Kavaliere sind immer noch „hip“! Ein Kommentar von Renate Zott

Ich bin eine moderne Frau. Ich arbeite wie ein Mann, war lange Zeit der alleinige „Brötchenverdiener“ für mich und meinen Sohn. Ich kann strategisch denken und Finanzen planen. Bei der Renovierung unserer Wohnung habe ich meine Hände nicht geschont und tagelang den Putz von den Wänden geklopft. Ich lebe sie, die gleichberechtigte Welt und bin in jeder Hinsicht für eine Gleichverteilung der Rollen und Präsenzen. Mehr noch, ich kämpfe dafür. Am meisten für den Wandel des Altersbilds.

Topagemodel Renate Zott packt an

Dafür habe ich mit Anfang 50 mein Berufsleben umgekrempelt, betreibe seitdem einen Blog, der die schöne Seite der Frau Ü 50 in all Ihren Facetten zeigt, arbeite darüber hinaus als Model und Botschafterin für Marken und den Bundesverband Initiative 50Plus.

Frauen haben nicht verdient, ab 40 mehr und mehr von der Bildfläche zu verschwinden. Weder im Fernsehen noch in der Werbung. Nein. Wir verdienen Präsenz mit unseren Falten und Linien, mit dem Leben, die die gelebte Zeit in unsere Gesichter und Körper geschrieben hat. Wir brauchen das weder zu verstecken noch pausenlos dem jugendlichen Aussehen hinterherzuhecheln. Wir dürfen und sollen Seite an Seite stehen, so wie wir da sind. Alle. Wer denkt, dass ich deswegen eine Feministin oder Emanze bin – bitte schön.

Mich treibt weder der Gender-Wahn, noch bin ich von Minderwertigkeitskomplexen gesteuert. Und noch viel weniger möchte ich „über“ dem Mann stehen. Augenhöhe ist, auf was es mir ankommt und dabei eben auch „Frau“ bleiben zu dürfen. Die weibliche Seite leben. Nach meinem Verständnis der Gleichstellung und -berechtigung widerspricht sich das nicht, denn last but not least sind Männer und Frauen nicht gleichen Geschlechts. Zum Glück! Und so ergeben sich daraus naturgegebener maßen durchaus unterschiedliche Rollen, die ich gar nicht missen möchte. Im Gegenteil.
Für einen >Herrn< gehört es sich eben nicht, wenn er seinen – im Normalfall natürlichen – Kraftüberhang nicht einsetzt und „Frau“ den schweren Koffer oder die übervolle Einkaufstasche schleppen lässt. Und ja, uns Damen gefällt es durchaus, die Tür aufgehalten zu bekommen und wenn uns ein Gentleman in den Mantel hilft. Dazu braucht es auch wirklich keine adlige Abstammung.

Es gibt Damen, die haben hinsichtlich des guten alten Stofftaschentuchs, das ein Herr üblicherweise bei sich trägt, hygienische Bedanken. Ich nicht! Für mich ist es immer noch großartig, wenn mein Mann ein frisch gewaschenes, fein gebügeltes, weißes, mit Monogramm besticktes Stofftaschentuch für das ein oder andere kleine Malheur wie selbstverständlich aus der Hosentasche hervorholen kann. Kostbar altmodisch finde ich das und praktisch zugleich.

Topagemodel Renate Zott: Aufmerksame Höflichkeit zaubert ein Lächeln auf das Gesicht

Wir sind im Restaurant: ich darf den Platz auswählen und bekomme den Stuhl gerückt. Ein Kellner legt mir geschickt die Stoffserviette auf den Schoß  und fragt mit angemessenem Zeitabstand nach meinem Getränkewunsch. „Darf es ein Aperitif für die Dame sein?“ Wie schön ist das denn?! Und ich werde fast übermütig mir jetzt auch noch die Speisekarte ohne Preise zu wünschen, aber das wäre wirklich das i-Tüpfelchen. Vor Jahren ist mir das in Verona in einem kleinen, romantisch-gemütlichen Restaurant passiert und ich war so entzückt, dass das Essen an sich dabei zur Nebensache wurde, obgleich auch das ganz hervorragend war. Ohne Aufsehen wurde dann auch in der richtigen Reihenfolge serviert: erst die Dame, dann der Herr. Das sind alte Standards und ich finde, die haben bis in die heutige Zeit ihre Berechtigung. Auch morgen noch.

Auf dem Nachhauseweg bekomme ich zum Ausklang nicht nur die Tür vom Restaurant geöffnet, sondern auch noch die, um in den Wagen einzusteigen… ein wirklich perfekter Abend. Und all die „Kleinigkeiten“, die den Abend so außergewöhnlich und besonders für mich gemacht haben, haben weder einen zusätzlichen Cent gekostet, noch meinen Mann in seinem Mann sein degradiert.

99% aller Frauen – im Übrigen auch die jungen – werden mir zustimmen und bestätigen, dass es wunderbar ist, in manchen Momenten einfach Frau, sprich Dame sein zu dürfen und die Attribute genießen, die einen Mann zum Kavalier machen. Das ist weder altmodisch, noch unemanzipiert; auch keine Frage der Generation. Frauen lieben eben Kavaliere und stehen anderentags in ihren Jobs wieder ihren „Mann“. Und so wird es (hoffentlich) bleiben.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de.

Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

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