Audiovisuelle Diversität? Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS zur Studie, die Maria Furtwängler initiiert hat

Da habe ich aber aufgehorcht, als das ZDF im heute-Journal darüber berichtete. Eine wissenschaftliche Erhebung, die die Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen untersucht und die Ergebnisse zu Papier gebracht hat. ‚Interessant‘ dachte ich so bei mir und fand die Frage von Claus Kleber im Interview mit Maria Furtwängler – ob Benjamin Blümchen nun eine Frauenstimme bekommen soll – mit Verlaub etwas überzogen. Überhaupt finde ich den Tenor und die Kommentare, die ich zu dieser Studie auf vielen Online-Seiten gelesen habe weder angemessen noch inhaltlich zum Thema verwertbar. Da wird gefragt, ob Maria Furtwängler es nötig hätte und vielleicht die TV-/Filmrollenangebote ausblieben, ob wir in Deutschland nicht andere Probleme hätten und wie weit Frauen den Emanzipationswahnsinn denn noch treiben wollen. Auf diesen 3 Spielfeldern toben sich in den Kommentaren vorwiegend die Männer aus. Ergo: alles für die Tonne und das auch noch mit Steuergeldern.

Okay. Das ist Meinungsfreiheit. Und so soll es sein.

Topagemodel und Autorin Renate Zott

Meine Meinung: Es gibt sicherlich eine Reihe von Erhebungen und Analysen, die sinnfrei sind und überdies noch Geld kosten. Diese gehört NICHT dazu. Gerne würde ich die Negativ-Kommentatoren fragen, ob sie sich die Studie wirklich durchgelesen haben und was genau Grund ihrer abschätzigen Urteile ist. Fakt ist: Es wurde untersucht, wie die audiovisuelle Präsenzverteilung von Männern und Frauen in den verschiedenen Altersgruppen und Rollen, die sie darstellen, aussieht. Damit sind zunächst nach einer Erhebung in den 90ern nüchtern betrachtet nur nackte, valide Zahlen geschaffen worden. Nicht mehr und nicht weniger. Es hat nichts Verwerfliches, das Ergebnis zu präsentieren und zu veröffentlichen. Frau Furtwängler hat weder gesagt, welche Konsequenzen aus den Ergebnissen gezogen werden müssen, noch dass sich etwas ändern muss.

Gleichzeitig hat sie jenen, die etwas ändern wollen, Daten und Fakten an die Hand gegeben und mir den Beweis meiner Einschätzung als Verbraucher.

Schaut man sich die Altersgruppe 50-59 an, zeigt sich, dass Frauen einen Altersgap haben. Ab Mitte 30 fängt der Schwund an und ab 50 Jahren kommen in Film und Fernsehen auf eine Frau drei Männer. Ich nehme nicht an, dass es sich in der Werbung anders verhält. Ganz zu schweigen von der Präsenz bei Mode- und allen Schönheitsthemen, da ist die Uhr für Frauen 50Plus sowieso abgelaufen.

Nun. Das kann man alles so lassen, den Tatsachen keine Beachtung schenken oder deren Bedeutsamkeit leugnen. Ich als 50Plus Frau kann und will das keineswegs und dabei bin ich weder Emanze, Gendering-gesteuert, noch hätte ich es nötig. Nur als Anmerkung für diejenigen, die mich nun auch gleich in eine der „schönen“ Schubladen stecken wollen. Fakt ist nämlich auch, dass von rd. 41 Mio. Frauen in Deutschland rd. 19 Mio. die 50 Jahre-Hürde bereits überwunden haben. Wir sprechen also über grob die Hälfte. Gehen wir nun weiter davon aus, dass von eben diesen der Konsumanteil am stärksten ist, komme ich zu dem Ergebnis, dass in den Altersgruppen von Präsenz- und Konsum ein starkes Ungleichgewicht besteht.

Renate Zott beim Foto-Shooting in Düsseldorf

Da besteht Anlass zur Frage, warum das so ist. In einer Gesellschaft die altert und vor erheblichen demografischen Aufgaben steht umso mehr. Ich spreche nicht nur für mich, wenn ich feststelle, dass wir Frauen 50Plus ziemlich ausgeblendet werden. Junge Frauen finden sich überall, zeigen, wie man Mode trägt, sich schminkt und schick macht. Wie man reist und welchen Wagen man fährt. Auf Hotelprospekten versprechen junge Paare, wie wunderschön die 500 EUR Suite ist und in der Fernsehwerbung steigt in den SUV die junge, glückliche Familie samt Hund. Für 50Plus Frauen wird Bademode in den Bestager-Zeitschriften nur freigestellt (also ohne Körper!) gezeigt und im Fernsehen machen Frauen um die 50 Werbung für die neuesten TENA-Pants, freilich gegen die Blasenschwäche. Die „GELBE“ gegen Gelenkschmerzen schlägt dem Fass den Boden aus, weil man damit unterschwellig unterstellt, dass man sich ab 50 zum einen ohnehin mit Gelenkschmerzen plagt und darüber hinaus nicht mal mehr in der Lage ist, sich den Namen einer Salbe zu merken. In der Apotheke sag‘ ich nur noch: „die Gelbe bitte“ und der Apotheker weiß sofort Bescheid: Ü50 mit Gelenkschmerzen und Hirnschwund.

Das ist für mich verkehrte Welt ganz ohne Gleicher-Gleich-Wahn. Ich würde es einfach nur wunderbar finden, wenn es Bilder gäbe, die uns Frauen 50Plus real abbilden. Mit toller Mode, Schönheitstipps oder Reiseideen für die Zeit zu zweit. Denn wir haben auch jenseits der 50 weder den Modelöffel abgegeben noch könnten wir uns an den Traumstränden dieser Welt (ja genau, die wir uns jetzt leisten können) nicht mehr im Badeanzug oder Bikini sehen lassen. Schließlich denken Menschen in Bildern. Die Bilder, die ich sehe haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun und bin sehr ambitioniert, das zu ändern.

Ich bin also bekennender Fan dieser Studie und ermutige jeden, der Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen möchte. Ich finde, es muss sich in unserer audiovisuellen, medialen Welt einiges ändern – zugunsten von Bildern die unserer Gesellschaft und Präsenzverteilung entsprechen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass wir vorleben, prägen und hinterlassen. Auch neben den ganz großen Problemen und Aufgaben unserer Zeit.

Liebe Maria Furtwängler, dankeschön. Ich hoffe, Sie werden meinen Kommentar lesen.

Die Studie

Die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ von Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Dr. Christine Linke von der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock / Institut für Medienforschung finden Sie hier.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott als Topagemodel bei einem Foto-Shooting in Düsseldorf im 50PlusFernsehen.

Kommentar hinterlassen zu "Audiovisuelle Diversität? Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS zur Studie, die Maria Furtwängler initiiert hat"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Sind Sie ein Mensch? *

%d Bloggern gefällt das: