Memoiren: So halten Sie Ihre Erinnerungen fest – Tipps von Juliane Primus

Eine Autobiografie zu schreiben ist nur was für Promis? Von wegen! Sie müssen nicht Iris Berben oder Hape Kerkeling heißen, um auf ein aufregendes Leben zurückzublicken und Ihre Memoiren zu schreiben. BESTZEIT-PLUS klärt die wichtigsten Fragen für alle, die ihre Lebenserinnerungen festhalten und weitergeben wollen.

Warum sollte ich jetzt meine Memoiren schreiben?

Juliane Primus: Memoiren geben Erinnerung und Weisheit an die nächsten Generationen

Sicher haben Sie schon manches Mal gedacht: „Das müsste ich eigentlich aufschreiben…“ Hätte, müsste, sollte. Vergessen Sie den Konjunktiv und machen Sie Nägel mit Köpfen. Je früher, desto besser! Denn wenn das Gedächtnis erst nicht mehr richtig mitmacht und die Erinnerung nachlässt, ist es zu spät – und Ihr Erfahrungsschatz unwiederbringlich verloren.

Für wen schreibe ich?

Bevor Sie anfangen, sollten Sie überlegen, wer Ihr Buch lesen soll. Ihre Kinder und Enkel interessieren sich vielleicht vor allem für die Familiengeschichte (erster Kuss der Eltern oder Großeltern inklusive) und für Zeiten, in denen noch keiner etwas von Smartphones und Angela Merkel ahnte. Ehemalige Arbeitskollegen, Geschäftspartner oder Nachfolger wollen wahrscheinlich von Umwegen und Umbrüchen in Ihrer Karriere lesen, von genutzten Chancen und mutigen Entscheidungen. An gemeinsame Urlaubsreisen und Feste erinnern sich dagegen Nachbarn und Freunde besonders gern. Fragen Sie am besten nach, was Ihre zukünftigen Leser besonders interessiert.

Wie bereite ich das vor?

Beginnen Sie ganz schmucklos mit einem tabellarischen Lebenslauf – er ist der rote Faden Ihrer Autobiografie. So verschaffen Sie sich einen Überblick über Jahreszahlen und wichtige Lebensstationen. Gleichzeitig können Sie herausfinden, über welche Abschnitte und Ereignisse Sie überhaupt schreiben wollen. Stichworte wie „Kindheit“, „Studium“, „erste Arbeitsstelle“ können dabei helfen, eine erste Gliederung und damit Kapitel für Ihre Memoiren zu entwickeln. Fallen Ihnen dabei noch ganz andere Erlebnisse ein? Dann sammeln Sie diese stichpunktartig in einem Notizheft.

Was hilft meinem Gedächtnis auf die Sprünge?

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Leben Revue passieren zu lassen. Was waren Schlüsselerlebnisse? Wie sind Sie zu dem Menschen geworden, der Sie heute sind? Wer war Vorbild? Welche Schicksalsschläge haben Sie erfahren? Was war das größte Glück? Suchen Sie nach Tagebüchern und Briefen, in denen Sie nachlesen können. Kramen Sie in alten Fotokisten und suchen Sie Zeugnisse und Urkunden. Sprechen Sie mit alten Freunden und kommen Sie so gemeinsam ins Schwelgen.

Wie treffe ich den richtigen Ton?

Wenn Sie Ihre Kapitel chronologisch geordnet und vielleicht sogar einen Arbeitstitel für Ihre Autobiografie gefunden haben, können Sie endlich schreiben. Aller Anfang ist schwer, darum: Legen Sie einfach los! Etwas umschreiben, streichen oder ergänzen können Sie später immer noch. Beginnen Sie zum Beispiel damit, einen Geruch oder ein Spielzeug aus Ihrer Kindheit in Worte zu fassen. Oder beschreiben Sie das älteste Foto, auf dem Sie zu sehen sind. Nach und nach wird es Ihnen leichter fallen, die richtigen Worte zu finden. Versuchen Sie, viele starke Verben zu verwenden und Substantivierungen zu vermeiden. Schreiben Sie im Aktiv statt im Passiv und natürlich in der Ich-Form.

Wieviel Zeit sollte ich einplanen?

Eine Autobiografie zu schreiben, kostet Zeit und Geduld. Sie sollten mindestens ein halbes Jahr für die Arbeit an Ihren Memoiren einplanen. An manchem Tag werden Sie lockerleicht fünf Seiten füllen, an einem anderen dagegen nur mit Müh und Not ein paar Sätze zu Papier bringen. Halten Sie durch und blättern Sie immer wieder in Ihrem Notizheft.

Wer kann mir helfen?

Kommen Sie gar nicht weiter mit dem Schreiben, können Sie Ihre Erinnerungen auf Band sprechen. Das kann alleine auf dem Sofa funktionieren, aber auch im Gespräch mit Verwandten und Bekannten – legen Sie das Aufnahmegerät bei Familientreffen einfach auf den Tisch. Vielleicht findet sich bei dieser Gelegenheit gleich jemand, der Ihre Erzählungen abtippt.

Gibt es dafür Profis?

Erzählcafés, Workshops an Volkshochschulen, Schreibwerkstätten: Das Kursangebot für autobiografisches Schreiben ist groß. Neben fachkundiger Anleitung bieten diese Einrichtungen Gelegenheit, um andere Erinnerungswillige zu treffen und sich auszutauschen. Wer sich nur erinnern möchte, und alles andere in die Hände von Profis geben will, findet Hilfe bei speziell ausgerichteten Ghostwritern. Vom Schreiben über die Gestaltung des Buches inklusive Fotos bis zum Druck – hier kümmert sich jemand um Ihre Wünsche.

Was kostet ein Ghostwriter?

Das richtet sich natürlich nach Ihren individuellen Wünschen und dem Umfang des Werks. Mit einer vierstelligen Summe sollten Sie aber in jedem Fall rechnen. Doch vielleicht müssen Sie das ja gar nicht alleine stemmen, sondern ein Familienmitglied freut sich, wenn Sie endlich mal eine Antwort haben auf die Frage: „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?“

Juliane Primus ist Gründerin und Autorin der Memoiren Manufaktur in Berlin
www.memoiren-manufaktur.de

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