Neue Pflegestärkungsgesetze und deren Bedeutung – Was bedeutet die neue Pflegedefinition in der Praxis?

Pflegebedürftige sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Dabei handelt es sich primär um Personen, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer bestehen – mindestens für sechs Monate.

Das neue Begutachtungsverfahren ist so aufgebaut, dass alle relevanten Bedürfnisse und Belange bei der Prüfung erfasst werden. Grundsätzlich baut das neue Begutachtungsassessment (NBA) auf Erfahrungen der Vergangenheit auf.

Neben Angaben zur Person geht es im Wesentlichen darum, die Wohn-, Lebens- und Versorgungssituation aktuell zu erfassen. Anamnese sowie Befunderhebungen zur Feststellung von Schädigungen und Beeinträchtigungen sind wichtige Versorgungbausteine. Es spielt das Thema Zeit bei der Feststellung des Pflegegrades keine Rolle mehr.

Bereits bei den Begutachtungsverfahren durch den MDK sowie gleichwertige Prüfungsinstitutionen werden notwendige Maßnahmen, wie Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen sowie der Bedarf an Hilfs- und Pflegehilfsmitteln besprochen. Dazu gibt es pro Monat einen Zuschuss von 40 €. Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, wie Umbau des Bades und der Toilette, sowie Anschaffung eines Treppenlifters kann je Maßnahme mit bis zu 4.000 € bezuschusst werden.

Die in den neuen Verfahren festgelegten sechs Module werden unterschiedlich bewertet und richten sich nach den Zustand des Pflegebedürftigen.

Die Bewertung der Selbstständigkeit zum Beispiel wird von der Bewertung – selbstständig/ überwiegend selbstständig/ überwiegend unselbstständig bis unselbstständig bewertet. Selbstständig ist jemand handlungsfähig, wenn er – in der Regel – und zwar ohne Unterstützung einer weiteren Person oder Hilfe aktiv den Ablauf des täglichen Lebens meistert. Im Gegensatz dazu, ist jemand unselbstständig, wenn es der Person kaum oder nicht gelingt vorhandene Ressourcen zu aktivieren und dazu notwendigerweise ständige Unterstützung benötigt wird.

Bei der Mobilität zum Beispiel geht es um den Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs und das Treppensteigen.

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten haben Auswirkungen auf die gesamte Lebensführung. Bei den allgemeinen Verhaltensweisen und psychischen Problemlagen geht es im Schwerpunkt um die Planung und Umsetzung von allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung insbesondere bei eingeschränkter Alltagskompetenz.

Bei der Selbstversorgung geht es um die jeweilige Fähigkeit entsprechende Tätigkeiten des täglichen Lebens aktiv und praktisch durchzuführen. Bei der Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen wird die jeweilige aktive und praktische Durchführung entsprechend bewertet.

Zum Schluss geht es um die Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte. Dabei geht es um die Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen sowohl im Wohnbereich als auch außer Haus.

Diese Art der Prüfung wurde zwischenzeitlich erfolgreich getestet und wird schrittweise in 2016 eingeführt. Das betrifft die Einstufung für die 5 Pflegegrade.

Der Autor ist Partner der auf Pflegevorsorgeberatungen spezialisierten Gesellschaft www.Pflege-Finanzen.de. Über diese Internetseite können individuelle Informationen zur Pflegevorsorgeabsicherung angefordert werden.

Kommentar hinterlassen zu "Neue Pflegestärkungsgesetze und deren Bedeutung – Was bedeutet die neue Pflegedefinition in der Praxis?"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: