Mit ein bisschen Liebe… – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Früher habe ich mich immer geärgert, wenn mir am anderen Ende der Leitung jemand gesagt hat: „Ich bin nicht zuständig!“. Heute bin ich schon froh, wenn sich am anderen Ende überhaupt eine freundliche Stimme meldet… So ändern sich die Zeiten und es scheint mir, als hätten viele Menschen bei der Arbeit nicht nur ‚Rücken‘, sondern auch „Montag“ und „Dienstag“ und mindestens ein Teil vom „Mittwoch“, um sich dann ab Donnerstag aufs Wochenende zu freuen.

„Dienstleistungsgesellschaft“ klingelt es mir noch im Ohr. Mir ist so, als wollten wir das mal sein. Ich habe meine Zweifel, ob wir es je waren. Und dabei fehlt uns jede Chance auf den totalen Ersatz, auch wenn wir Termine mit Computern ausmachen können. Ob Anwalt, Behörde, Handwerker, Arzt, PC-Profi – am Ende stehen Menschen vor uns. Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass sie erlernt haben, was sie können sollen. Aber es geht neben dem KÖNNEN insbesondere um das WIRKEN.

Dass Wirken mit Wirkung zu tun hat versteht sich von selbst und an eben diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Da wir bekanntermaßen als Menschen zu 95% mit dem Bauch empfangen, was uns der andere sagt, wird’s an dieser Stelle schwierig, wenn die Message nicht passt. Wenn also der Eindruck entsteht, dass man stört oder überhaupt unwillkommen ist. In Warenhäusern geht mir das oft so und auch sonst, wenn ich eine völlig normale Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte; nicht umsonst, bezahlt natürlich.

Scheinbar völlig vergessen oder verdrängt ist, dass ein kausaler Zusammenhang mit dem Broterwerb besteht. Also damit, dass die Miete, der nächste Urlaub, die Klamotten – summa summarum die ganzen finanziellen Verpflichtungen und das Vergnügen – mit dem, was am Monatsende dafür rumkommt, bezahlt werden muss. Da könnte man schon mal lächeln, oder? Nun kann man Gründe suchen, warum das manchmal so gar nicht klappt und sich überlegen, was so schlimm am Arbeiten ist. Schließlich müssen wir obendrein noch konstatieren, dass wir bei dem, was wir da täglich tun, nicht nicht kommunizieren können und damit in aller Regel den Löwenanteil unseres „bewussten“ Lebens verbringen.

Statistiken – von denen mir bei meiner Recherche zu diesen Zeilen keine so gut gefallen hat, dass ich sie hier zitieren möchte – sagen im Grunde genommen aus, dass vermutlich deutlich mehr als 40% aller Angestellten mit ihrer Arbeit unzufrieden sind. Nun gehen diese Erhebungen nicht in die Tiefe, so dass es ein bisschen mühsam ist, aus dem ganzen Orchester von Gründen für Unzufriedenheit, die maßgeblichen zu bestimmen. Ich bin so frei und nenne trotzdem ein paar: das Vergleichen, das Unter- oder Überfordert sein, die Höhe des Gehalts, inhomogene Arbeitsteams, fehlende Anerkennung und insbesondere der Druck. Ich beobachte selbst, dass dieser in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen hat. Die Vorgaben, immer besser und mehr in einer stetig komplexer werdenden Arbeitswelt zu leisten, kratzen vor allem an der Psyche. Das hat Folgen. Auch in der Berufsunfähigkeit stehen bereits eine Weile die psychischen Erkrankungen mit 31% an der Spitze der Gründe für den dauerhaften Totalausfall. Beweis genug, dass zu viel Stress krankmacht. Vorbei die Zeiten, wo Arbeitgeber „sozial“ waren, ein familiäres Umfeld geschaffen und den entsprechenden Umgang im menschlichen Miteinander gelebt haben. Heute zählt, was messbar ist und die Messlatte liegt hoch.

Da sollten wir den Blick doch ganz bewusst auf das lenken, für das wir dankbar sein können und was wir an dem schätzen, was wir tagtäglich tun. Die Entlohnung z. B. oder auch tolle Menschen, denen wir im Job begegnen dürfen, Aufgaben, denen wir uns im besten Fall gerne stellen und: auch mit Liebe geht alles ein bisschen leichter. Man stelle sich nur vor, sein Können und Schaffen mit Liebe zu tun. Ich finde, das fühlt sich gut an. Die Arbeit betrachten wie eine gute Partnerschaft. Dann würde es überhaupt nicht schwerfallen, zu lächeln, zuzuhören und neben dem „Können“ ein gutes Wort zu haben. Natürlich ist dieses Bild idealisiert. Trotzdem zeigt es, wie einfach es im Grunde genommen doch ist, dem Gegenüber bei gleichem Können ein gutes anstatt ein schlechtes Gefühl zu geben. Ganz unabhängig davon, um welche (Dienst-)Leistung es geht.

Möglicherweise also ein Denkansatz für beide Seiten (Arbeitgeber und Arbeitnehmer), die berufliche Zeit und Zukunft mit mehr emotionaler Intelligenz zu füllen. Das Können mit dieser positiven Energie bereichern, die keinen Cent kostet und doch den entscheidenden Unterschied macht und gibt wonach wir uns alle sehnen: Wohlfühlen. Nur auf dieser Basis kann man langfristig erfolgreich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Egal, wie digital wir schon sind oder noch werden.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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