Fachkräftemangel: BA setzt auf Berufseinsteiger und jüngere Langzeitarbeitslose – Bundesverband Initiative 50Plus fordert mehr Chancen für Ältere 

Experten sehen bereits im aktuellen Arbeitskräftemangel ein Wachstumshemmnis für die deutsche Wirtschaft. Der durch die Demografie noch zunehmende Mangel an Fachkräften wird für immer mehr Branchen zum Problem. Die Bundesagentur sucht nach Auswegen – und ist dabei auf Berufsstarter gestoßen.

Detlef Scheele von der BA will Berufseinsteiger fördern

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, setzt im Kampf gegen den Fachkräftemangel neben der Anwerbung von Zuwanderern auch auf eine zielgerichtete Berufsberatung junger Menschen. Am Übergang von Schule und Beruf gingen noch immer zu viele junge Menschen verloren, die dann später als Fachkräfte fehlen würden.

Das System der Berufsorientierung müsse weiter verbessert und ausgebaut werden um zu verhindern, dass Jugendliche ihre Lehre oder ihr Studium abbrechen und ohne Ausbildung blieben. Ein Arbeitsmarkt, der mit dem Problem einer zunehmend überalterten Bevölkerung konfrontiert sei, könne es sich nicht leisten, dass Menschen schon in jungen Jahren arbeitslos würden.

Scheele kündigte an, von 2019 an eine gezieltere Berufsberatung in den Schulen anzubieten. Ein derzeit noch im Aufbau befindliches IT-System solle verhindern, dass Jugendliche durch das Raster von Schule, Ausbildung und Jugendhilfe fallen. In dem System sollen Daten über den Berufsweg, aber auch mögliche Ausbildungs- oder Studienabbrüche der Jugendlichen zentral erfasst werden. Erprobt werde das System von kommendem Jahr an in Hamburg, Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Gegen diese Pläne gibt es Vorbehalte von Datenschützern. Die BA arbeitet daran, die Bedenken auszuräumen und Datenschutz und eine gute und effektive Förderung am Übergang von Schule und Beruf in Einklang zu bringen.

Scheele wirbt für ein Zuwanderungs-Gesetz, um Arbeitsmigranten nach Deutschland zu holen. Diese Arbeitsmigranten müssten allerdings dazu verpflichtet werden, bereits in ihrem Heimatland Deutsch zu lernen. Eine zentrale Anerkennungsstelle in Deutschland sollte bei reglementierten Berufen wie etwa im Pflegebereich die Berufsabschlüsse der Zuwanderungsinteressenten prüfen. Auch sollten sie eine Arbeitsplatzzusage aus Deutschland haben, bevor sie ein Visum erhalten.

Potenzial im Kampf gegen den Fachkräftemangel sieht Scheele auch bei jüngeren Langzeitarbeitslosen zwischen 25 und 45 Jahren. Die BA will mehr Langzeitarbeitslosen die Chance zu geben, im Erwachsenenalter einen Berufsabschluss zu erwerben oder sich zumindest fortzubilden. Für ein derartiges Programm fehlt den Jobcentern derzeit das Geld .

Bundesverband Initiative 50Plus fordert mehr Chancen für ältere Arbeitnehmer

Der Bundesverband Initiative 50Plus fordert von der BA und den Unternehmen, das große Potential der gut ausgebildeten und motivierten Arbeitnehmer Ü50 aktiv zu nutzen. „Die Menschen brauchen Wertschätzung, Fortbildung und eine diskriminerungsfreie Arbeitsumwelt. Dann haben wir ein großes Potential an älteren Fachkräften, die sich gern einsetzen und auch jüngeren Kollegen mit Ihrer Erfahrung helfen.“ so Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverband Initiatve 50Plus. „Es klingt absurd, wenn Bewerber, nur weil sie über 50 Jahre als sind, nicht einmal zum Bewerbungs-Gespräch eingeladen werden und gleichzeitig die Unternehmen und Arbeitgeber-Verbände über Arbeitskräftemangel klagen und nach einer verbesserten Förderung für Schulabbrecher rufen, die dann – wenn überhaupt – erst langfristig greift.“ erklärte Müller.

1 Kommentar zu "Fachkräftemangel: BA setzt auf Berufseinsteiger und jüngere Langzeitarbeitslose – Bundesverband Initiative 50Plus fordert mehr Chancen für Ältere "

  1. Gerhard Ludwig | 11. Januar 2018 um 16:12 | Antworten

    Die Stabilisierung des Arbeitsmarktes ist nur mit Einbeziehung der vorhandenen Human-Kapazitäten möglich. Menschen ab Ende 40 werden dabei oft nicht mehr berücksichtigt. Die Bedarfe an Kompetenz- und fachlichem Know-how der Menschen im besten Alter mit hohem Wirkungsgrad werden von den beauftragten Institutionen immer noch als geringfügig geachtet. Wollen wir mit unseren Aktivitäten in die Herzen der Entscheider wirken und Mut für ein Umdenken erwirken.

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