Heute schon gelächelt? – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Unser Paketbote ist ein Pfundskerl – im abgewandelten Sinne des Wortes. Irgendwas mit 20, Afrikaner, freundlich und zuvorkommend. Anfangs haben wir kaum gesprochen, der Austausch beschränkte sich auf ein Lächeln und ich war heilfroh, dass er mir die schweren Pakete genau dort abstellte, wo ich sie hinhaben wollte. Einen Traumjob hat er wahrlich nicht, dazu noch schlecht bezahlt. Mitmenschen, die genervt sind, weil er nicht ordnungsgemäß parken kann; den Weg für hektische Zeitgenossen kurzfristig versperrt während er bemüht ist, tonnenweise Lieferungen für Dritte an den richtigen Mann zu bringen. Mindestens bei jedem zweiten klingelt er vergeblich. Da braucht es Menschen, die fremde Pakete annehmen. So einfach ist das alles nicht.

Renate Zott: „Ich liebe es zu lächeln!“

Als wir nach einiger Zeit ein paar Worte wechselten, erzählte er mir, dass ihm wenig Freundlichkeit entgegengebracht wird; die Leute in der Mehrzahl eher genervt und mürrisch reagieren. Das macht mir Gedanken. Ein Gefühl von Fremdschämen macht sich in mir breit. Ich frage die anderen „Dienstleister“ in unserer Straße. Zwar habe ich zu keinem einen privaten Kontakt, aber man grüßt sich, hat immer ein Lächeln für den anderen. Mit den Dienstleistern meine ich unsere Briefträger und die Jungs von der Müllabfuhr. Auch sie können mir nicht von Wellen der Freundlichkeit berichten. Traurig ist das. Einen harten Job machen alle. Bei Wind und Wetter draußen sein, unsere Internet-Bestell-Freude befriedigen, unseren Dreck wegräumen. Ein Leben, wie wir es wollen und führen, wäre ohne sie undenkbar. Da wäre so ein bisschen Dankbarkeit im Gesicht nicht unangemessen; finde ich. Und so ein Lächeln kostet nichts. Es schenkt nur Freude und Freude kehrt immer zurück.

Das gleiche unheitere Bild auf den Straßen. Wenig Menschen, die Freude zeigen. In ihrem Gang, in ihrem Blick kaum Anzeichen für gute Laune. Ein eiliger Schritt mit gesenkter Miene beherrscht das Straßenbild. Lächeln Fehlanzeige. Es passiert, dass Menschen ganz verdutzt sind, wenn ich sie anlächle. In welcher Welt leben wir?! Warum verlernen wir, zu lächeln? Übermannt von Dauer-Geschäftigkeit, geplagt vom Alltagsstress, den eigenen Sorgen und Nöten geben wir uns ganz der Schwermut hin. Wir vergessen darüber, dass es vermutlich gleich viele Dinge gibt, über die wir froh sein könnten und ja – lächeln!

Ich bin ein großer Fan dieser Mundwinkelübung. Schenkt Lächeln doch eine tolle Energie und macht das Leben heiter. „You made my day“ hat mal jemand zu mir gesagt, den ich einfach nur angelächelt habe. Ich meine, es ist lohnenswert, sich daran zu erinnern. Mehr noch: es gehört zum Leben wie Schlafen und Zähneputzen und Essen und Trinken; auch weinen. Ich kann sogar am Telefon lächeln und es kommt am anderen Ende an. Meine Sprache wird freundlicher, meine Message positiver. Ein sympathisches Lächeln macht einfach so viel aus. Es sprengt Schranken, hebt Vorurteile auf, kann die Wende in schwierigen Situationen sein. Und denkt nur an ein Baby-Lächeln, das die emotionale Welt für einen kurzen Moment ganz in Wohlgefühl eintaucht – wie wunderbar!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

Kommentar hinterlassen zu "Heute schon gelächelt? – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: