Der Deutschen liebstes Kind. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Die Geschichte des Automobils ist ein Stück deutsche Geschichte und die Zeiten wo man auf’s Pferd zur Fortbewegung setzte sind lange vorbei.

So ein Wagen, den wollte schließlich jeder haben.

So’n Ding mit Rädern, Tür‘n und Scheiben,

man kann beim Fahren sitzen bleiben

bleibt trocken auch an nassen Tagen…

Ja so’n Ding will jeder haben.

(Zitat abgewandelt aus dem Songtext von Mike Krüger, Der Autokauf)

Dass wir motorisiert unterwegs sein können ist gerade mal 130 Jahre her und hat wie kaum ein zweites Industrieprodukt Einfluss auf unser Leben genommen. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass meine Eltern nach meiner Geburt den ersten Wagen anschafften: einen VW Käfer. Dunkelgrün war der, mit Scheiben zum Kurbeln und Außenspiegel, die man per Hand einstellte. Bergauf ging‘s nur im 1. Gang oder wir hatten bergab ordentlich Anlauf genommen. So’n Wagen zu haben, das war schon was und natürlich pflegte man den entsprechend. Die Wäsche war so ein Ritual wie ‚Straße kehren‘ und ein Bad nehmen, also für gewöhnlich samstags. Sonntags fuhr man den schönen Wagen dann mit Sonntagskleid, Handschuhen und Hut aus. Auf der Ablage selbstverständlich eine umhäkelte Toilettenrolle und ein Wackeldackel; später ergänzt durch die schrecklich stinkenden Duftbäumchen. Furchtbar kitschig du wunderschöne schwarz-weiß Romantik.  Genau so war das in tausenden dt. Haushalten. Baute oder kaufte man ein Haus, nie ohne Platz für den Wagen. Gut aufgehoben wollte man das wertvolle Stück wissen und brauchte fortan ‚ne Garage.

So’n Wagen hatte also schon immer viel mehr, als die bloße Funktion, Menschen von A nach B zu bringen. Die gesellschaftliche Verflechtung zwischen Mensch und Fortbewegungsmittel ist bis heute enorm. Fanclubs sind entstanden, man identifiziert sich und repräsentiert. Man führt die Damen aus, lässt den Auspuff an der Ampel sprechen und beeindruckt mit Speed. Das Auto als Statussymbol und Spiegelung von Hierarchien. Wer also zeigen will, dass er’s richtig dicke hat, der protzt schon mal mit seinem schönen Schlüsselanhänger. Bei Incentives in der Finanzbranche war es früher gang und gebe, dass Männer sich im Erfolg mit ihren Autos gemessen haben und dann flog so ein springendes Pferd auf gelbem Grund bisweilen unvermittelt vom Rednerpult auf den Boden, um die frische Vertriebsmeute in abgelaufenem Schuhwerk so richtig gierig zu machen. Die ganze große Show. Aber eben nur Show. In Wahrheit gehören die meisten Flitzer (wir sprechen von ca. 85%) gar nicht ihren Fahrern, sondern der Bank bzw. Leasinggesellschaften. Bei den wenigsten gilt die altmodische Devise ‚erst spar’n dann fahr’n. Man schmückt sich also fleißig mit beeindruckendem Gefieder und fährt im Grunde nur zur Miete!

Dass der Deutschen liebstes Kind nun aufgrund von Dieselskandal und Überlegungen zur Umweltverträglichkeit bald Schnee von gestern sein soll, kann ich noch gar nicht so recht glauben. Schon deshalb nicht, weil es dauern wird, rd. 46 Mio. zugelassene PKW (mehr als 10 x so viel wie 1960!; Quelle: Kraftfahrtbundesamt, Statistik) einer anderen Nutzung zuzuführen.

Doch der Wandel und der Weg – auch in ein neues Zeitalter der Mobilität – ist unaufhaltsam. Innovationen im Antrieb und neue Nutzungskonzepte wie Carsharing werden Antworten auf die Mobilität des 21. Jahrhunderts geben. Auch die fortschreitende Digitalisierung, die uns als Lenker und Fahrer vielleicht bald ersetzt, liegt nicht mehr außerhalb der technischen Möglichkeiten. Aus der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit und ich singe:

So’n Ding das selber fährt

macht die Sache kompliziert.

Überwacht nun meine Wege,

Fühl‘ mich fast wie im Gehege!

Ich glaub‘ ich steig aufs E-Bike um,

so, jetzt guckt ihr aber dumm!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

1 KOMMENTARZU „WELTFRAUENTAG. – EIN KOMMENTAR VON RENATE ZOTT IN BESTZEIT-PLUS“

  1. Gratuliere zu diesem Artikel! Allen, die das Gefühl haben, es tut sich nichts bei den Männern in Sachen Gleichberechetigung möchte ich Optimismus zusprechen: Googeln Sie mal nach HeForShe oder WhiteRibbon, oder lesen Sie „Die Söhne Egalias“ von Peter Redvoort!

    Johanna

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