Main Frankfurt. – Eine Liebeserklärung an eine unterschätzte Stadt von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt wird unterschätzt. Es ist weit mehr als internationales Drehkreuz, Bankenstadt und Buchmesse. Frankfurt hat Herz und zwar ein großes.

Geschichte. Kultur. Weltoffenheit.

Ich kenne Frankfurt noch mit der Alten Oper in Trümmern und ohne Wolkenkratzer. Noch viel früher gab es Badebuchten am Main und Palmen. Da staunt man, nicht wahr? In der Zwischenzeit waren die Stadtväter, Sponsoren und Initiativen sehr fleißig, denn heute präsentiert sich die Stadt mit der einzigen Skyline Deutschlands und 31 Türmen mehr als 100 Meter hoch. Weitere Riesen befinden sich in Planung. Beim Wolkenkratzerfestival, das in regelmäßigen Abständen stattfindet, laden die Tower Mainhattens zum Besuch mit Weitblick ein. Stadtteil für Stadtteil wurde neu entwickelt und ich denke an ehemals wenig attraktive Ecken wie das Ostend oder auch den Westhafen. Heute ragen dort die EZB und der Westhafen Tower, das „Gerippte“ wie es unter Frankfurtern heißt – in den Himmel. Neues Wohnen am Main mit eigenem Bootsanleger inklusive. Auch das ist möglich.

Kürzlich wurde um die Ecke vom Römer die „Neue Frankfurter Altstadt“ (in der FAZ erschien dazu ein lesenswerter Artikel: „Die neueste Altstadt der Welt„) eingeweiht. Insgesamt entstanden 35 Neubauten, darunter 15 als schöpferische Nachbauten bezeichnete Rekonstruktionen von historischen Altstadthäusern. Alle wunderschön. Hier sieht man die Liebe zum Detail – auch wenn sie teuer war.

Wer sich von dort aus auf den Weg durch die Stadt macht, sollte die Paulskirche nicht links liegen lassen. Ein Ort mit geschichtsträchtiger Bedeutung. Hier tagte 1948/49 die Nationalversammlung und erarbeitete die erste gesamtdeutsche, demokratische Verfassung Deutschlands. Auf ihren Entwürfen fußt das heutige Grundgesetz. Gegenwärtig finden dort Preisverleihungen für politische und kulturelle Veranstaltungen statt. Keine 100 Meter weiter kunterbuntes Treiben, unzählige Nationen zusammen „uff de Gass“. Die Zeil ist und bleibt ein beliebter Magnet und insbesondere in den Sommermonaten jagt ein Fest das andere. Mondäner geht es Richtung Alter Oper zu: Auf der Goethestraße sitzt das Who is Who der Designerlabels und ist Point of Sale für luxusverrückte Modeprinzessinnen und -prinzen. Austragen kann man die edlen Teilchen anschließend in einem der schicken Cafés rund um die Alte Oper. Sehen aber vor allem gesehen werden – mit einem Gläschen Champagner – versteht sich.

Ursprünglicher und uriger geht es dribbdebach – wie es auf frankfurtisch heißt – also südlich des Mains zu. In Frankfurts Süden, wo der Henninger Turm in neuem Glanz steht, trifft sich Kultur, Kunst und Moderne. Am Mainufer Sachsenhausens reihen sich 13 Museen wie eine Perlenkette aneinander. Man trinkt Abbelwoi aus’m Gerippte in Traditionsgasthäusern und kommt an schweren Holztischen schnell ins Gespräch. Banker, Handwerker, Agenturpeople, Piloten, Arzthelferinnen und Menschen ohne Beruf an einem Tisch. Man sitzt entspannt zusammen und „babbelt“. Nichtsdestotrotz gelten gastronomische Regeln. Die wichtigste: In der Bembel-Hauptstadt bestellt man keinen Süßgespritzten. „Hawe mer net“, wird der Kellner unwirsch sagen, einen Apfelwein bringen und eine Flasche mit süßer Limonade mit einer dicken Portion Missachtung hinstellen. Nein, was sag‘ ich: unüberhörbar auf den Tisch knallen. Böse meint er das keineswegs, nur: das macht man halt nicht. Dazu isst man aus der hessischen Küche „Rippscher mit Kraut“ (gekochtes Kotelett vom Schwein), Haxe oder Blut- und Lebberworscht (Leberwurst). Nicht zu vergessen „ an Handkäs‘ mit Musik“ und die „Grie Soß“, Goethes Leibspeise – so behaupten Legenden hartnäckig.

Das Ich-Denkmal in Frankfurt am Main

Die 7 Kräuter, die man für die köstliche, kalte Kräutersoße braucht, wachsen keine 2 Kilometer entfernt auf den Äckern. Noch heute wird deren Anbau betrieben und das Rezept hat es hinaus in die weite Welt und in die Sterne-Küche geschafft. Kein Wunder, dass es dafür ein Denkmal gibt.

Der Weg auf der südlichen Mainseite mit seinen Ruderer-Clubs hält ein weiteres Denkmal bereit. Nur ein unscheinbarer Sockel mit dem Wort ICH im Stein. Hier kann sich jeder sein eigenes Denkmal setzen und wird so zu einem wunderbaren, einmaligen Kunstwerk.

Frankfurt ist einfach viel. Viel an kleinen und auch großen Dingen, die entdeckt werden wollen. Und wer einmal da war, kommt gerne wieder – nach Frankfurt am schönen Main.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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