Kommentar: Kinder vs Rente

Das klingt jetzt erst mal hart, trotzdem ist es auch irgendwie die Wahrheit. Das Kinderkriegen ist naturgemäß uns Frauen zugeordnet und macht unsere Lebensplanung deswegen nicht wirklich einfach, die Rentenplanung noch viel weniger. Jung, schön, glücklich und verliebt sieht die Welt sehr rosig aus, die biologischen Uhren ticken fröhlich und die Zeiger stehen auf Kinderlachen. Sehnsucht macht sich breit, eine Urkraft treibt uns und goldige Stimmen säuseln …. „mehret euch…“.

Mir ging das auch so. Dabei dachte ich weder an mein berufliches Fortkommen, an versorgt sein, an mögliche Fehlzeiten durch Kinderbetreuung und am allerwenigsten an meine Rente. Nein! Ich dachte, wie wunderbar es sein würde, mein Baby im Arm zu halten. So ein zartes Wesen, so zerbrechlich anmutend, das seine kleinen Ärmchen ausstreckt und zu verstehen gibt, drück‘ mich an dich, ich will ganz nah bei dir sein. Der Babyduft, der so betörend ist, das erste Lachen, das erste Zähnchen, die ersten Schritte – die Gedanken waren so wunscherfüllt. Und die Träume wurden manifest, denn ich träumte nicht allein. Das Glück kam wie ein Wolkenbruch, es ergoss sich, Liebesgefühle in Potenz und ein neue Liebe, die seitdem in mir lebt. Eine, auf die man sich sehr verlassen kann.

Die andere ging zu Bruch, so wie das häufig geschieht. Damit zerbrach eine Menge vom Glück, eine Menge Sicherheit. Finanzielle Scherben, kein Boden mehr unter den Füßen; Lebensdesaster.

Ich fing mich, arbeitete fleißig, vertraute auf mich und meine Arbeitskraft. Das war gut so und hat mich finanziell gerettet. Aber nicht jeder kann oder will das. Die Gesellschaft muss beides können und damit meine ich, damit umgehen und Hilfe leisten, wenn es nötig ist.

  • Nummer 1, damit umgehen: Mit meiner Stärke bin ich angeeckt und oft hab‘ ich in den Augen gelesen …“kann die sich nicht selbst um ihr Kind kümmern?“. Nein, konnte ich eben nicht, denn ich musste unser Geld verdienen. So wie Millionen von Vätern dies in allen Ländern der Welt tun und alle finden, dass das das völlig normal ist. Ich wollte deswegen nicht gleich schräg angeguckt werden, wurde es aber.
  • Nummer 2, Hilfe leisten und damit meine ich, dass gleichermaßen akzeptiert wird, wenn eine Frau die Kinderbetreuung selbst übernehmen möchte. Dann tut finanzielle Unterstützung oft not und auch da muss es Lösungen neben einer wünschenswerten väterlichen Pflichtverfüllung geben. Das ist aber nur eine der vielen Lebensphasen. In der Rentenermittlung werden sie dann allesamt völlig emotionslos abgebildet. Lückenlose Lückenbilder; im schlimmsten Fall Hartz IV Niveau. Nach einem langen Arbeitsleben mit Kindern, Haushalt, sprich dem kompletten Leistungspaket fühlt sich das komplett falsch und ungerecht an. Trotzdem ist es so.

Renate Zott

Frauen, ihr könnt‘ weiter wegschauen, verdrängen oder wegen Reichtum zum Glück nicht betroffen sein. Folgendes zeigen offizielle Statistikportale: Das Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland bei 3.000 EUR mtl. liegt. Die sogenannte, viel zitierte Standardrente, die sich dann nach 45 Beitragsjahren theoretisch errechnen lässt, liegt um 1.300 EUR mtl. (entspricht einem Rentenniveau von rd. 47,5%).

Die meisten Frauen erreichen in der Regel weder das genannte Durchschnittseinkommen noch die unterstellten Beitragsjahre. Im Schnitt fehlen rd. 18 Jahre und das hat Folgen. Beides zusammen ganz erhebliche. Wir sprechen dann von einer Durchschnittsrente in Höhe von um 630 EUR brutto mtl.

Wer mag, kann sich die Statistiken der Deutschen Rentenversicherung ansehen https://statistik-rente.de/drv/ und mir dann hoffentlich glauben, dass die genannten Zahlen nicht frei erfunden sind.

Ein bisschen schade finde ich auch bei den ganzen „schönen“ Statistiken, dass man nicht ein einziges Sheet so ganz auf die Schnelle findet, das die Näherungswerte in der Übersicht zeigt. Quasi das ganze Ausmaß der persönlichen Aussichten auf mehr oder weniger vom Hungertuch auf einen Blick. Gehen würde das, aber Politik redet eben lieber schön statt die nackten Tatsachen und Perspektiven beim Namen zu nennen. Aber selbst, wenn das so wäre, bezweifele ich stark, dass irgendjemand eine persönliche Konsequenz daraus ziehen, gar eine Art von Aufregung durch eine breitere Menge von Menschen gehen würde. Das ist einfach zu wenig Sensation, um anzufassen, emotional aufzuwühlen. Wir bedauern es, wenn im Fernsehen Berichte von 80jährigen Rentnern laufen, die sich noch Geld hinzuverdienen müssen oder Leergut aus Mülltonnen sammeln. Das finden wir dann traurig und haben es am nächsten Tag wieder vergessen.

Ich fürchte, es wird viele von uns einholen. Aber, man kann ja dann irgendwo aufstocken, habe ich irgendwo gehört….

Autorin: Renate Zott, www.topagemodel.de

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