Die Union marschiert getrennt? INSA-Sonntagsfrage: was wäre, wenn am Sonntag der Bundestag gewählt worden wäre?

Flüchtlings-Krise und Konflikte in der Bundesregierung – wie reagieren die Wähler? Das fragte das Meinungsforschungs-Institut INSA – ein Partner des Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus).

Die politische Landschaft in Deutschland befindet sich im Umbruch. Das dokumentieren Werte von unter 30 Prozent für die CDU/CSU und unter 20 Prozent für die SPD. Es ist schon interessant, wie schnell man sich daran gewöhnt und wie illusorisch es sich nun anhören würde, wenn Union und SPD jetzt wieder proklamieren würden, sie strebten – wie in früheren Jahren – Ergebnisse von 40 Prozent und mehr an. Einzeln natürlich! Die Gründe dafür sind sicher vielfältig. Ein entscheidender Grund scheint aber zu sein, dass sich die Politik zwar sehr für die Stimmung in der Bevölkerung interessiert, aber diese möglicherweise immer weniger versteht oder mit ihrem aktuellen politischen Handeln auch nicht berücksichtigt. Das ist Aufgabe der politischen Meinungsforschung. Nicht nur zu erfragen, WIE die Stimmung ist, sondern festzustellen, WARUM sie so ist. Wenn dann noch die Parteien ihr Profil schärfen und damit auch einen wichtigen Beitrag zur politischen Willensbildung (Artikel 21 GG) leisten, hilft das einer lebendigen Demokratie. Welche Auswirkungen es hätte, wenn die CSU bundesweit wählbar wäre, hat INSA in einer alternativen Sonntagsfrage für BILD abgefragt und die Ergebnisse können Sie in BZ-Nachrichten lesen.

Die CDU/CSU verliert diese Woche in der Sonntagsfrage zwei Prozentpunkte, während die SPD zwei Prozentpunkte dazugewinnt. Ansonsten gibt es bei den absoluten Werten der restlichen Parteien keine Veränderungen zur Vorwoche. An sicheren und potentiellen Stimmen verliert die Union jedoch jeweils einen Prozentpunkt. Wähler, die die Union grundsätzlich ausschließen steigen im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt. Die SPD gewinnt drei Prozentpunkte an sicheren Stimmen, verliert jedoch auch zwei an potentiellen Wählern. Wähler, für welche die SPD nicht infrage kommt sinken auch um zwei Prozentpunkte.

Bei der AfD verändert sich im Vergleich zur Vorwoche lediglich, dass sie einen Prozentpunkt an potentiellen Wählern dazugewinnt.

Die FDP verliert drei Prozentpunkte an potentiellen Stimmen und der Anteil der Wähler, für welche die FDP nicht in Frage kommt, steigt stark um vier Prozentpunkte.

Die Linke gewinnt einen Prozentpunkt an sicheren Stimmen und verliert zwei an potentiellen Stimmen.

Die Grünen gewinnen sowohl einen Prozentpunkt an sicheren Stimmen sowie an potentiellen Stimmen und reduzieren den Anteil ausgeschlossener Wähler um zwei Prozentpunkte.

Wie würden die Befragten wählen, wenn die CDU und CSU getrennt antreten würden?

Aufgrund des Konflikts zwischen CDU und CSU in der Flüchtlingspolitik hat INSA erfragt, wie die Sonntagsfrage ausfällt, wenn CDU und CSU getrennt bei einer Bundestagswahl antreten würden. Die Frage lautete: „Aktuell bilden CDU und CSU eine gemeinsame Fraktion im Bundestag. Sollte es zu einem Bruch zwischen den beiden Parteien kommen, wäre es möglich, dass die CDU auch in Bayern und die CSU in den restlichen Bundesländern jeweils als eigenständige Parteien gewählt werden können. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen unter diesen Bedingungen wären, wie würden Sie wählen?“ 

Die CDU käme auf 22 Prozent der Stimmen und die CSU auf 18 Prozent. Dies sind in Summe elf Prozentpunkte mehr als die Union bei einem gemeinsamen Antreten in der aktuellen Sonntagsfrage erhält. Die SPD würde im Vergleich zur aktuellen Sonntagsfrage zwei Prozentpunkte verlieren und 17 Prozent der Stimmen erhalten. Die AfD würde fünf Prozentpunkte verlieren und bei elf Prozent liegen, während die FDP zwei Prozentpunkte verlieren würde und auf sechs Prozent kommt. Bei der Linkspartei gäbe es keine Veränderungen und die Grünen würden einen Prozentpunkt verlieren und zehn Prozent der Stimmen erreichen.

Betrachtet man die hypothetische Bundestagswahl-Sonntagsfrage nach Bayern und den Rest Deutschlands getrennt, zeigt sich, dass die CSU im Bundesgebiet ohne Bayern auf 14 Prozent der Stimmen kommt. Die CDU würde 23 Prozent erhalten. Die restlichen Parteien erreichen ungefähr das Ergebnis, dass sie bundesweit inklusive Bayern erreichen würden, außer die SPD, die wieder zwei Prozentpunkte mehr erhalten würde. In Bayern käme die CSU ohne ein gemeinsames Antreten der Union im Bund und somit mit einem Antreten der CDU in Bayern auf 35 Prozent. Die CDU würde in Bayern 16 Prozent der Stimmen erhalten. Die AfD wäre drittstärkste Kraft mit zwölf Prozent, die Grünen folgen mit elf Prozent und die SPD mit zehn Prozent. Die Linke würde acht Prozent erhalten und die FDP fünf.

Richtet man den Blick zurück auf alle 16 Bundesländer und betrachtet man die befragten CSU-Wähler der alternativen Sonntagsfrage genauer danach, welche Partei diese Befragten bei der traditionellen Sonntagsfrage wählen, sieht man, dass 48 Prozent der CSU-Wähler von der Union kommen. 31 Prozent kommen von der AfD, 14 Prozent von der FDP, lediglich drei Prozent von der SPD und ein Prozent von der Linkspartei und niemand von den Grünen.

Sind die Befragten für Neuwahlen zum Bundestag?

Ein Drittel der Befragten (33 %) sind für Neuwahlen zum Bundestag. Etwas mehr Befragte, nämlich 36 Prozent, sind dagegen. Insgesamt weitere 30 Prozent wissen nicht, ob sie für Neuwahlen sind oder machen dazu keine Angabe. Männer sind etwas häufiger gegen Neuwahlen als Frauen (42 und 31 %), dafür sind Frauen etwas häufiger unentschieden (34 %, kumuliert).

Am häufigsten sind die befragten AfD-Wähler für Neuwahlen. 79 Prozent, also eine deutliche Mehrheit, befürworten dies. Bei den Wählern der restlichen Parteien liegt die Zustimmung zu Neuwahlen bei jeweils weniger als 50 Prozent. Am wenigsten sind die Unions-Anhänger für Neuwahlen (15 %) und lehnen diese auch am stärksten ab (64 %), gefolgt von den Grünen-Wählern (23 und 60 %). SPD-Wähler sind zu 35 Prozent dafür, Linke-Wähler zu 38 Prozent und FDP-Wähler zu 44 Prozent.

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