Kommentar: Vom Gleichsein zwischen Mann und Frau – von Renate Zott

Frankfurt 09.10.2016Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate ZottFoto: Vincenzo Mancuso

Im Grunde sind wir Frauen wahre Revoluzzer und Heldinnen. Geschichtlich gesehen haben wir uns nämlich mit einem zarten Augenaufschlag von der totalen finanziellen Abhängigkeit in die komplette Selbstbestimmung geblinzelt. Welche Spezies kann das von sich behaupten? Also wenn ich mal meiner Enkelin – es dauert hoffentlich noch ein bisschen (grins) – erzählen darf, dass eine Frau bis 1962 die Zustimmung Ihres Mannes brauchte, um ein eigenes Konto zu eröffnen, dann wird sie sagen: „Oma, das muss in der Steinzeit gewesen sein“. Oder auch der Umstand, dass Frauen vor nicht einmal 50 Jahren der Erlaubnis ihrer Ehemänner bedurften, wenn sie arbeiten wollten, dann mag man das heute eigentlich nicht mehr glauben. In meiner Kindheit galt es sogar als Privileg, wenn die Mütter nicht arbeiten mussten und sich ganz der Familie, Erziehung und dem Haushalt widmen konnten. Mein Vater war stolz, alleine für den Familienunterhalt sorgen zu können. „Meine Frau braucht nicht arbeiten“, hat er gerne gesagt. Finanzen regeln, verwalten, wirtschaften war für Frauen damals tabu, so wie für die Männer Haushalt, kochen und waschen. Wir Frauen haben eine Menge bewegt und noch mehr gelernt. Eine Zeitlang wurden wir dafür Emanzen geschimpft. Auch diese Zeit ist vorbei.

Viele von uns sind heute finanziell komplett unabhängig und manchmal passiert es, dass die Rollen getauscht werden. Aber wie fühlt sich das an und wie geht die Gesellschaft damit um, wenn die Frau plötzlich mehr verdient als der Mann? Können Männer und Frauen das schon ertragen? Ein Blick in die Welt verrät, dass es nicht so einfach ist:

Erfolgreiche Männer, deren Frauen Luxuslabels und Schmuck für Millionen EUR oder Dollars tragen, teure Autos fahren und im eigenen Jet durch die Welt fliegen bekommen meistens Beifall. Oder keiner schert sich darum. Ich erinnere mich an ein Foto von Melania und Donald Trump, neulich in einer Gazette, da war unter dem Bild in Klammern vermerkt, dass die Jacke von Melania über 45.000 EUR (Dolce & Gabbana) wert ist. Diese Zahl hat sich bei mir eingeprägt. Eine Jacke, die über 45.000 EUR kostet? Dass es das gibt ist kein Novum, aber dass die First Lady von Amerika so eine Jacke tragen würde, damit hätte ich nicht gerechnet. Ich will damit nur sagen, es erstaunt keinen. Es steht in Klammern. Auch die 24 Jahre, die die beiden voneinander trennen regen niemanden auf.

Brigitte Trogneux Macron mit Ehemann Emmanuel Macron

Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass ebenfalls niemand ein Wort darüber verlieren würde, wenn der (Ehe-) Mann einer Millionärin bei einem offiziellen Anlass im 80.000 EUR teuren Anzug auftaucht, schließlich braucht es zwei Teile. Ups. Soweit sind wir noch nicht. Das wäre 100% Aufsehen, Toy Boy, unmöglich, unglaublich, einfach no go. Und ich denke an Madonna oder Heidi Klum, deren Männerwahl auch gerne im Pressefokus steht. Schnell werden aus belanglosen Gesten dicke Schlagzeilen – Shitstorm, alles auf einmal. Und mit der Altersumkehr in Trump Dimension haben wir es auch noch nicht so, man schaue nur auf das Ehepaar Macron. Da habe ich anfangs von Verfallsdatum und ähnlich despektierlichem gelesen. Versöhnlich stimmt mich, dass es mittlerweile auch niemanden mehr so richtig aufregt und sogar anerkennende Worte über Brigitte Macron zu lesen sind. Begehrenswert und lebensfroh mit 64 Jahren; glücklich. Sogar noch mehr: glücklich verheiratet mit ihrem ehemaligen Schüler. Also, geht doch.

Zurück zu den Einkommen: auch bei mir im Umfeld gibt es Paare, die die Rollen getauscht haben. Sie sind in meinem Alter und ich spüre, sie haben es nicht immer leicht damit. Damit sind wir beim Geübten, bei den Gewohnheiten. Bei dem, was wir von unseren Eltern und Großeltern gelernt und mitbekommen haben. Bei den Bildern von Mann und Frau. Von dem was normal ist und was nicht. Gemischte Gefühle, wenn die Frau dem Mann zu Weihnachten eine Rolex schenkt und der Mann der Frau ….. ja ich weiß nicht, etwas aus der Haushaltskasse? Für viele fühlt sich das noch falsch an. Oder „darf“ der Mann ans dicke Konto und den 1-Karäter für die Liebste einfach so aus der gemeinsamen Kasse zahlen? Die Vorstellung lässt mich schmunzeln. Ja, auch mich.

Jedenfalls entgeht dem aufmerksamen Beobachter keineswegs, dass die Blicke in diesem relativ jungen Terrain andere sind und sich noch nicht daran gewöhnt haben, dass die Dame an der Hotelrezeption die Kreditkarte zur Zahlung zückt oder der sportive neue Flitzer des Herrn von der Dame bezahlt wird. Manchmal bekommt man sogar den Eindruck, dass selbst >Frau< ganz tief in ihrem Herzen noch Widerstände spürt. Und eigentlich geht es um Liebe. Bei den Trumps‘ wie den Macrons‘ und allen anderen Paaren. Nichts sonst. Wie die geht, weiß jeder für sich selbst am besten.
Ein weiteres Feld, in dem wir noch an Rollenklischees arbeiten können; bei unserer Betrachtung neue Wege gehen und auch dem Neuen seinen Platz schenken.

So wie beim Altersbild der Frau.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de.

Renate Zott ist auch bei Facebook und Instgram.

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