INSA-Studie 50Plus 2017: Ältere fühlen sich gut

Die INSA-Stiftung stellte zusammen mit dem Bundesverband Initiative 50Plus im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die neue 50Plus-Studie vor. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, dankte auch im Namen von Bundesminister Alexander Dobrindt den Initiatoren der Studie. Diese Generationenstudie sei für die Politik wichtig und deren Erkenntnisse würden in die politische Arbeit des Ministeriums einfließen. Solche Studien seien auch deshalb wichtig für Politiker, meinte die Parlamentarische Staatssekretärin, um über den Tag hinaus zu denken.

INSA-Geschäftsführer Hermann Binkert, wies darauf hin, dass die Altersgruppen der zweiten Lebenshälfte weiter an Bedeutung gewinnen. So seien 51 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland über 50 Jahre alt. Dies entspricht 56 Prozent der Wahlberechtigten und ca. 60 Prozent der Wähler.

Die INSA-Studien 50Plus nehmen ganz bewusst die Altersgruppe der zweiten Lebenshälfte in den Blick und vergleichen deren Sicht der Dinge mit der der unter 50-Jährigen. Das Markt- und Sozialforschungsinstitut INSA-CONSULERE befragt dazu immer eine repräsentative Gruppe von
rund 3.000 erwachsenen Personen*.

Man fühlt sich im Schnitt 10 Jahre jünger – mehrheitlich werden erst über 70-Jährige als „alt“ angesehen

INSA-Studie-50Plus: Viele Erkenntnisse auf mehr als 1.000 Seiten. Im Bild: Hermann Binkert (INSA, links) und Uwe-Matthias Müller (Bundesverband Initiative 50Plus)

Der Unterschied zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Alter beträgt ein Jahrzehnt, die unter 40-Jährigen finden, dass man ab 60 Jahren zu den „Alten“ zählt. Bei den über 40-Jährigen zählt man erst nach dem 70. Lebensjahr zu den „Alten“.

Die Lebensqualität der mittleren Altersgruppen wird am häufigsten als gut eingeschätzt

Vier von fünf Befragten (79 %) und damit mehr als für jeden anderen Lebensabschnitt schätzen die Lebensqualität der Erwachsenen mittleren Alters als gut ein. Deutlich schlechter wird die Lebensqualität der Älteren, Senioren und Rentner eingeschätzt. Gerade einmal jeder zweite Befragte (52 %) schätzt die Lebensqualität dieser Altersgruppe als gut ein.

Interessant: Die Befragten über 70-Jährigen schätzen ihre Lebensqualität zu 60 Prozent gut ein. Bei den Befragten unter 30-Jährigen denken nur 46 Prozent, dass die Lebensqualität der Senioren gut sei.

Je älter die Befragten, desto häufiger möchten sie so lange arbeiten, wie sie gesundheitlich dazu in der Lange sind

Die unter 60-Jährigen wollen im Schnitt nicht länger arbeiten als bis zum 63. Lebensjahr. Ab dem 60. Lebensjahr steigt die Bereitschaft bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten.

Interessant: Nur 7 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass sie über die 67 Jahre hinaus arbeiten möchten, wenn sie gesundheitlich dazu in der Lage sind. Unter den 70- bis 79-Jährigen sagt das etwa jeder Vierte (23 %), unter den über 80-Jährigen immer noch mehr als jeder Fünfte (21 %).

Das Ehrenamt verbindet Junge und Alte

Unter 30-Jährige (30 %) und 70- bis 80-Jährige (33 %) sind überdurchschnittlich ehrenamtlich aktiv. Erst ab dem 80. Lebensjähr fällt die Ehrenamtsquote auf – immer noch beachtliche – 21 Prozent.

Befragte, die ehrenamtlich tätig sind, schätzen außerdem die Lebensqualität der verschiedenen Altersgruppen besser ein, als Befragte, die nicht ehrenamtlich tätig sind. Insbesondere die Lebensqualität der Senioren und Rentner wird von ehrenamtlich Tätigen deutlich besser eingeschätzt.

Landleben ist attraktiv

Uwe-Matthias Müller: Wandel des Altersbildes ist positiv

Dreiviertel der Deutschen (74 %) können sich grundsätzlich vorstellen auf dem Land zu leben oder wohnen bereits auf dem Land. Die Affinität für das Leben auf dem Land verbindet die Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter nimmt zwar die Zahl derer, die sich nicht vorstellen können auf dem Land zu leben, von 21 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen, über 24 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen, 27 Prozent bei den 70- bis 79-Jährigen und 28 Prozent bei den über 80-Jährigen zu. Dennoch spricht sich die deutliche Mehrheit von über 70 Prozent für das Landleben aus.

Alltagshilfen sind bekannt und werden akzeptiert

Die Befragten sind sehr offen gegenüber Alltagshilfen. Ob Rollator, Treppenlift oder Mobiler Pflegedienst, jeweils 80 Prozent und mehr kennen die wichtigsten Alltagshilfen. Die Mehrheit der Befragten kann sich vorstellen diese auch zu nutzen oder nimmt sie bereits in Anspruch. Die Bereitschaft zum Umzug in das Erdgeschoss oder in eine Pflegeeinrichtung steigt in der zweiten Lebenshälfte.

