Exklusiv: Umfrage Kapitalmarkt – Rückblick 2017/Ausblick 2018 Teil 2

BESTZEITPLUS befragte zwei renommierte Kapitalmarkt-Experten zum Börsenjahr 2017 und zu den Aussichten für das neue Jahr. Im Teil 2 beantwortet Charles Neus vom Bankhaus Schroders die Fragen.

Was waren für Sie die herausragendsten Ereignisse des Börsenjahres 2017?

Überragend war das Comeback der Schwellenländer. Die Aktien waren günstig, und viele Anleger kamen zurück, nachdem sie sich zwischen 2013 und 2015 aus den Schwellenländern verabschiedet hatten. Für 2018 sehen die Aussichten unverändert gut aus. Klasse war auch die gesunde Gewinnentwicklung bei sehr vielen Unternehmen.

Welches Kapitalmarkt-Ereignis/welchen Trend haben Sie 2017 „verschlafen“?

Charles Neus hofft, dass 2018 noch mehr private Anleger die Chancen des Aktien-Marktes nutzen werden

Als breit aufgestelltes Haus waren wir in allen Märkten vertreten, somit haben wir auch kein Ereignis als solches verschlafen. Auf den Nachhaltigkeitstrend, der endgültig 2017 durchgestartet ist, haben wir schon vor Jahren gesetzt. Somit haben wir auch hier den Trend nicht verschlafen.

Wer ist die Kapitalmarkt-Persönlichkeit 2017?

Der Privatanleger, der auch in diesem Jahr an den Kapitalmarkt geglaubt hat und dafür wieder belohnt wurde.

Was wird 2018 wichtig an den Kapitalmärkten?

Das wirtschaftliche Umfeld ist durchaus positiv zu bewerten. Das Wachstum zieht an, und die Inflation steigt nur moderat an. Das wird den Märkten Aufwind geben. Dennoch möchte ich davor warnen, die Augen vor den bestehenden Risiken zu verschließen. Zahlreiche Märkte sind in den vergangenen acht Jahren richtig gut gelaufen. Und obwohl aus unserer Sicht das Bewertungsniveau fundamental gerechtfertigt ist, steigt die Anfälligkeit für eine Korrektur. Sollte es 2018 größere Kursrücksetzer geben, kann durch aktives Management einiges gut gemacht werden und das Verlustpotenzial eingegrenzt werden.

Hält die Aktien-Rallye 2018 an?

Aktionäre können dem neuen Jahr zuversichtlich entgegenblicken. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass der gesamte Markt nur so vor Optimismus strotzt. Die Bewertungen lassen sich durch starke Unternehmenszahlen begründen, doch historisch gesehen sind sie recht hoch. Auf Länderebene mögen wir vor allem Europa, Japan und die Schwellenländer. Trotz allen Überschwangs und der damit verbundenen Irrationalität werden sich letztendlich immer die Fundamentaldaten durchsetzen.

Wie geht es mit den Immobilien-Preisen weiter?

Bei europäischen Gewerbeimmobilien wird man sich 2018 die Frage stellen, wie lange sich der Wachstumszyklus noch halten kann. Bei den Preisen gibt es immer noch Spielraum nach oben. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren ein, dass sich der Strukturwandel auf jeden Markt und jeden Sektor ganz unterschiedlich auswirken wird und man schon sehr genau hinsehen sollte.

Halten die großen Notenbanken auch 2018 an der Politik der Niedrig-Zinsen fest?

Die Notenbanken dürften insgesamt eine schrittweise restriktivere Geldpolitik verfolgen. Von der US-Notenbank erwarten wir 2018 insgesamt drei zusätzliche Zinsschritte, nicht zuletzt deswegen, weil die Regierung jetzt weitere Wachstumsimpulse setzt. In Europa rechnen wir damit, dass die EZB im September ihre Anleihekäufe einstellen wird und 2019 eine Zinserhöhung wagen wird.

Was geschieht mit den Krypto-Währungen?

Wir konzentrieren uns lieber auf regulierte Finanzprodukte.


Lesen Sie auch Teil 1 der Umfrage zu den Aussichten für die Kapitalmärkte.

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