Berufsunfähigkeit. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Es trifft im Laufe des Berufslebens in etwa jeden Vierten – aber mich nicht. Das ist wohl die gängige Denke. Es ist eine gefährliche Wette, die man da mit sich abschließt. Toller Wagen, tolles Haus, tolle Urlaube – aber das Wichtigste vergessen: die eigene Arbeitskraft. Wie viel die wert ist, lässt sich noch auf dem Bierdeckel rechnen.

Zur Verdeutlichung: Max Muster ist 28, verdient 3.500 EUR brutto mtl. – x 12 = 42.000 EUR x 39 Jahre (bis Renteneintrittsalter 67 Jahre) = 1.638.000,- EUR – ohne Lohnerhöhung. Ganz schön viel wert, die Arbeitskraft – finden Sie nicht?!

Sie zu verlieren, kann bedeuten, zum Sozialfall zu werden und es geht viel schneller, als viele glauben: Wer heute 20 Jahre alt ist, wird mit mehr als 40%iger Wahrscheinlichkeit vor Erreichen des Rentenalters berufsunfähig – früher oder später. Auch mit der gesetzlichen Absicherung sieht es mau aus, denn die wurde bereits vor Jahren auf Leistungen der sog. vollen und teilweisen Erwerbsminderung gestutzt. Die staatliche Hilfe liegt bei nur etwa 19% des bisherigen Bruttoverdienstes bei teilweiser Erwerbsminderung und nur 38% bei voller Erwerbsminderung.

Gut gerechnet sind das dann im 1. Fall um 650 EUR, im 2. Fall 1.300 EUR – die gängigen Rechner auf div. Internetplattformen, weisen sogar noch einiges weniger aus. Der Gesetzgeber leistet also nur eine Unterstützung, mehr ist es nicht.

Auch wenn das Thema medial gerade nicht präsent ist, finde ich es immer wieder „hot“ und wichtig, auf diese Versorgungslücke hinzuweisen. Nun ist es für die Generation 50Plus nicht mehr opportun, über einen Neuabschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nachzudenken, aber gehört unbedingt auf die Agenda im Gespräch mit jungen Menschen, sei es im Kreis der Familie oder am Arbeitsplatz. Fakt ist nämlich, dass sich junge Menschen beim Start ins Berufsleben wenig Gedanken ums Alter oder krankheits-, unfall- oder invaliditätsbedingte Unfähigkeit, ihren Beruf weiter auszuüben, machen. Dabei macht es natürlich Sinn, eine Absicherung so früh wie möglich zu treffen, weil sich Eintrittsalter, Beruf und Gesundheitszustand maßgeblich auf den Monatsbeitrag auswirken.

Ist die Liste der Leiden zu lang, drohen Ausschlüsse oder Ablehnungen. Ist man zu alt, werden gute Policen unbezahlbar.

Aus meiner beruflichen Zeit als Inhaberin eines unabhängigen Versicherungsmaklerbüros ist mir auch noch das gängige Argument: ….“ Die zahlen sowieso nicht“ im Ohr. Ich möchte das so nicht stehen lassen. Schaut man sich Klagequoten an stellt man fest, dass bei den Top-Versicherern in 98 oder 99% der Fälle ein Übereinkommen mit dem Versicherten getroffen wurde. Wichtig ist allerdings, sich von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten zu lassen. Also einem, der mit modernen Vergleichsprogrammen arbeitet, das Kleingedruckte kennt und im Interesse des Kunden anwenden kann. Ein BU-Abschluss ist – auch im digitalen Zeitalter – nix fürs Internet! In diesem Kontext auf die vielen wichtigen Details einzugehen, die für eine optimale Absicherung erforderlich sind, sprengt den Rahmen eines Kommentars, nichtsdestotrotz noch der gut gemeinte Hinweis, es mit der Beantwortung der Gesundheitsfragen sehr genau zu nehmen. Krankenkassen liefern auf Anforderung auch einen Auszug aus der Krankenakte für den gewünschten Zeitraum und da kommt man nicht selten zum Staunen. Aus der Massageverordnung, die so gutgetan hat, weil die Muskeln verspannt waren, wird dann schnell die Diagnose LWS-Syndrom. Da ist also Vorsicht geboten, weil Versicherer im Leistungsfall auf eben diese gespeicherten Daten zurückreifen, um ggf. die Frage der Antragsanzeigepflichtverletzung (falsche Angaben in den Gesundheitsfragen) zu prüfen.

Liebe Leser 50Plus, das Schlimmste für mich wäre, Sie mit noch mehr Versicherungschinesisch zu langweilen oder gar abzuschrecken, weswegen ich nun zum Ende komme und einfach nur den Wunsch habe, dass wir junge Menschen ermutigen, sich dem Wert ihrer Lebensarbeitskraft bewusst zu werden.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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