernen, diesen Aspekt mag ich.

Was ich gar nicht mag, ist die Tatsache, dass die geschätzten 42 Mio. People jenseits der 50 in Deutschland medial völlig unterrepräsentiert sind. Gesellschaftliche und mediale Präsenz muss m.E. jedes Alter spiegeln. Auf allen Ebenen und in allen Rollen.

Ich will mich nicht damit zufriedengeben, dass große Modeketten uns in ihrem Marketing vergessen, Anti-Aging Crèmes von 30-Jährigen präsentiert werden und in den schicken neuen Wagen auf den Hochglanzprospekten die jungen Familien mit Hund einsteigen. Die Wahrheit sieht nämlich ganz anders aus. Wir, also die in der zweiten Hälfte angekommenen, kaufen das ganze Zeug. Und ja ich bin beleidigt, wenn ich höre, was meiner Freundin passiert ist, die mit ihren wunderhübschen 40 Jahren beim Friseur in Singapore vor dem Spiegel sitzend gesagt bekommt: „You must have been very pretty, when you were young!“ Leute, das darf doch alles nicht wahr sein.

Immer noch beschränkt sich die mediale Welt auf ein paar Vorzeige- und Fernsehfrauen. In der Öffentlichkeit, in der breiten Masse, wie wir denn da sind, finde ich uns nicht vertreten und damit meine ich uns, die ganz normalen Frauen, den Durchschnitt der Wirklichkeit. Ich sehe sie nicht. Müssen wir verschwinden, weil wir nicht mehr faltenfrei inszeniert werden können, weil das ein oder andere Kilo mehr auf der Waage ist und Schönheit gesellschaftlich schlicht und ergreifend anders definiert ist? Das ist doch diskriminierend und Frauen, warum wehrt ihr euch nicht?! Ich will mich wehren und aufrufen!

Es ist mehr als an der Zeit, auf breiter Front rebellisch zu werden. Aufmerksam machen und ändern: Sehgewohnheiten, soziale Missstände, gesellschaftliche Prozesse. Es gibt unglaublich viel zu tun, packen wir’s endlich an.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de.

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