#BTW2017: TV-Duell – keine Antworten auf Fragen, die nicht einmal gestellt wurden – ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BESTZEIT-PLUS

Das war’s also. DAS TV-Duell der beiden politischen Schwergewichte im  deutschen Fernsehen. Die ewige Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen den 100%-Kanzler-Kandidaten Martin Schulz. Vier TV-Sender – ARD, ZDF, SAT1 und RTL mit deren bekanntesten Moderatoren, 2 Kandidaten, 130 Minuten Zeit. Da werden die Fragen zu Deutschlands Zukunft gestellt und strategische Antworten gegeben. ODER?

Nee, wurden sie nicht. Es ging minutenlang um die Frage, ob Angela Merkel im September 2015 anders, als sie es getan hat, auf das Ansuchen des Bundeskanzlers von Österreich, die deutschen Grenzen für Tausende von Flüchtlingen aus Ungarn zu öffnen, hätte reagieren sollen.

Es ging um die Frage, ob der Türkei der EU-Geldhahn zugedreht werden soll. 

Es ging um die Verantwortungsbereitschaft des vom amerikanischen Volk gewählten Präsidenten Donald Trump.

Es ging um die Frage des Renteneintrittsalters. Und siehe da: Bundeskanzlerin Merkel verkündete, mit ihr würde es keine Rente mit 70 geben. Wie eine längere Lebenszeit alternativ kompensiert werden soll? Die mathematische Antwort auf diese einfache Frage blieb die Physikerin Merkel schuldig. Und Gerechtigkeits-Schulz fand’s eh‘ gut. Diese Baustelle bleibt uns also erhalten. Ein unerwünschtes Stück Kontinuität mehr und eine zusätzliche fehlende Perspektive. Ehrlichkeit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr…

Es ging um die Frage… – ich hab’s vergessen. Die Langeweile deckt meine Erinnerung zu.

Und schwups war die Zeit vorbei. Beide Kandidaten gaben ein Schluss-Statement – Angela Merkel sagte 60 Sekunden „fedidwgugl“; und das war es dann wirklich… mit dem TV-Duell.

Hätte, hätte, Fahrrad-Kette

Was wäre gewesen, wenn die „richtigen“ Fragen gestellt worden wären?

  1. Demografie. Unsere Gesellschaft altert. Darauf muss sich die Wirtschaft einstellen, denn wir brauchen Produkte und Dienstleistungen, die einer veränderten Altersstruktur unserer Gesellschaft gerecht werden.
  2. Arbeit 50Plus. In wenigen Jahren werden Millionen von Arbeitnehmern nicht mehr berufstätig sein. Sie sind in Rente gegangen und die Wirtschaft muss ohne sie produzieren.
  3. Rente. Die Einkommen steigen nicht in dem gleichen Maß, wie es die Wirtschaft tut. Es gibt auf Erspartes keine Zinsen mehr. Die Deuschen haben keine Aktien-Kultur. Riester-Produkte bringen keinen Ertrag und werden dann gegebenenfalls später auch noch auf die Grundsicherung angerechnet. Das Rentenniveau sinkt seit Jahren.
  4. Altersarmut. Geschätzt 1,4 Millionen Deutsche leben in Altersarmut. Tendenz steigend. Jüngere Menschen wachsen in einem Umfeld gebrochener Erwerbsbiografien auf. Die Sparquote sinkt, Zinsen gibt es sowieso nicht. Immobilienvermögen – Eigenheime und Wohnungen – entwickeln sich höchst unterschiedlich: von Boom bis Pleite ist alles drin.
  5. Pflege. Wir werden glücklicherweise älter. In unseren letzten Lebensjahren droht uns allerdings die Notwendigkeit von Pflege-Maßnahmen. Dafür fehlen Geld, Pflege-Einrichtungen und Pflege-Kräfte.

Fünf Themen, die es wohl Wert gewesen wären, wenigstens kurz angesprochen zu werden. Wurden sie aber nicht. Die Fragen wurden einfach nicht gestellt. Und so hatten die Kandidaten Merkel und Schulz die Chance,  sich um diese zukunftsweisenden Antworten auf Deutschlands, unsere Zukunft zu drücken.

Schade und enttäuschend.

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