Equal Pay Day. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

„Das Weib ist dem Manne untertan…“ träumte der Mann und wurde jäh aus seinem biblischen Erlebnisschlaf gerissen, als ihm seine Frau noch ein „bis heute Abend Schatz“ zurief und sich zu ihrer Arbeit auf den Weg machte.

Dass Frauen arbeiten gehen, unabhängig, selbstständig und gleich gut ausgebildet wie Männer sind, finden wir heute normal. Demnach steht ihnen bei gleicher Leistung die gleiche Entlohnung wie einem Mann zu. Das ist logisch. Ist aber nicht so. Und ich hege erklärbare Zweifel, ob es in absehbarer Zeit so sein wird.

Vor nicht einmal 50 Jahren stellten sich diese komplexen Fragen nicht, denn da hatte die Frau in der Dr. Oetker Werbung genau zwei Fragen in ihrem Mutter- und Hausfrauen-Dasein zu beantworten: Was soll ich anziehen? Was soll ich kochen? Und das allerwichtigste für den Mann ist der Pudding… Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das nicht damals schon Satire war, Fakt ist aber, das wir heute keinen einfachen Pudding mehr anrühren, sondern die Schokokugel mit flüssigem Kern – möglichst lauwarm – versuchen. Will damit sagen: unser Leben und unsere Arbeit ist in kurzer Zeit weitaus anspruchsvoller, diffiziler und differenzierter geworden. Rollen werden neu definiert und gelebt; Bilder vom Rollenverhalten stehen auf dem Kopf und ich bin überzeugt, auch unsere Natur redet da ein gehöriges Wörtchen mit. Jahrtausende waren die Männer die Jäger und die Frauen die Sammler. Ein simples Strickmuster, das wir ebenso lange weitergestrickt haben, aber das Muster blieb gleich. Hier und heute wollen wir nun alle jagen, alle sammeln; die rechte Masche nach links stricken. Gleicher ist gleich. Der „neue“ Mann ist also Karrierist und Kuschelpapa und die neue Frau ist gebildet, wirtschaftlich unabhängig und schafft den Spagat zwischen Kinderzimmer, Küche und Büro, als wäre es nie anders gewesen. War es aber und da sind nun beide überfordert. Die Männer genauso wie die Frauen. Und das seitdem die traditionellen Rollenbilder auf dem Rückzug sind, Frauen auf der Karriereleiter hochkochen.

UNABHÄNGIGKEIT ist das große Stichwort und das Mittel ist Geld. Wollen und müssen. Die Zeiten, wo Männer den Lebensunterhalt für die Familie als Alleinverdiener bestritten haben und der Mann die „Altersvorsorge“ für die Frau war, sind nämlich vorbei. Was es heißt, kein Geld zu haben und in Abhängigkeit vom Mann zu leben, war und ist für viele Frauen ein Alptraum. Menschliches Leid gepaart mit massiver materieller Not ist keine Option. Geld ist auch Frauensache, das muss in die Köpfe. Und damit gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Und noch mehr: wer nicht arbeitet, hat keine Rente. Man muss es bewusst machen, immer und immer wieder. Denn: auch hochqualifizierte und arbeitende junge Frauen fallen mit dem ersten Kind in die tradierte Rolle zurück, obgleich sie es ganz anderes wollten. Die Rahmenbedingungen schaffen scheinbar Anreize, die dem Mutterinstinkt des eigenen Kümmerns in die Arme spielen und Frauen dazu verleiten, sich für’s Erste gegen eine volle Erwerbstätigkeit zu entscheiden. Überdies ist unsere alternde Bevölkerung geradezu verzweifelt auf Nachwuchs angewiesen. Trotzdem ist und wird es am Ende so sein, dass Geld nur über Arbeit erwirtschaftet werden kann. Wer so naiv oder unbedarft bleibt, zu glauben, dass die Ehe schon halten wird, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 2,5 bestraft. Und wie es dann mit dem Teilen ausschaut, sollten Frauen wissen. In der Gutgläubigkeit „es-wird-schon-irgendwie-gehen“ zu leben ist nicht zeitgemäß und ein fundamentaler Irrtum, der scheinbar nur schwierig auszurotten ist.

Rückständig handeln auch noch immer die meisten Unternehmen. Hochflexible Arbeitszeitmodelle, die Frauen und Männer gleichermaßen motivieren würden, sich Arbeit, Haushalt und Kinder partnerschaftlich zu teilen, bleiben die Ausnahme. Ins Trio der Entmutiker passt, dass der deutsche Staat einer arbeitenden Mutter, so viel vom Lohn abnimmt, dass es sich im Grunde nicht lohnt… „dann bleib‘ doch lieber zu Hause“, tönt da der traditionelle Mann und geht nach 15 Jahren Ehe; statistisch. Mit dem Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG, https://www.gesetze-im-internet.de/entgtranspg/BJNR215210017.html) haben wir seit 30.06.2017 eine neue Stellschraube.

25 Paragraphen, die das Recht auf gleiches Entgelt bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit für Männer und Frauen besiegeln. Was machen wir nun mit dem neuen Gesetz, das wie die anderen, nicht zum Lesen verleitet. Wir vergleichen und zwar mittels Vergleichsgruppen und Gehältern nach Vergleichstabellen und zwar so lange, bis erkannt ist, dass der Vergleich hinkt und alles beim Alten bleibt. Nun kann man also dafür oder auch dagegen sein – ohne Transparenz wird es nicht gehen. Und auch da stehen wir uns wieder selbst im Weg. Denn: Über’s Gehalt spricht man nicht. Auch ohne Verschwiegenheitsklausel im Arbeitsvertrag schickt es sich nicht. So war es vor 50 Jahren und ist es bis heute. Frauen, ihr müsst also wieder stark sein und auf den Auskunftsanpruch bestehen. Lieber Alarm schlagen, als die Ohnmacht der wirtschaftlich Abhängigen zu ertragen. Unabhängigkeit ist die sicherste Währung, sich für nichts und niemanden verbiegen zu müssen.

Frauen, traut euch, egal in welchem Alter!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

1 KOMMENTARZU „WELTFRAUENTAG. – EIN KOMMENTAR VON RENATE ZOTT IN BESTZEIT-PLUS“

  1. Gratuliere zu diesem Artikel! Allen, die das Gefühl haben, es tut sich nichts bei den Männern in Sachen Gleichberechetigung möchte ich Optimismus zusprechen: Googeln Sie mal nach HeForShe oder WhiteRibbon, oder lesen Sie „Die Söhne Egalias“ von Peter Redvoort!

    Johanna

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