Organspende. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Jeden Tag sterben Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spendeorgan erhalten. In Deutschland ist die Bereitschaft, nach dem Tod Organe zu spenden, stark rückläufig. 769 waren es 2017 lt. Statista (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239475/umfrage/anzahl-der-verstorbenen-organspender-bei-eurotransplant-nach-laendern/).

Demgegenüber stehen mehr als 10.000 Menschen, die auf ein Spendeorgan warten.

Wenn ich mir vorstelle, dass ein anderer Mensch sterben muss, weil ich zu Lebzeiten nicht den „richtigen Zettel“ ausgefüllt habe, dann stimmt mich das sehr traurig. Ich hätte nach meinem Tod einem oder sogar mehreren Menschen das Leben erleichtern, froher oder lebenswerter machen oder sogar retten können und habe es nicht getan….

Warum also nicht?

Die Tatsache, dass so wenige Organe gespendet werden, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass einerseits die Bedenken der Menschen zu groß sind und andererseits die Hürden an Vorschriften und bürokratischen Voraussetzungen ein weiterer Punkt sein können, an dem die Durchführung einer Organtransplantation scheitert. Deshalb habe ich ein paar Fakten zusammengestellt.

Welche Organe man spenden kann

In Deutschland werden Herz, Nieren, Lunge, Leber, Bauspeicheldrüse, Darm und auch Haut verpflanzt.

Wer organisiert das?

Die Organspende bzw. Organtransplantation ist eine Gemeinschaftsaufgabe von vielen Einrichtungen. Erste Anlaufstelle ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die auch international arbeitet und eine Warteliste führt. Hierin aufgenommen zu werden ist nicht selbstverständlich, weil die Bundesärztekammer nach bestimmten Richtlinien entscheidet, ob eine Person aufgenommen wird oder nicht. Sind die Erfolgsaussichten zu schlecht oder der Eingriff zu gefährlich kommt man nicht auf die Warteliste. Wird man aufgenommen, gehen die Patientendaten an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in den Niederlanden.

Zur besseren Übersicht der Ablaufplan:

Quelle: https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf

Weitere Vorschriften finden sich im Transplantationsgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/tpg/TPG.pdf .

Voraussetzungen für eine Organspende

Damit Organe nach dem Tod entnommen werden können, müssen gemäß dem Transplantationsgesetz zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss eine Zustimmung vorliegen und der Tod muss nach den Richtlinien der Bundesärztekammer eindeutig festgestellt worden sein.

1. Zustimmung

Eine Zustimmung kann bspw. mittels Organspendeausweis erfolgen (Bezugsquelle: https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen) oder auch von Angehörigen erteilt werden. In diesem Punkt taucht Konfliktpotential auf. Nicht immer sind die Unterlagen parat oder sind Angehörige im entscheidenden Moment in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen. Ein weiterer, ungeklärter Konflikt kommt hinzu, der aus Patientenverfügung und  Spendeausweis resultieren kann. Wer spenden will, muss auch angeben, dass er am Lebensende an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen werden darf. Viele Menschen wissen das aber nicht und geben in ihrer Patientenverfügung an, dass sie nicht an lebensverlängernde Maschinen angeschlossen werden wollen, haben aber einen Organspendeausweis in ihrem Geldbeutel, indem angekreuzt ist, dass sie ihre Organe spenden wollen. Hier entsteht ein großer Konflikt für die Ärzte. Sie dürfen weder die Patientenverfügung ändern oder nicht beachten, noch dürfen sie nicht auf den Wunsch verzichten, dass der Patient seine Organe spenden will.

2.Wann ist man tot?

Als Organspender kommt man in Betracht, wenn man hirntot ist, d.h., wenn das gesamte Hirn (Großhirn, Kleinhirn, Hirnstamm) vollständig und endgültig ausfällt und keine elektrische Aktivität mehr vom Hirn ausgeht. Dies zeigt sich in eine sog. Null-Linie. Diese muss 30 Minuten lang nachgewiesen werden. Zwei voneinander unabhängige Ärzte müssen den Hirntod feststellen und dokumentieren. Die Kriterien zur Hirntodfeststellung legt die Bundesärztekammer aufgrund der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft fest (s. §16 Transplantationsgesetz).
Ablauf der postmortalen Organspende

Nach dem Tod des Betroffenen halten dessen behandelnde Ärzte die künstliche Beatmung aufrecht. So gewährleisten sie, dass die Organe weiter mit Sauerstoff versorgt werden und keinen Schaden nehmen. Sind alle formalen Vorschriften erfüllt, beginnt die umfangreiche Transplantations-koordination. Alle entscheidungsrelevanten Stellen (DSO und ET) müssen nun zügig und Hand in Hand vorgehen, damit ein oder mehrere Organe erfolgreich transplantiert werden können, sofern sich nach postmortalen Untersuchungen medizinisch bestätigt, dass der Betroffene als Spender in Betracht kommt. Es versteht sich von selbst, dass der Leichnam den Angehörigen nach der Organentnahme in würdigem Zustand zur Bestattung übergeben wird.

Ist eine Organspende ethisch vertretbar?

Ich möchte davon absehen, große Philosophen zu zitieren, sondern einfach meine eigene Meinung sagen: Für mich überwiegt der Gedanke zu helfen und etwas Gutes zu tun. Es ist nur mein Leib, der ohnehin nach dem Tod verfällt. Ich bin überzeugt, meine Seele bleibt davon völlig unbeschadet. Im Gegenteil, vielleicht erfährt sie die besondere Güte, nützlich gewesen zu sein. Und ich glaube, es gibt auch keinen Gott, der fundierte Gründe vortragen könnte, was dagegenspricht, einem Nächsten zu helfen.

Gleichzeitig hat kein Mensch einem anderen Menschen gegenüber einen Verfügungsanspruch und so muss jedem Menschen höchst selbst die Entscheidung darüber obliegen.

Ich möchte deshalb aufmuntern, über dieses Thema nachzudenken und sich Informationen einzuholen; eine Entscheidung für sich selbst zu treffen. Bedenke: es kann auch dich treffen.

Haftungsausschluss

Alle Informationen und Quellverweise habe ich nach besten Wissen zusammengetragen, um die Leser für dieses Thema zu sensibilisieren. Sie erheben keinen Anspruch auf eine juristische Verwertbarkeit im Sinne einer Richtigkeits- oder Vollständigkeitsprüfung.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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