Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt – Ältere Beschäftigte haben dennoch keine Chance am Arbeitsmarkt

Es klingt paradox: die Zahl der Arbeitssuchenden sinkt ständig, viele Unternehmen beklagen einen spürbaren Arbeitskräftemangel und dennoch haben gut ausgebildete und motivierte Arbeitnehmer, die älter als 50 Jahre sind, kaum noch Chancen am Arbeitsmarkt. Ein statistischer Kniff macht es möglich, dass Ältere in der Erwerbslosenstatistik gar nicht mehr auftauchen. 

Die offizielle Arbeitslosenstatistik zählte 2016 162.600 ältere Arbeitslose nicht mit. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Der Grund hierfür ist eine Sonderregelung: Personen über 58 Jahre, denen ein Jahr lang kein Job mehr angeboten wurde, fallen aus der Statistik automatisch heraus. Seit 2012 ist die Zahl der Betroffenen um 27 Prozent (absolut: 34.200) gestiegen. Die gute Arbeitslosenstatistik erscheint durch diesen Mechanismus in einem anderem Licht: Offiziell ist nur etwa jeder sechste Arbeitssuchende über 55 Jahre alt. Ohne die Sonderregelung wäre es aber jeder Vierte.

Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit

Infolge der starken Herbstbelebung ist die Zahl der arbeitslosen Menschen von September auf Oktober 2017 um 60.000 auf 2.389.000 gesunken. Der Rückgang fiel kräftiger aus als üblich. Deshalb hat die Arbeitslosigkeit auch bereinigt um die saisonalen Einflüsse abgenommen und zwar um 11.000 im Vergleich zum Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren 151.000 weniger Menschen arbeitslos gemeldet.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, ist saisonbereinigt um 11.000 gesunken. Insgesamt belief sich die Unterbeschäftigung im Oktober 2017 auf 3.367.000 Personen. Das waren 129.000 weniger als vor einem Jahr. Damit ist sie im Vorjahresvergleich weniger stark zurückgegangen als die Arbeitslosigkeit. Diese Zahl von mehr als 3,3 Millionen „Unterbeschäftigten“ taucht in der Berichterstattung über die Entwicklung des Arbeitsmarktes üblicherweise nicht auf.

Arbeitskräftenachfrage

Die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt auf anhaltend hohem Niveau weiter an. Im Oktober waren 780.000 offene Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 88.000 mehr als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich die Nachfrage gegenüber dem Vormonat um 8.000 erhöht. Der Stellenindex der BA (BA-X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland – stieg im Oktober 2017 um 1 Punkt auf 245 Punkte. Der Vorjahresabstand fällt mit einem Plus von 23 Punkten weiterhin sehr deutlich aus.

Geldleistungen

Insgesamt 663.000 Personen erhielten im Oktober 2017 Arbeitslosengeld, 42.000 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Oktober bei 4.300.000. Gegenüber Oktober 2016 war dies nur ein geringfügiger Rückgang von 3.000 Personen. 7,9 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen Alter waren damit hilfebedürftig.

Norbert Rieger, 58 Jahre, gut ausgebildet, erfahren, motiviert, gesund, flexibel und – ohne Job

Norbert Rieger aus Baden-Württemberg ist so ein Beispiel. Er ist gut ausgebildet, war international erfolgreich tätig, ist motiviert, räumlich flexibel und leistungswillig. Eigentlich ein Bewerber, wie ihn  sich viele Unternehmen nur wünschen können. Einer, der sofort anfangen kann und keine weitere Fortbildung benötigt. Einer, der das Unternehmen, das ihn anstellt, sofort bereichert. Aber: Norbert Rieger ist doch nicht so ideal, er hat ein Handicap. Sein Alter liegt schon bei 58 Jahren und das ist wohl auch der Grund, dass 60 % der von ihm angeschriebenen Unternehmen nicht einmal seine Bewerbung beantworten.

Norbert Rieger berichtet im 50PlusFernsehen über seine Erfahrungen. Sehen Sie die Geschichte eine Jobsuchenden 50Plus.

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