Demokratie – was sonst?! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt 09.10.2016 Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

So‘ ne Fee wär‘ gerade nicht schlecht, also eine, die sich um Wunscherfüllung kümmert. Wären 3 frei, würde ich einen für die Demokratie wählen. Nicht, dass ich sie zu Hause nicht hätte und – wer weiß – unter Schreib-, Ausgeh- oder sonstigen Verboten stünde. Nein ich meine das bezogen auf die Entwicklungen in vielen Ländern weltweit. Da beobachte ich, wie anti-demokratische Bewegungen mehr und mehr an Boden gewinnen und sich trotzdem demokratisch nennen. Ich frage mich, wie das sein kann.

Nun kenne ich gar nichts anderes, als in einer Demokratie zu leben. Meine Eltern und Großeltern indes, haben am eigenen Leib erfahren was es bedeutet, wenn einer allein alle Machtbefugnisse für sich in Anspruch nimmt. Nichts von alledem, was für uns heute selbstverständlich scheint, war vor 80 Jahren normal. Ich nenne ein paar: Freie Wahlen, echte Opposition, Achtung der Menschenrechte, Gewaltenteilung, Unantastbarkeit der Menschenwürde, Anspruch auf Gleichbehandlung, freie Meinungsäußerung, Religions- und Glaubensfreiheit, Pressefreiheit, Informationsfreiheit, Versammlungsfreiheit, sexuelle Freiheit, künstlerische Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Verfassungsmäßigkeit usw.

Wenn ich höre, wie sie unter den Auswirkungen des Naziregimes gelitten haben und was sie ertragen mussten, dann weiß ich sehr genau, dass ich das niemals will. Ich will dieses freie und selbstbestimmte Leben. Ich finde es großartig und bin dankbar dafür.

Ich befürchte, Menschen fangen an zu vergessen, wie es ist, wenn es anders ist. Weil sie es nicht selbst gespürt haben? Weil schreckliche Geschichte verblast?! Wie sonst lässt sich erklären, dass Stimmen nach „Führern“ lauter werden. Allein das Wort lässt mich schaudern. Länder mit Regierungen auf dem Vormarsch, die der Demokratie gefährlich an den Leib rücken. Schleichend kommen sie daher, die vermeintlichen Propheten, die mit simplen Phrasen eine Menge Menschen hinter sich bringen. Sie machen Glauben, dass sie mit ihren einfachen Lösungen Land und Leuten Segen bringen, Gemeinwohl & Fortschritt. Ganz und gar ungeniert sprechen sie davon, wie demokratisch es mit Ihnen an der Spitze des Landes zugehen wird. Ich glaube das nicht. Ich glaube viel eher, dass Demokratie schwierig ist. Schwieriger als wir es vielleicht wahrhaben wollen und als wir es auf Dauer können. Ein bisschen abgenutzt fühlt sie sich an oder ausgeleiert. Menschen, die es satthaben, dass „nichts“ passiert und Politik an sich selbst erstickt. Weil „die da oben“ sich nur mit sich selbst beschäftigen und von „denen da unten“ scheinbar völlig abgekoppelt sind. Niemand mehr da, der die Stimmen des Volkes hört. Da geht die Lust verloren, sich um politisches Wissen zu bemühen – weit weg von mitreden wollen; sich gar engagieren. Auch ich sehe eine ganze Menge Verbesserungsbedarf.

Trotzdem sollten wir den Wert unserer liberalen Demokratie nicht unterschätzen und Menschen ans Werk lassen, die unsere Freiheiten manipulativ für sich nutzen und diese Werte aushöhlen wollen. Ich glaube eher, dass wir lernen müssen, mit Demokratie besser umzugehen, anstatt in andere Extreme – wie auch immer die dann aussehen mögen – verfallen. Es tut not, Konflikte darüber auszutragen, anstatt Tendenzen zu folgen, die „Einem“ das totale Handeln zu überlassen. Ansatzweise bekommen wir bereits zu sehen, wohin es führt. Es führt u.a. dazu, dass Andersdenkende als Feinde bezeichnet werden, die es auszuschalten gilt. Wo Feinde sind ist auch Vernichtung.

Wo Gegner sind, gibt es Auseinandersetzung. Erfolg für den, der die besseren Argumente hat.

Für mich gibt es keine Argumente gegen unsere Freiheit – gegen unsere Demokratie. Ich wünsche mir sehr, dass wir sie mit Mut, Toleranz & Solidarität verteidigen. Für immer und ewig.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

1 Kommentar zu "Demokratie – was sonst?! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten"

  1. Jürgen Haßelbring | 12. August 2018 um 09:38 | Antworten

    Dem ist nicht viel entgegenzubringen. Alle, die heute in diesem Land leben, sollten sich dessen bewusst, Stolz und Dankbar sein.
    Zu schnell kam Veränderung, ohne das die Menschen darauf vorbereitet wurden. Zulange waren Posten von nur einem Menschen besetzt, dass sehr schnell der Berdacht naheliegt sich nur um sich, seine eigenen Belange zu kümmern. Das „hochdienen“ in etablierten Parteien führte schon vor Jahren zur Politikverdrossenheit. Ob bewusst oder unbewusst wurden viele Dinge unternommen was dazu führte. Nun kommen Fragen auf, die niemand mehr richtig beantworten kann, also macht man weiter und wundert sich über neue, falsche Kräfte, die die Landschaft verändern. In der Geschichte ist vieles bereits passiert und man muss nur nachlesen was daraus geworden ist. Der jungen Generation kann man nicht mit Werten kommen, die von vorherigen garnicht vorgelebt werden. Die Zeit des Aufbaus ist längst vorüber, daher ist Veränderung zwingend Notwendig. Eine Politik mit Aufklärung und mit persönlicher Übernahme von Verantwortung ist m.E. Wünschenswert. Menschen die dieses Land hassen, hier geboren, aufgewachsen und eine Ausbildung genossen haben, braucht das Land genauso wenig wie Menschen mit einem Glauben, der es verbietet sich hier einfügen zu müssen, sich an allem Gesellschaftlichen zu entziehen um seine eigenen Vorteile wegen. Erstrecht braucht es keine ewig gestrigen Menschen, die andere mit in die Vergangenheit ziehen wollen, selbst das vorgetragene aber nicht leben.
    Wenn nicht kurzfristig etwas passiert, ist es vorbei mit dem Wohlstand. Auch denjenigen, den es heute gut geht, wird schnell eine andere Realität gezeigt.
    Wenn wir auch Morgen noch auf dieses Land Stolz sein wollen, was unsere Eltern wieder aufgebaut haben um uns vor davorgeschehenen Dingen zu schützen, brauchen wir eine Politische und Gesellschaftliche Veränderung, in der auch Europa weiter wachsen kann. In einer Zeit, in der Flüchtlinge mit einem iPhone unterwegs sind, ist Neid ebensowenig angebracht, wie herablassendes Handeln von Menschen, die ihren Wohlstand vererbt bekommen haben.

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