(Polit-)Kindergarten. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Geduld Kinder! In diesen Tagen brauchen wir Geduld. Wir sind an die Urnen gegangen, haben gewählt und einen Auftrag erteilt. Zugegeben: Im Ergebnis keinen einfachen. Aber nun das: ein Ringen und Kämpfen; ein einziges hin und her, rauf und runter. Jeden Tag neue Meldungen ohne Inhalte und ich habe es satt. Es steht mir ganz oben, dieses selbstgemachte Durcheinander zu verfolgen, Nachrichten zu sehen oder zu lesen. Über Politikverdruss muss man sich nicht wundern.

Alles wirkt planlos. Strategen, die nun ihre Strategien hinterfragen. Festhalten, umwerfen, neu sortieren, konsolidieren, sondieren und ich weiß nicht was noch alles. Kompromisse machen, scheinbar aufeinander zugehen und dann doch wieder auseinandertriften. Erklärungen aus allen Reihen, Gespräche – aber: kein weißer Rauch.

Meine Geduld damit ist am Ende.

Nun bin ich kein Politikwissenschaftler, aber ich halte von diesem mir sinnfrei erscheinenden Ringen und Würgen gar nichts. Im Gegenteil, es kommen mir Bilder vor  Augen, die an Kindergartenszenerien erinnern und die sehen so aus: Der Gong schlägt, es ist 17.00 Uhr und die Kleinen werden abgeholt. Der zottelige Maximilian prescht  zur Tür und verkündet lautstark: „ab morgen gehe ich in einen anderen Kindergarten, mit euch mag ich nicht mehr“. Katarina, die gerne grüne Klamotten trägt, schaut wenig betroffen auf und ist mit ihrer Jacke beschäftigt. Christopher, ihr Freund, hilft ihr in die Ärmel und bindet dann eifrig seine Schuhe. Beide denken: soll er doch machen, wir bleiben erstmal. Der großgewachsene Hagen, der in der Gruppe eigentlich gar nicht so viel zu sagen und häufig mit sich und seiner Sturheit zu kämpfen
hat, macht alle durcheinander, denn er findet seine Schuhe nicht und läuft laut schimpfend durch den Ein- bzw. Ausgangsbereich. Der smarte Charles, der gerade noch mit seinem interaktiven Planspiel beschäftigt war, stürzt in die wartende Runde, streckt allen die Zunge raus und verkündet: „Ihr habt mich so geärgert, ab morgen spielt ihr eben ohne mich“. Da staunt die besonnene Auguste nicht schlecht und nestelt an ihrem Reißverschluss. Die blöde Jacke will einfach nicht zugehen. Ihr ist in
dem ganzen Getümmel richtig schlecht geworden. Still, wie sie immer ist, will sie sich nach außen nichts anmerken lassen, aber ihr Gesicht spricht Bände. Trotz allem will sie auch morgen weiterspielen. Lieb geworden ist es ihr hier und sie hat Freude daran. Sie weiß aber gerade nicht so genau, wer eigentlich noch ihre Freunde sind. Seit einiger Zeit ist alles ziemlich doof für sie. Zu allem Überfluss kommt jetzt noch die Kindergartenleitung vorbei. Herr Franzen, schon weißhaarig und eigentlich zurückhaltend, verschafft sich mit klaren Worten Aufmerksamkeit und ruft die Bande zur Ordnung. „So geht das nicht, kann ja nicht jeder einfach machen, was er will; wir können nur gemeinsam spielen. Regeln gibt es bei uns und darüber wird zu reden sein und zwar mit jedem einzelnen von euch!“ In den darauffolgenden Tagen holt er sich die trotzigen Gören nach der Reihe in sein schönes Büro. Vor allem mit Maximilian hat er ein ernstes Wörtchen zu reden. Sich ungefragt vom Acker machen, nein, das macht man nicht. Da knickt der zottelige Maximilian ein und sagt: „Ich will es mir noch einmal überlegen. Dann muss sich hier aber einiges ändern!“ Tags drauf zickt und
zankt sich die Rasselbande weiter – kein Ende in Sicht. Irgendwie stinkt es allen, auch den Eltern und zwar ganz gehörig. Die Kiddies, die noch am Rand stehen kichern sich eins und denken sich, beim nächsten Mal zeigen wir’s denen. Vielleicht schon ganz bald.

Soweit der kleine Ausflug in den aktuellen Polit-Kindergarten, der – so lässt sich vermuten – noch lange nicht zu Ende gespielt ist.

Was sollen wir Bürger denken und von diesem Gerangel um Macht und Mehrheiten halten? Aus meiner Sicht gar nichts. Destruktive Selbstschwächung eines an sich stabilen Landes, warum? Vorreiter und Vorbild wollen wir in der Welt sein. Für Weltfrieden, Demokratie, Stabilität, ein vereinigtes Europa und Wachstum. Was soll in diesen Tagen die Welt von uns denken, schließlich schauen auch die anderen auf uns.​

Vorbildlich kann ich das nicht nennen. Skandalös ist die Vokabel der Stunde. Wir haben in Deutschland weit wichtigere Probleme zu lösen, als uns mit Narzissmus, Macht- und Geldhunger unserer Politiker zu beschäftigen.

Demografie ist eins der vielen Beispiele.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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