Helmut Muthers: Mit dem Älterwerden wächst die Produktivität der Mitarbeiter

„Die Auffassung, dass Menschen mit fortschreitendem Alter rigide werden, also die Fähigkeit verlieren, sich wechselnden Bedingungen psychisch anzupassen, und nicht mehr zu kreativen Leistungen fähig sind, ist ebenso weit verbreitet wie unzutreffend. Wer mit 60 rigide ist, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit 30. Das Alter spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Insofern wird auch hier die Notwendigkeit eines differenzierten Altersbildes deutlich.“ (Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in Deutschland, 2005)

Haben Sie wirklich etwas gespürt, als Sie 30, 40, 50, 60 oder älter geworden sind? Hat sich Ihr geistiges Leistungsvermögen von einem auf den nächsten Moment verschlechtert? Ist Ihre körperliche Leistungskraft am Geburtstag plötzlich zusammengebrochen? Natürlich nicht, auch wenn manche Menschen vor jedem runden Geburtstag eine Angst entwickeln, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Leistungsfähigkeit und noch weniger die Leistungsbereitschaft sind auf irgendwelche Jahreszahlen oder ein bestimmtes Datum programmiert.

Ein weit verbreitetes Klischee ist die Auffassung, dass mit zunehmendem Alter die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter abnimmt. Es gibt aber keine einzige Studie, die das belegen würde. Was es aber gibt, sind unzählige Studien, die das genaue Gegenteil bestätigen. So konnte z.B. das Mannheim Research Institute for the Economics of Aging nachweisen, dass die Produktivität sogar zunimmt. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die verbreitete Meinung schlicht falsch ist. Auch eine Langzeit-Studie über das kognitive Altern, die seit 1957 im amerikanischen Seattle mit 6.000 Probanden durchgeführt wird zeigt, dass die Menschen über 50 in den kognitiven Tests in folgenden Testbereichen besser abschneiden als die Probanden von 25 bis 35 Jahren: Sprachkompetenz, Sprachgedächtnis, räumliche Orientierung, schlussfolgerndes Denken. Nur in der sensorischen Verarbeitung (z.B. Reaktionsgeschwindigkeit, Seh- und Hörgenauigkeit) und im Umgang mit Zahlen, gab es bei den älteren Teilnehmern eine abfallende Leistung. Die Ergebnisse entsprechen wahrscheinlich nicht der Vorstellung vieler Menschen. Die meisten würden sicher behaupten, dass das Gehirn sehr viel früher an Leistungsfähigkeit verliert.

Der in einem bestimmten Alter zwangsweise angeordnete Rückzug aus dem Arbeitsleben ist also reine Willkür und durch nichts zu begründen. Wie sonst ist es zu erklären, dass das Renteneintrittsalter immer wieder vor und zurück verändert wurde. Das hat doch nichts mit den Menschen und ihrer Glückseligkeit zu tun. Wenn es um den Menschen und sein Wohlergehen ginge, müsste man doch auch Künstler, Unternehmer und Politiker zwangspensionieren. Wie kann es sonst sein, dass der Papst erst mit 76 gewählt wurde, zum Oberhaupt der katholischen Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern und zum Chef von 1,2 Millionen Priestern und Ordensleuten? Was ist denn mit seiner Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft? Es sollte sich langsam herumgesprochen haben, dass die offensichtlich in Stein gemeißelte Formel „65. Rente. Alt.“ ihre Berechtigung völlig verloren hat.

Mit zunehmendem Alter wird älteren Mitarbeitern von Ihren Chefs immer weniger zugetraut. Gleichzeitig glauben die gleichen Chefs, dass sie selbst bis mindestens 80 arbeiten können. Den wenigsten Führungskräften aber auch den wenigsten Politikern scheint dieser Widerspruch aufzufallen. Wie sonst ist erklärbar, dass schon 2006 der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble die Rente mit 80 ins Gespräch brachte. Die EU fordert seit 2012 die Rente mit 72 und der Chef des Bundesverbandes der deutschen Industrie, Ulrich Grillo, hält sogar ein Renteneintrittsalter von 85 für denkbar, wenn die Lebenserwartung weiter ansteigt. Was ist denn nun richtig, wenn die Mitarbeiter jenseits der 50 zu alt scheinen und nur noch ein Kostenfaktor sind? Da scheint doch beim Altersbild etwas mächtig schiefzulaufen und Korrekturbedarf zu bestehen. Das Institut der deutschen Wirtschaft stellt fest: „Ältere Beschäftigte sind deutlich besser als ihr Ruf. Zu den herausragenden Eigenschaften gehören hohe soziale Kompetenz, Souveränität, Loyalität, Disziplin und Zuverlässigkeit. Sie sind weniger stressanfällig, verfügen über eine fundierte Erfahrung und zeichnen sich durch eine weitreichende Krisenbeständigkeit aus.“

Und im dritten Altersbericht der Bundesregierung wird schon 2001 festgestellt: „Es gibt keine bedeutenden Unterschiede in der Arbeitsleistung Jüngerer und Älterer zwischen 60 und 70 – egal ob Verkäufer, Fließbandarbeiter, Büroangestellter oder Anwalt.“

Der Autor

Helmut Muthers fokussiert sich seit 16 Jahren auf die Chancen der Alterung der Kunden- und Mitarbeiterstrukturen. Er gehört selbst zur älteren Generation, kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive und hat ein tiefes Verständnis dafür, warum ältere Kunden kaufen oder nicht kaufen und warum sich ältere Mitarbeiter verhalten wie sie sich verhalten.

Helmut Muthers ist gefragter Redner, Seminarleiter, Berater und Autor. Er ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Helmut Muthers ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen des Bundesverbandes Initiative 50plus e.V. und Expert-Member des Club 55 – europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten.

Helmut Muthers im Internet:

www.helmutmuthers.com www.helmutmuthers.com www.helmutmuthers.com

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