Die Elbphilharmonie – Freude und Fragen

Am 11. Januar 2017 wird in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet. In die große Freude über ein neues Wahrzeichen der Stadt, vielleicht sogar des ganzen Deutschlands, mischen sich auch Fragen, über die es nachzudenken gilt.

2001 beginnt die Geschichte der Entstehung der Elbphilharmonie. Planung, Bauzeit, Baustopp und wieder Bauzeit – endlich nach 16 Jahren wird das große Bauwerk nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Erwartungen sind hoch. Schon heute gilt die Silhouette am Platz der Deutschen Einheit als etwas Besonderes, vergleichbar mit der legendären Oper in Sidney. Die Erwartung ist auch, dass die Akustik deutlich besser sein wird, als die der Oper in der australischen Hafen-Stadt. Das wird sich heute Abend erweisen, wenn nach feierlichen Ansprachen des Bundespräsidenten Gauck und des Hamburger Bürgermeisters Scholz, ab 20.00 Uhr das NDR Elbphilharmonie Orchester unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock und hochkarätigen Solisten wie u.a. Bryn Terfel und Philippe Jaroussky aufspielt. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Beethoven, Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius, Rihm und Wagner. In der Konzertpause begrüßt Barbara Schöneberger im Foyer der Elbphilharmonie prominente Premierengäste. Live zu sehen im NDR-Fernsehen oder bei Youtube.

2.150 Gäste werden zum Festakt und zum Premierenkonzert erwartet. Unter ihnen sind viele deutsche Spitzenpolitiker, Investoren und Spendengeber, die dem Projekt in der Frühphase geholfen haben. Auch 1.000 Hamburger Bürger, die mit ihren Steuergeldern tapfer die 789 Millionen Euro bezahlt haben, die das Konzerthaus letztendlich kostete, wurden per Losverfahren für dieses Event ausgewählt.

Für alle, die sich einen Eindruck von der Architektur verschaffen wollen, zeigen wir einen kurzen Drohnen-Flug durch das Innere der Elbphilharmonie:

Fragen, mit der Bitte um ehrliche Antworten

Die Elbphilharmonie war für 77 Millionen Euro Baukosten geplant; jetzt kostet sie 789 Millionen. Wer verantwortet eigentlich die überlange Bauzeit und die horrenden Mehrkosten? Wer von den Verantwortlichen sitzt heute Abend auf einem Ehrenplatz?

Was hätte man mit den Mehrkosten, die die Elbphilharmonie verursachte, Gutes tun können? Hier ein paar Ideen:

  1. Die Ticketpreise beginnen bei etwa 20.00 Euro. Wollte man 500 Menschen, die sich solche Preise nicht leisten können, ein Ticket schenken, könnte man z.B. 1.000 Vorstellungen sponsern. Aufwand: 10 Mio Euro;
  2. Es gibt in Deutschland viele Kinder, deren Eltern arm sind. Wollte man 100.000 Kindern jeden Schultag eines Jahres 5,00 Euro für Milch. Vollkornbrot oder Obst geben, würde das 95 Mio Euro kosten;
  3. Viele Familien können sich aus finanziellen Gründen keinen Urlaub leisten. Das trifft nicht nur die Kinder, die einmal neue Eindrücke gewinnen sollten, dies betrifft auch die Mütter, die oft eine doppelte Belastung – Beruf und Familie – haben. Würde man 50.000 Familien mit jeweils 1.000 Euro Urlaubsgeld unterstützen, käme man auf 50 Millionen Euro;
  4. In Griechenland hat die Regierung 2016 den Rentnern ein Weihnachtsgeld gezahlt. Wenn wir das in Deutschland tun würden und nur die 500.000 ärmsten Rentner berücksichtigen würden, kämen wir bei einem Weihnachtsgeld von 400 Euro pro altersarmen Menschen auf 200 Millionen Euro.

Diese vier Massnahmen würden insgesamt 355 Millionen Euro kosten. Das ist nur die Hälfte dessen, was die Mehrkosten der Elbphilharmonie ausmachen.

Die Elbphilharmonie hat das Potential, einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung des Anspruches von Hamburg zu leisten, die schönste Stadt der Welt zu sein. Wenn der imposante Bau darüber hinaus dazu beiträgt, künftig die Verschwendung von Steuergeldern und amateurhafte Bauplanung zu vermeiden sowie Verantwortlichkeiten klar zu benennen und auch zu ahnden, dann wäre die Elbphilhamonie wirklich wichtig für Deutschland.

P.S. Sollten der Flughafen in Berlin, die Staatsoper in Berlin oder der Hauptbahnhof in Stuttgart jemals eingeweiht werden können, werden wir bestimmt ähnliche Fragen stellen und wieder Vorschläge für eine sinnvolle Verwendung von Bau-Mehrkosten in die Diskussion einbringen…

 

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