Die demografische Pause – wie geht es weiter mit den Renten? Diskussion mit Gundula Roßbach, Präsidentin der Rentenversicherung Bund

Bald gehen die Jahrgänge der sogenannten „Baby-Boomer“ in Rente. Gleichzeitig werden weniger Arbeitnehmer beschäftigt sein und Sozialbeiträge entrichten. Die derzeit noch prall gefüllten Kassen der gesetzlichen Rentenkasse werden dann knapper. Wie geht es dann weiter mit der Rente? Über diese Frage diskutierte in der DIA-Lounge in Berlin die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach.

Senkung des Rentenbeitragssatzes

Roßbach äußert sich dazu positiv und ist froh über die Absenkung. „Derzeit ist die Rentenkasse aufgrund der hohen Beschäftigung gut gefüllt. Man muss den Beitragssatz immer wieder nachjustieren. Er ist das Spiegelbild des Arbeitsmarkts.“ so Roßbach.

Mehr Flexibilität beim Renteneinstiegsalter?

DIA-Lounge: Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, im Gespräch mit Dieter Weirich und Klaus Morgenstern

Die Lebenserwartung steigt und damit auch die Herausforderung für die gesetzliche Altersvorsorge. Wäre ein flexibles Renteneinstiegsalter hier die Lösung? So könnten Berufstätige selbst entscheiden, wann sie mit entsprechenden Abschlägen in den Ruhestand gehen wollen. Ein klares Ja oder Nein zu dieser Frage gibt Gundula Roßbach in der DIA-Lounge nicht. „Das Rentenzugangsalter kann man nicht isoliert betrachten“, erklärt die Präsidentin. Derzeit liegt das tatsächliche Einstiegsalter bei durchschnittlich rund 64 Jahren. Bei einer Rente ab 67 Jahren und älter müssen viele gesundheitlich passen, behauptet Roßbach: „Die Menschen können zum größten Teil nicht so lange arbeiten.“ Eine Anhebung des Rentenalters oder eine Koppelung an die Lebenserwartung, wie in unserem Nachbarland Dänemark, seien da nur schematische Lösungen. Es stelle sich immer die Frage, ob die Lösungsansätze den Realitätstest bestehen können. Roßbach spricht sich daher auch für die Bildung einer  Rentenkommission aus, da durch deren Arbeit längerfristige Entwicklungen besser geplant werden können.

Sind bei Erwerbsminderung Renten-Abschläge gerechtfertigt?

Ein weiteres Problem stellt die Erwerbsminderungsrente dar. Sie ist in der zurückliegenden Legislaturperiode zweimal verbessert worden. Dennoch sind Erwerbsgeminderte häufig von Altersarmut bedroht. Roßbach verweist auf die verlängerten Zurechnungszeiten. Einen Wegfall der Abschläge bei gleichzeitig längeren Zurechnungszeiten hält sie für sehr fraglich. Wer mit 63 Jahren in Erwerbsminderungsrente geht, erhält wegen der Zurechnungszeiten heute schon mehr Rente als jemand, der im gleichen Alter Altersrente bezieht. Das sei nicht gerechtfertigt, so Roßbach. Die Frage, wie es um jüngere Erwerbsgeminderte steht, blieb offen.

Rente mit 63

Die Rente ist für viele Arbeitnehmer ungemindert attraktiv. Pro Jahr werden über 200.000 Anträge eingereicht. „Wer 45 Jahre Beiträge gezahlt hat und somit die Rente mit 63 nutzen kann, der tut es auch“, erzählt die Präsidentin. Durch die neu eingeführte Flexirente gibt es bei einem früheren Renteneintritt die Möglichkeit, noch etwas hinzu zu verdienen. Wie dieses Prozedere im Einzelnen funktioniert, werde nach Einschätzungen Roßbachs von etwa einem Drittel dieser Rentner angefragt. Aber nur wenige nutzen diese Möglichkeit tatsächlich, da das aufwendige Verfahren viele abschrecke.

Gesetzes-Hürden auf dem Weg zum Online-Rentenkonto

Roßbach äußerte sich zustimmend zu einem Online-Rentenkonto, das in Deutschland bis jetzt nur Theorie ist. Bei solch einer digitalen Plattform könnte jeder seine künftigen Rentenansprüche in übersichtlicher und zusammengefasster Form einsehen. In vielen anderen Ländern Europas gibt es Online-Rentenkonten bereits seit längerer Zeit. Warum geht das in Deutschland nicht? Das Problem für die gesetzliche Altersvorsorge sieht Roßbach vor allem in Sozialdatenschutzfragen. Ideal wäre für ein Rentenkonto die Nutzung der eigenen Steuernummer oder vergleichbare einmalig vergebene Kennziffern. Der Gesetzgeber müsse diese erst freigeben, da sonst die informationelle Selbstbestimmung der Datenfreigabe greift. „Wir als GRV dürfen ohne gesetzliche Einwilligung keine Sozialdaten einspeisen“, erklärt die Präsidentin.

1 Kommentar zu "Die demografische Pause – wie geht es weiter mit den Renten? Diskussion mit Gundula Roßbach, Präsidentin der Rentenversicherung Bund"

  1. Was Frau Roßbach äußert, gibt mir zu denken. Wie kann man politisch verantworten, den Beitragssatz in der GRV jetzt zu senken (nachjustieren), wenn man gleichzeitig nachhaltige und verantwortungsbewußte Politik betreiben will? Heißt es dann in 2030 auch „nachjustieren“, wenn prognostiziert 1 Erwerbstätiger auf 1 Rentner fallen wird? Ich habe gelernt, in guten Zeiten für die schlechten zu sparen und bin überzeugt, wir täten gut daran, genau so zu verfahren!

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