Prognos-Studie: Aktuelle Rentenpolitik belastet zukünftige Generationen

Mütterrente, Haltelinie und Doppelte Haltelinie: Die Politik diskutiert derzeit Konzepte, um das Rentenniveau zu stabilisieren. Für künftige Generationen wären solche Vorschläge ein schlechtes Geschäft, hat Prognos für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft herausgefunden.

Eine Stabilisierung des Rentenniveaus würde zukünftige Generationen finanziell stark benachteiligen. Für einen heute Neugeborenen ergibt sich eine Mehrbelastung zwischen 6.000 und 15.000 Euro – abhängig davon, welcher Ansatz zur Stabilisierung des Rentenniveaus umgesetzt würde. Die noch ungeborenen Generationen müssten zusätzlich etwa 1,1 Milliarden Euro aufbringen, da die höheren Rentenversprechen für die kommenden Rentnergenerationen im „Generationenvertrag Rentenversicherung“ von künftigen Beitragszahlern finanziert werden müssen.

So lautet das Ergebnis einer Kurzstudie der Prognos AG für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Die Studie untersucht die wirtschaftlichen Auswirkungen von drei Vorschlägen zur Reform der Rente:

  1. die von der CSU in die Diskussion gebrachte „Mütterrente II“
  2. die im Rentenkonzept der SPD vorgeschlagene „Doppelte Haltelinie“ mit einem Rentenniveau von 48 Prozent einer Beitragssatzobergrenze von 22 Prozent
  3. die Auswirkungen einer Haltelinie beim Rentenniveau in Höhe von 46 Prozent

Das Ergebnis des Generationengerechtigkeits-Checks: Gemessen am Maßstab der Generationengerechtigkeit verfehlen alle drei Konzepte das Ziel einer für alle Generationen gerechten Rentenpolitik. „Die Vorschläge würden den derzeit gültigen Finanzierungskompromiss zwischen heutigen und zukünftigen Generationen aufkündigen“, schreiben die Autoren.

Im Szenario „Mütterrente“ würden alle Jahrgänge ab einem Alter von etwa 50 Jahren profitieren, wobei die großen Gewinner dieser Maßnahme die heutigen Rentner wären. Sie erhalten im Schnitt im Verlauf ihres Ruhestands etwa 4.000 Euro an zusätzlichen Leistungen. Finanzieren müssten diese Maßnahme im Wesentlichen die heutigen Beitragszahler zwischen 20 und 50 Jahren. Sie zahlen im Laufe ihres Lebens im Durchschnitt netto etwa 2.000 Euro mehr in das Rentensystem ein als ohne die Mütterrente II.

In den beiden Haltelinien-Szenarien würde sich der Betrag spürbar erhöhen. Der steigende Finanzierungsbedarf für die höheren Rentenniveaus liegt maximal für einen heute Neugeborenen bei 6.000 Euro („Haltelinie“) bis knapp 15.000 („Doppelte Haltelinie“) Euro. Zudem müssen alle heute noch nicht geborenen, zukünftigen Beitrags- und Steuerzahler erhebliche Mehrbelastungen schultern. Von den Reformen profitieren vor allem die heute um die 50-Jährigen. Sie zahlen in den verbleibenden Erwerbsjahren nur relativ moderat höhere Beiträge, erhalten aber durch die Stabilisierung des Rentenniveaus deutlich höhere Leistungen. In der Spitze ergibt sich ein Plus von über 30.000 Euro.

Im Sinne eines fairen Umgangs mit den nachkommenden Generationen, sollte ein neuer Finanzierungskompromiss nicht zu ihren Lasten ausgehandelt werden. Vielmehr müssten die Mehrbelastungen dieser Gruppe auf alle heute Lebenden umgelegt werden. Für die Altersverteilung der Finanzierunglasten hätte dies zur Folge, dass alle heute lebenden Jahrgänge stärker belastet würden und die Zahl der „Reformverlierer“ deutlich steigt.

In diesen Szenarien würden alle Jahrgänge bis zu einem Alter von etwa 25 (Szenario „Haltelinie“) bis 30 Jahren (Szenario „Doppelte Haltelinie“) belastet. Darüber hinaus würden dann auch die älteren Jahrgänge ab einem Alter von 66 („Haltelinie“) bzw. 76 Jahren („Doppelte Haltelinie“) zu Reformverlierern.

 

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