Medizinische Sicherheit: Landarztmangel in Deutschland – Jeder 3. Hausarzt ist älter als 60 Jahre

Der Landarztmangel betrifft immer mehr Bürger und beunruhigt sie. Besserung ist kaum in Sicht, denn das Durchschnittsalter der Ärzte nimmt zu.

Der Landarztmangel in Deutschland ist weiterhin Teil der politischen und öffentlichen Debatte. Zuletzt hatten Bundesregierung und Ländervertreter mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ die Möglichkeit geschaffen, dass bis zu 10 Prozent der Studienplätze vorab an Bewerber vergeben werden können, die sich dazu verpflichten, als Landarzt tätig zu werden. Der Sicherstellungsauftrag für die vertragsärztliche Versorgung obliegt den Kassenärztlichen Vereinigungen und der  Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Für die Krankenhausplanung, d. h. für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung mit leistungsfähigen und eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern sind die Bundesländer zuständig. Aufbauend auf den in den beiden vergangenen Legislaturperioden getroffenen
Maßnahmen wird die zukünftige Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum auch in dieser Legislaturperiode ein Schwerpunkt sein. In diesem
Rahmen werden entsprechende Maßnahmen zu prüfen und zu entwickeln sein. So die Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

Nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ergab die Auswertung der im Bundesarztregister hinterlegten Adressdaten der Hausarztpraxen, dass insgesamt auf einer Fläche von etwas unter 10 000 km² (ca. 2,8 Prozent der Fläche der Bundesrepublik) insgesamt ca. 173 000 Personen (0,2 Prozent der Bevölkerung) in Deutschland mehr als 10 km vom nächsterreichbaren Hausarzt in der vertragsärztlichen Versorgung entfernt wohnen. Davon betroffen sind neben der Inselbevölkerung vor allem dünn besiedelte ländliche Gebiete im Bundesgebiet insgesamt, insbesondere in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen, sowie im Grenzgebiet zu Luxemburg und Österreich.

Zum 31. Dezember 2016 waren einschließlich der Psychotherapeuten 38 272 Arztsitze im ländlichen Raum besetzt. Diese Zahl lag um etwa 1 500 höher als der  entsprechende Wert im Jahr 2012. Dieser Zuwachs ist vor allem auf die gestiegene Zahl der Psychotherapeuten zurückzuführen. Für die Psychotherapeuten wurden im Rahmen der Bedarfsplanungsreform 2013 insbesondere im ländlichen Bereich zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten geschaffen. Die Zahl der Fachärzte ist im gleichen Zeitraum leicht gestiegen, die Zahl der Hausärzte leicht gesunken. Diese Entwicklungen sind nicht in allen Bundesländern vorhanden oder gleichstark ausgeprägt.

Versorgungsgrade extrem unausgewogen

Auf Grundlage der Verhältniszahlen kann zwischen SOLL- und IST-Niveau der Versorgung unterschieden werden, um darauf basierend den Versorgungsgrad zu ermitteln. Dieser bildet dann den zentralen Anhaltspunkt für die Öffnung oder Sperrung eines Planungsbereichs sowie beispielsweise die Feststellung von (drohender) Unterversorgung durch den Landesausschuss. Je nach Arztgruppe und Region fallen die Versorgungsgrade sehr unterschiedlich aus – bei den Kinder- und Jugendlichen-Psychiatern gibt es einen Planungsbereich mit einem Versorgungsgrad von 0 Prozent, bei den Fachinternisten übersteigen die Versorgungsgrade häufig 200 Prozent.

Aussagen darüber, welche Hausarzt- und Facharztdichte die Bundesregierung für angemessen hält, trifft diese nicht. Bayern und Nordrhein-Westfalen planen die Einführung einer Landarztquote. Nach Auffassung der Bundesregierung ist die gelingende Arbeitsmarktintegration zugewanderter Ärztinnen und Ärzte eine Maßnahme, um die ärztliche Versorgung insgesamt zu verbessern. Allerdings liegen der Bundesregierung keine Informationen über die Anzahl an Ärzten aus dem Ausland, die als Landarzt praktizieren, vor.

Entsprechend der durch den GKV-Spitzenverband zur Verfügung gestellten Berechnungen leben aktuell rund 2,95 Mio. Personen in Deutschland mehr als 20 km von einem somatischen Krankenhaus entfernt. Dies sind etwa 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Niedergelassene Ärzte werden immer älter

Die deutsche Gesellschaft altert – und mit ihr auch die Ärzte: Das Durchschnittsalter der Ärzte und Psychotherapeuten in der vertragsärztlichen Versorgung ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 51,4 (2007) auf 54,0 (2016) Jahre gestiegen. Insbesondere bei den Hausärzten ist der Anteil der Über60-Jährigen besonders hoch (33,5 %), während die Altersstruktur beispielsweise bei den Orthopäden deutlich jünger ist (rund 19 % sind 60 Jahre und älter). Der hohe Anteil der Ärzte im Renteneintrittsalter in einigen Arztgruppen macht deutlich, dass dort in den kommenden Jahren ein entsprechender Nachbesetzungsbedarf von Arztsitzen entstehen wird.

Tele-Medizin (E-Health) noch Neuland

Mit dem Ende 2015 in Kraft getretenen Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz) wurden Vorgaben zur Aufnahme der Online-Videosprechstunde und der telekonsiliarischen Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen in die Regelversorgung von gesetzlich Krankenversicherten getroffen. Beide telemedizinischen Leistungen wurden zum 1. April 2017 in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufgenommen und können damit für gesetzlich Versicherte erbracht werden und ihren jeweiligen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung, insbesondere auch im ländlichen Raum, leisten.

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