Auf den Hund gekommen. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Zu meinem Bedauern bin ich ohne Haustier aufgewachsen. Meine Eltern, speziell mein Vater, dessen Vater wiederum Schäferhunde züchtete, vertrat die Meinung, dass Tiere in freier Wildbahn ein weitaus besseres Leben hätten, als an menschlicher Seite ein auf das häusliche Terrain und Umfeld beschränktes Dasein führen zu müssen. Obendrauf die hinlänglich bekannten Argumente – bei „Wind und Wetter“ raus zu müssen, den „Dreck“ im Haus zu haben, dass das kindliche „Kümmern“ schnell versiegt, Urlaubsfreuden neu und anders zu organisieren sind und das Tier ja auch krank werden kann und Kosten verursacht. Als Kind kann man das alles natürlich überhaupt nicht verstehen.

Ich heute schon!

Aber solange nur Herz auf Schwanzwedeln trifft, kann kein vernünftiges Argument punkten.

Mein Generationenvertrag sah vor, dass sich die Situation wiederholt, nämlich in Gestalt meines Sohnes, der sich etwa seit seinem 4. LJ nichts sehnlicher wünschte, als so ein kleines, süßes Hundetier. „Mama, das wäre einfach das Schönste & Beste für mich und ich gehe auch jeden Tag Gassi“, klingelt es mir noch im Ohr. Emotional erwischte er mich ganz schön, aber die Vernunft suchte nach Alternativen im Kinderzimmer. Die waren natürlich allesamt zum Scheitern verurteilt, denn was ist schon ein Spielzeugbagger oder die neueste Legoburg gegen ein Herz, das bedingungslos für einen schlägt?! Trotzdem blieb ich standhaft und legte meine warum-das-mit-dem-Hund-nicht-funktioniert CD in regelmäßigen Abständen wieder auf. Aber: das Leben und die Tage sind nicht alle gleich und auch Erwachsene erwischt manchmal eine ‚schwache‘ Minute. Kinder haben das raus und nutzen den Moment. Verübeln kann man es ihnen nicht, denn die kleinen Spürnasen kennen die Knöpfe ganz genau und auf eben einen solchen hat mein Sohn in der ‚richtigen‘ Sekunde gedrückt. Als ich versprach, es mir noch einmal zu überlegen, war er schon 12 Jahre alt. Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus und hatte mir jetzt auch total überzeugende Argumente zurechtgelegt: Es wäre doch toll, wenn er diese Erfahrung machen könnte, Verantwortung lernt, keine Scheu vor Tieren entwickelt usw. Keine 3 Monate später hielten wir unseren Winzling, die 8 Wochen alte Parson Jack Russel Hündin in unseren Armen. Eine Handvoll Fellwesen-Glück war von Stunde 0 an weit mehr als nur ‚treuer Freund‘. Sie tobte mit uns, spielte vertrauensvoll mit jedem, wedelte bei jedem Wiedersehen so überschwänglich, dass ihr kleines Hinterteil nur so nach rechts und links bebte, brachte uns zum Lachen, schenkte auch Seelentrost und gab uns jedes bisschen Zuneigung mindestens doppelt zurück. Die kleine schlaue Maus lernte schnell und noch heute überrascht sie in manchen Momenten mit ihrer tierischen Intelligenz. Aber nicht nur die ist unglaublich ausgeprägt, sondern auch ihre naturgegebene Empathie.

Dass sie uns in ihrer ‚Pupertät‘ 3 Fernbedienungen zerkaute, übersehen wir großzügig. So wie die quietschenden Hundespielzeuge, die nach spätestens 3 Minuten keinen Ton mehr von sich geben und auch ihre Kuscheltiere, denen sie mit größten Vergnügen das Ohr abkaut. Geschenkt.

Denn, da war sie also: eine neue Liebe fürs Leben. Sie übermannte uns, nahm uns ganz ein und lässt uns nicht mehr los.

Zwar war ich standhaft, als das tägliche Gassi-Programm bei meinem Sohn kein Entzücken mehr hervorrief, aber seit seinem Auszug liegt die „werktägliche“ Sorge doch eher bei mir. An den Wochenenden ist unsere Süße regelmäßig bei meinem Sohn und so haben wir für uns und die Kleine eine praktikable „Hunde-Patchwork-Lösung“ gefunden. Irgendwie geht alles und die Freude über ihr Da Sein erfüllt unsere Herzen wie eh und je mit großen Glück. Wir möchten sie einfach keinen Tag missen!

So kann es gehen, mit schwachen Momenten, die in einer Liebe fürs Leben enden…

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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