Die Sicht auf Hörgeräte ändert sich

Während sowohl ältere als auch jüngere Befragte mit Hörgeräten am ehesten Schwerhörigkeit verbinden, sehen fast zwei Drittel der Befragten über 50 Jahre in einem Hörgerät ein Mittel zur besseren Kommunikation und Interaktion. Bei den Befragten unter 50 Jahren sieht dies knapp jeder Zweite so. Knapp vier von zehn Befragten über 50 Jahren verbinden mit einem Hörgerät auch eine größere Sicherheit im Straßenverkehr, diese Ansicht wird von jedem Vierten unter 50 Jahren geteilt. Im Gegensatz zu den älteren Befragten verbinden jüngere Befragte mit einem Hörgerät fast doppelt so häufig „alte Menschen“.

Selbständigkeit kommt an, macht aber nicht nur zufrieden

Für zwei Drittel der Deutschen (63 % der unter 50-Jährigen und 66 % der über 50-Jährigen) ist die Selbständigkeit eine gute berufliche Alternative. Etwa jeder zehnte Befragte ist selbständig. Weiter kann sich jeder fünfte Befragte (20 %) vorstellen, sich selbständig zu machen. Interessant: Gut
jeder dritte unter 50-Jährige (37 %), aber nur jeder neunte über 50-Jährige (11 %) kann sich vorstellen, sich selbständig zu machen. Allerdings würde sich nur jeder zweite Befragte, der selbständig war bzw. ist sich wieder für die Selbständigkeit entscheiden.

Das Internet durchdringt alle Lebensbereiche

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär (3. v. links), zusammen mit INSA-Geschäftsführer Hermann Binkert (2. v. links), Uwe-Matthias Müller (Bundesverband Initiative 50Plus, 2. v. rechts) und anderen Kooperationspartnern der 50Plus-Studie.

Zu Recherchezwecken nutzen sieben von zehn Befragten – unabhängig, ob sie unter oder über 50 sind – das Internet. Online-Shopping ist bei den unter 50-Jährigen deutlich beliebter (72 %) als bei den über 50-Jährigen.

Auch Online-Banking und Streaming-Dienste werden überwiegend von jüngeren Befragten genutzt.

Etwa jeder zweite über 50-Jährige würde bei schnellerem Internet allerdings auch Online-Shopping oder Online-Banking betreiben.

Vom „automatisierten Fahrens“ gehört, aber nicht wissen, was damit gemeint ist

Jeder zweite unter 50-Jährige (53 %) und fast zwei Drittel der über 50-Jährigen (62 %) haben schon vom „automatisierten Fahren“ gehört. Aber von denen, die davon gehört haben, meinen vier von fünf Befragten (79 %), dass es sich dabei um fahrerlose, autonome Fahrzeuge handelt. Das ist aber nicht der Fall. Nur 7 Prozent der Befragten verstehen darunter das, was es ist – ein selbstfahrendes Fahrzeug, bei dem sowohl Fahrer als auch Maschine das Fahrzeug steuern und der Fahrer bestimmen kann, wie stark er eingreifen möchte. Vom automatisierten Fahren wird vor allem erwartet, dass es den Fahrer in schwierigen Verkehrssituationen unterstützt und, dass man nicht ständig auf den Verkehr achten muss. Das Auto muss außerdem Teile oder die gesamte Strecke selbst fahren können und es muss dem „Fahrer“ erlauben, nebenbei etwas anderes zu tun. Die Zahl der unter 50-Jährigen, die solche Erwartungen äußern, ist jeweils immer noch höher als die Zahl der über 50-Jährigen mit entsprechenden Erwartungen.

Bundesverband Initiative 50Plus: „Wandel des Altersbildes ist positiv!“

„Die vorliegende Studie zeigt, dass das Altersbild der Menschen 50Plus positiv ist. Nun gilt es, auch der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Politik und den Medien zu vermitteln, dass die Menschen 50Plus „gut drauf sind“ und sich voll einbringen wollen.“ So Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus.

Hintergrund

Auch die dritte INSA-50Plus-Generationenstudie dokumentiert die Einzigartigkeit des Alterns. Starre Altersgrenzen machen keinen Sinn. Im Gegenteil: Der Beitrag älterer Menschen in der Arbeitswelt und im Ehrenamt ist unverzichtbar. Sie werden gebraucht. Gerade der technische
Fortschritt, die Digitalisierung und neue Chancen der Mobilität sind wichtige Möglichkeiten für ein langes selbstbestimmtes Leben.

*Im INSA-Modus-Mixta wurden vom 29.03. bis 08.06.2017 insgesamt 3.061 Personen für die INSA-Studie 50Plus befragt. Die Grundgesamtheit umfasste dabei die deutschsprachige Bevölkerung ab 18 Jahren. In der Befragung wurde eine Stichprobengröße von 1.010 Befragten unter 50 Jahren und 2.051 Befragten über 50 Jahren erreicht. Beide Gruppen (unter 50 Jahre, über 50 Jahre) sind dabei repräsentativ für die zugehörigen Alterskohorten. Für die Studie wurden je ca. 1.500 Interviews in einer Online Befragung und einer telefonischen Befragung erhoben. Dabei wurden je ca. 500 Interviews von Personen unter 50 Jahren und je ca. 1.000 Interviews von Befragten über 50 Jahren beantwortet.

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