Arbeit: 52 und damit zu alt

2016 gab es allein 28.800 offene Stellen für Informatiker – 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Jedes dritte Unternehmen hat Schwierigkeiten, seine Stellen in dem Bereich zu besetzen, berichtet Dieter Westerkamp vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Das berichtet die Berliner Morgenpost. Und während auf der Fachmesse CeBit in Hannover die schöne neue Welt der Digitalisierung beschworen wurde, stellt das sich ständig verschärfende Phänomen des Fachkräftemangels eine echte Wachstumsbremse in Deutschland dar. Trotz dieser Fakten ist es auch eine Realität, dass ältere Bewerber nur selten eine Chance bekommen. So auch Matthais Bozek, der im Folgenden sein Schicksal beschreibt.

Matthias Bozek – qualifiziert aber mit 52 zu alt?

Mein Name ist Matthias Bozek und mit Baujahr 1965, werde ich im Oktober dieses Jahres 52 Jahre alt werden. Zu alt, um von Personaldienstleistern, Headhuntern oder HR-Abteilungen als vollwertig einsetzbare Arbeitskraft wahrgenommen zu werden.

Zugegeben, mein Lebenslauf ist, würde man es freundlich ausdrücken wollen, bunt und fällt aus dem Einheitsgrau heraus. Aber ist es nicht gerade das, was eine Persönlichkeit mit vielfältigen beruflichen Erfahrungen ausmacht? Opportunistisch, pragmatisch, beruflich in der Lage, sich immer wieder erfolgreich auf neue berufliche Wagnisse einzulassen? Scheinbar nicht!

Ich habe Industriekaufmann gelernt und bin der typische Quereinsteiger in den IT Bereich. Typischer Quereinsteiger deshalb, weil es zu Zeitpunkten, zu denen fachlich versierte Mitarbeiter für den IT Bereich gesucht wurden, noch gar keine relevanten Studiengänge an den entsprechenden Bildungseinrichtungen gegeben hat. Ich kenne viele Mitstreiter ähnlicher Altersstruktur, die ursprünglich einen ganz anderen Beruf erlernt hatten und zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens dann in der IT „gelandet“ – oder hieße es angesichts der Aussichtslosigkeit meiner IT-Bewerbungen besser „gestrandet“ sind.

Fast 15 Jahre lang habe ich sehr erfolgreich die IT des European Headquarters eines Japanischen, börsennotierten Videospiel-Publishers geleitet. Dies tat ich äußerst erfolgreich bis zum Jahr 2013, in welchem sich das Unternehmen entschlossen hatte, die Europazentrale von Frankfurt am Main nach Großbritannien zu verlegen. Immerhin hat man mir ein Relocation Package angeboten, dass ich allerdings aus verschiedenen Gründen, dankend abgelehnt habe.

Und seither fahre ich beruflich Achterbahn. Zwar konnte ich mittlerweile das in der Praxis erworbene IT-Wissen auch durch entsprechende Zertifikate untermauern, einen aus-sichtsreichen, vernünftigen Job hat mir dies trotz unzähliger Bewerbungen dennoch nicht eingebracht. In diesem Zeitraum war ich vom IT-Leiter über den Leiter Servicedesk bis hin zum GmbH Geschäftsführer beruflich alles – nur niemals Eines, nämlich glücklich oder zufrieden mit dem Job oder der Entwicklung des jeweiligen Jobs.

Habe ich mich also in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit zum absoluten Querkopf entwickelt, war ich verwöhnt oder betriebsblind? Mitnichten, ich bin ganz einfach Realist und Opportunist geblieben. Trotz eines seit 14 Jahren bestehenden Nebengewerbes (das soll es auch in der Zukunft bleiben) und hoher IT-Affinität zu sämtlichen digitalen Trends und Themen, traut man jemandem mit 52 Jahren ganz offenbar nicht ausreichend berufliche Kompetenzen in einer sich immer schneller und stärker digitalisierenden Berufswelt zu. Dabei sind es genau diese Themen, auf die ich mich spezialisiert habe.

Neben verschiedenen Social-Media Accounts (auch für meine Nebengewerbskunden) betreibe ich mehrere Internetseiten, alle per CMS und Datenbankunterstützt, beschäftige mich mit Themen wie IT-Recht für Softwareentwickler, Industrie 4.0 (IoT – Internet of Things), habe ITIL Erfahrung, die ich zum Wohle von Projekten jeglicher Art einsetzen kann, kenne mich mit Big Data, Virtualisierung, Servern und deren Einrichtung und Verwaltung aus, Betreibe Internet-Marketing, SEO, Onsite-Optimierung und Onlinewerbung, scripte kleine Programme und Batch-Dateien – und seit neuestem blogge ich nun auch noch. Von meinem Lebenshobby, dem Musizieren – mittlerweile mit kleinem, digitalen Tonstudio und DAW (Digital Audio Workstation) und dem Schreiben eigener Songs ganz zu schweigen.

Welche digitalen Kompetenzen, von den kaufmännischen oder kreativen einmal ganz abgesehen, möchte man mir denn da noch absprechen.

Mir bleibt ja fast gar nichts anderes übrig, als die Ignoranz meiner Person in Bewerbungs-verfahren schlicht und ergreifend auf mein Lebensalter zu schieben. Es ist auch einfach so, dass ich in jungen Jahren mit Mitte 20 bereits graue Haare bekommen habe. Diese Haarfarbe habe ich nie geleugnet und immer dazu gestanden. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Haare dunkel zu färben, so wie sie einmal waren, und neue Passfotos machen zu las¬sen. Vielleicht zählen ja Äußerlichkeiten mittlerweile mehr als Optimismus, Lebens- und Berufserfahrung oder die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen.

An meinen Gehaltsvorstellungen können die vielen Absagen jedenfalls nicht liegen, denn auch hier bin ich Realist geblieben. Liebe Arbeitgeber, ich kenne meinen Marktwert, kenne die branchentypischen Gehaltsgefüge und habe als Geschäftsführer auch schon auf eurer Seite des Schreibtisches gesessen. Mein Gehalt ist grundsätzlich verhandelbar. Auch an meinen Englischkenntnissen gibt es nichts auszusetzen, die haben sich bewährt und zwar verhandlungssicher. Ich suche nach einer beruflichen Herausforderung und Perspektive und nicht nach dem Abstellgleis, auf das ihr mich gerne schieben würdet.

Den Blog von Matthias Bozek finden Sie hier.

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