INSA-Umfrage: Mehrheit der älteren Wähler will Mittelmeer-Fluchtroute schließen – Sonntagsfrage: GroKo verliert jeden 7. Wähler

Die drei Parteien der „GroKo“ haben nach dem aktuellen INSA-Meinungstrend seit der letzten Bundestagswahl 2017 jeden siebten Wähler verloren. Das nur mit dem Streit innerhalb der Union und der Koalition in der Migrationspolitik zu begründen, greift zu kurz. Auch das Konzept, das die drei Parteien als Lösung anbieten, fällt bei den Wählern durch. Die Wähler kehren also nicht nur aufgrund von Streitigkeiten den Parteien den Rücken zu, sondern auch, wenn sie deren konkrete politischen Vorhaben nicht überzeugen. Wer die Stimmung in der Bevölkerung falsch deutet oder nicht ernst nimmt, der wird am Wahltag überrascht werden.

Wird die Schließung der Mittelmeerroute für Flüchtlinge befürwortet?

Bei einem Treffen zwischen dem Bundesinnenminister Horst Seehofer und dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz haben diese die Absicht erklärt, die Mittelmeerroute für Flüchtlinge zu schließen. Deshalb wollte INSA diese Woche wissen, wie die Zustimmung für dieses Vorhaben ist.

Mehr als die Hälfte aller Befragten (54 %) befürwortet die Schließung der Mittelmeerroute, deutlich weniger (22 %) lehnen dies ab. Insgesamt weiß knapp ein Viertel (24 %) aller Befragten nicht, ob sie für oder gegen eine Schließung der Mittelmeerroute sind oder machen dazu keine Angabe. Es stimmen insgesamt weniger Frauen als Männer für eine Schließung der Mittelmeerroute, allerdings lehnen dies auch weniger Frauen ab. Zurückgeführt werden kann dies auf die deutlich höhere Indifferenz von Frauen bei diesem Thema (27 %, kumuliert), im Gegensatz zu 19 Prozent kumulierten Stimmen bei den Männern, die „weiß nicht“ oder „keine Angabe“ angeben.

Große Unterschiede in der Beantwortung dieser Fragestellung gibt es auch hinsichtlich des Alters der Befragten. So lehnen 34 Prozent der 18- bis 24-Jährigen die Schließung der Mittelmeerroute für Flüchtlinge ab, wohingegen 31 Prozent dieser Altersgruppe dies befürworten. In den übrigen Altersgruppen überwiegt jedoch die Zustimmung gegenüber der Ablehnung. Am höchsten ist diese in der Altersgruppe der ab 65-jährigen (65 %). Mit steigendem Alter der Befragten ist ein kontinuierlicher Anstieg an Zustimmung für die Schließung der Mittelmeerroute zu beobachten. Einzige Ausnahme ist die Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen, von denen 51 Prozent zustimmen. Die Ablehnung sinkt dementsprechend mit steigendem Alter der Befragten. Auch zeigt sich, dass die Indifferenz mit steigendem Alter kumuliert und geglättet betrachtet abnimmt.

Weitere Unterschiede lassen sich auch nach der Aufschlüsselung nach Ost und West feststellen: So stimmen im Osten des Landes mehr Befragte (58 %) für die Schließung der Mittelmeerroute als im Westen (53 %). Die Ablehnung ist im Westen größer (23 %) als im Osten (19 %).

Die höchste Zustimmung für die Schließung der Mittelmeerroute besteht unter den Wählern der AfD (89 %), wohingegen nur 36 Prozent der Grünen-Wähler dies befürworten. Knapp die Hälfte (45 %) dieser Gruppe lehnt dies ab. Die mit Abstand niedrigste Ablehnung der Schließung der Mittelmeerroute für Flüchtlinge liegt bei den Wählern der AfD (4 %).

Wie wird das Asylpaket der Großen Koalition bewertet?

In einer weiteren Frage wollte INSA wissen, ob die Befragten das Asylpaket, auf das sich die Große Koalition verständigt hat, für eine gute Lösung in der Flüchtlingspolitik halten. Insgesamt stimmen dem 18 Prozent der Befragten zu, knapp die Hälfte (47 %) lehnen dies ab. Während die Zustimmung bei dem Vergleich von Männern und Frauen relativ ausgeglichen ist, unterscheidet sie sich bei der Ablehnung mit 51 Prozent bei den männlichen Befragten deutlich von den weiblichen mit 43 Prozent Ablehnung. Der Anteil derer, die keine Antwort wissen oder keine Angabe machen ist mit gut einem Drittel (36 %, kumuliert) relativ hoch.

Aufgeschlüsselt nach dem Alter der Befragten ist sowohl eine wachsende Zustimmung als auch Ablehnung mit steigendem Alter zu erkennen. So bescheinigen zwölf Prozent der 18- bis 24-Jährigen dem Asylpaket, eine gute Lösung in der Flüchtlingspolitik zu sein, wohingegen 21 Prozent der ab 65-jährigen dies tun. Insgesamt lehnen 34 Prozent der jüngsten und 53 Prozent der ältesten Altersgruppe das Asylpaket ab. Mehr als die Hälfte (54 %, kumuliert) der 18- bis 24-jährigen gibt an es nicht zu wissen oder macht keine Angabe. Beide Werte nehmen kumuliert betrachtet ab, je älter die befragten Personen sind.

Die höchste Zustimmung erhält das Asylpaket von den Wählern der CDU/CSU (39 %), gefolgt von 27 Prozent der FDP-Wähler. Nur sieben Prozent der AfD-Wähler sind der Meinung, dass das Asylpaket eine gute Lösung in der Flüchtlingspolitik ist. Die höchste Ablehnung kommt von den Wählern der AfD (71 %) und denen der Linken (67 %). Knapp ein Drittel (30 %) der CDU/CSU-Wähler empfinden das Asylpaket als keine gute Lösung.

Die Sonntagsfrage und INSA-Potentialanalyse

Die CDU/CSU, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen bleiben diese Woche in der Sonntagsfrage unverändert. Die SPD verschlechtert sich um zwei Prozentpunkte, während die AfD einen Prozentpunkt dazugewinnt. Die FDP verbessert sich um einen halben Prozentpunkt.

An sicheren und potentiellen Stimmen konnte die Union jedoch um jeweils einen Prozentpunkt zulegen. Wähler, für welche die Union nicht infrage kommt, sinken um einen Prozentpunkt.

Die SPD verliert zwei Prozentpunkte an sicheren Stimmen, gewinnt jedoch auch zwei an potentiellen Wählern. Der Anteil an Wählern, die sich grundsätzlich nicht vorstellen können die SPD zu wählen, bleibt wie bei allen übrigen Parteien unverändert. AfD, FDP und Linke bleiben auch bei den sicheren und potentiellen Stimmen diese Woche unverändert. Die Grünen bleiben zwar bei den sicheren Stimmen unverändert, können ihr Potential jedoch um zwei Prozentpunkte ausbauen.

Kommentar hinterlassen zu "INSA-Umfrage: Mehrheit der älteren Wähler will Mittelmeer-Fluchtroute schließen – Sonntagsfrage: GroKo verliert jeden 7. Wähler"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: