Renten sollen auch 2018 kräftig steigen – Armut bleibt regional ungleich verteilt

Die Renten in Deutschland sollen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge 2018 im Schnitt um mehr als drei Prozent erhöht werden. Das Plus werde in den alten Ländern voraussichtlich 3,09 Prozent und in den neuen Ländern sogar 3,23 Prozent betragen. Gleichzeitig sollen die Rentenbeiträge um 0,1 % gesenkt werden.

In Berlin wird im Rahmen der Sondierungs-Gespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung die Grundsicherung im Alter diskutiert. Mit Blick auf die demografisch bedingte Alterung der Gesellschaft fordert der Bundesverband Initiative 50Plus langfristig angelegte Maßnahmen zur Sicherung der Lebensverhältnisse in Deutschland. (BESTZEIT-PLUS berichtete: „Mehr Demografie wagen!“).

Armut ist nicht gleich Armut. In welchem Umfang sollten spezifische Lebensumstände berücksichtigt werden, wenn Einkommensarmut ermittelt wird? Dieser Frage ging die jüngste Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) nach. Danach macht es zum Beispiel einen erheblichen Unterschied aus, wenn regional unterschiedliche Einkommensverteilungen berücksichtigt werden.

Als armutsgefährdet gilt jemand, wenn er weniger als 60 Prozent des Medians beim sogenannten Äquivalenzeinkommen bezieht. Es berücksichtigt die unterschiedlichen Haushaltsgrößen. In der Regel wird dafür ein landesweiter Wert benutzt. Würden für Ost- und Westdeutschland getrennt berechnete Schwellenwerte angesetzt, so ändert sich am deutschlandweiten Niveau der Armut beziehungsweise Altersarmut kaum etwas. Ostdeutsche wären dann allerdings weit seltener einem Armutsrisiko ausgesetzt als Westdeutsche. Das gilt sowohl für alle Personen als auch für die Senioren im Besonderen.

Wie wirken sich getrennte Schwellenwerte aus?

Mit einer einheitlichen Armutsschwelle wären 18,5 Prozent der 65-Jährigen und Älteren armutsgefährdet, bei getrennten Schwellenwerten 17,9 Prozent. Der Unterschied ist also nicht besonders groß. Beim Vergleich der Ost- mit den Westdeutschen zeigen sich aber deutliche Abweichungen. Bei einer spezifisch ostdeutschen Armutsschwelle fallen nur noch 12,7 Prozent der 65-Jährigen und Älteren in die Armutsgefährdung statt 24,0 Prozent bei einer einheitlichen Grenze. In Westdeutschland ist die Auswirkung nicht so gravierend. Der Grund dafür: Die gesamt- und westdeutsche Armutsschwelle liegen dichter beieinander.

„Es gibt kein richtig oder falsch für diesen Wert, aber man sollte sich immer der Auswirkungen der gewählten Grenze bewusst sein, damit die Ergebnisse richtig eingeordnet werden können“, erklärt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Die Studie weist daraufhin, dass die Europäische Union zur Berechnung nationaler Armutsquoten ebenfalls nationale Schwellen heranzieht. „Würde man sich auf eine EU-weit einheitliche Schwelle stützen, läge die Quote in Osteuropa vermutlich weitaus höher und in Deutschland deutlich niedriger“, gibt Studienautor Dr. Reiner Braun zu denken. Die Frage sei daher immer, welche Art von Ausgrenzung man vergleichen will. „Vergleicht ein Bulgare seine Lebenssituation eher mit denen der Deutschen oder der Sachse seine Situation mit dem Bayern.“

Lebensverhältnisse einbeziehen oder nicht?

Daher sind Untersuchungen, die bei der Bestimmung von Armut auch die Lebensverhältnisse mit einbeziehen, aufschlussreich. Ohnehin gibt es regelmäßig Diskussionen darüber, ob auch bei der Festlegung der Grundsicherung und anderer Sozialleistungen die regional unterschiedlichen Preise von Gütern und Dienstleistungen berücksichtigt werden sollen. Bei der Bemessung der Kosten für die Unterkunft macht dies der Staat ja bereits, indem diese Kosten komplett übernommen werden.

Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA)

Bild: Uschi Dreiücker / pixelio.de

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