Auszubildende 50Plus

Helmut Muthers, Bundesverband Initiative 50Plus

„Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen. Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er zwanzig oder achtzig Jahre alt sein.“ (Henry Ford, 1863–1947, Gründer des Automobilherstellers Ford Motor Company).

Immer mehr Betriebe stehen vor dem Problem, junge Auszubildende zu finden. Wo es früher 200 Bewerbungen für 10 zehn Ausbildungsplätze gab, gibt es heute noch 50, wo es 50 gab, gibt es noch fünf oder gar keine mehr. Die Lage am Ausbildungsmarkt hat sich komplett gewandelt. In den 1990er-Jahren und zu Beginn des neuen Jahrhunderts suchten jedes Jahr Zehntausende Schulabsolventen eine Ausbildungsstelle. Damals vereinbarten Politik und Wirtschaft Ausbildungspakte. Seitdem sind die Schülerzahlen weiter eingebrochen. Gleichzeitig zieht es immer mehr Jugendliche ins Studium. Gerade bei den kleinen Betrieben gibt es große Besetzungsschwierigkeiten. Viele ziehen sich deshalb ganz aus der Ausbildung zurück. Das ist aber keine wirklich sinnvolle Lösung, weil am Arbeitsmarkt die nicht selbst ausgebildeten Fachkräfte kaum mehr zu bekommen sind. Wenn die jungen Leute fehlen, gleichzeitig aber die Älteren immer mehr werden, kann doch genau hier eine Lösung liegen.

Die Bäckereikette K & U kann schon länger nicht mehr alle angebotenen Lehrstellen besetzen. Ihre Antwort: Senior-Ausbildung. Ältere Bewerber werden in einer zweijährigen Ausbildung zu Fachverkäufern im Einzelhandel, Schwerpunkt Bäckerei, qualifiziert. Der älteste Auszubildende ist 56, das Durchschnittsalter liegt bei gut 40 Jahren. Die Senior-Azubis erhalten statt der sonst üblichen Ausbildungsvergütung das volle Gehalt eines Ungelernten. Bei der Bäckereikette, die rund 5.000 Beschäftigte hat, kommen zwei Probleme zusammen: Zum einen herrscht gibt es im Südwesten der Republik eine sehr niedrige geringe Arbeitslosenquote – entsprechend schwer finden die Firmen Arbeitskräfte. Und zum anderen hat K & U keine Traumjobs zu bieten. Wer will das schon – um vier Uhr aufstehen, und das bei keineswegs berauschender Bezahlung? Bei 16- oder 18-jährigen Schulabgängern hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Mit über 50 als Auszubildender in einem neuen Beruf starten? Das funktioniert offenbar: Immer mehr Betriebe bieten Lehrstellen für ältere Bewerber an. In jedem Fall gewinnen beide Seiten: Die gestandenen Auszubildenden starten eine zweite Karriere, die Unternehmen profitieren von der Lebenserfahrung, der Zielstrebigkeit und der Verlässlichkeit der älteren Auszubildenden. Die ING-DiBa gehört zu den Pionieren. Seit 2006 bietet die Direktbank ein zwölfmonatiges Ausbildungsprogramm zum Bankassistenten für den Bereich Kundendialog oder für die Immobilienfinanzierung. Etwa 150 Personen bewerben sich jedes Jahr, die meisten davon sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Die Bank sucht gezielt nach Biografien mit Ecken und Kanten. Und nach Menschen mit Lebenserfahrung, die einen späten Erfolg im Job verdient haben. Ziel ist die Ab-schlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Chancen auf eine Festanstellung stehen sehr gut. Die Übernahmequote liegt bei etwa 85 Prozent.

Autor Helmut Muthers

Helmut Muthers

Helmut Muthers ist Landes-Geschäftsführer des Bundesverband Initiative 50Plus in Nordrhein-Westfalen.

Er ist Autor, Mitautor und Herausgeber von mehr als 20 Büchern und Hörbüchern, u.a. Business-Bestseller wie „30 Minuten Marketing 50+“, „30 Minuten für ver-rückte Unternehmer“, „Wettlauf um die Alten“.

Helmut Muthers ist ausgezeichnet als Expert-Member des Club 55.

Mehr Informationen zu Helmut Muthers finden Sie im Internet: www.helmutmuthers.com und www.generationengespraech.com.

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