Prognos-Studie: Deutschland steuert auf einen bedrohlichen Fachkräftemangel zu – Bundesverband Initiative 50Plus fordert von Politik und Wirtschaft Handeln

Das in Basel ansässige Forschungs-Institut Prognos bestätigt in einer aktuellen Studie, dass Deutschland in den nächsten Jahren unter einem massiven Fachkräftemangel leiden wird. Der Bundesverband Initiative 50Plus fordert die politisch Verantwortlichen und die Wirtschaft auf, die Realitäten anzuerkennen und ältere Arbeitnehmer stärker zu fördern.

Christian Böllhoff (Prognos) sieht Probleme für die deutsche Wirtschaft, wenn ältere Arbeitnehmer nicht stärker von den Unternehmen gefördert werden

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist zurzeit ausgesprochen gut. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt mit über 44 Millionen auf Rekordniveau, Arbeitslosenquote und Unterbeschäftigung nehmen ab. Jedoch wird sich die Lage am Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren erheblich verschärfen. Fachkräfte werden über alle Branchen hinweg knapp, da die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Auch wenn Ungewissheiten beim Blick in die Zukunft bestehen und gerade auch die Digitalisierung zu Veränderungen der Arbeitsnachfrage führen kann: Die Prognos AG hat für das Jahr 2030 eine Fachkräftelücke von etwa 3 Millionen, für 2040 sogar von rund 3,3 Millionen, errechnet.

Die Arbeit geht in Deutschland nicht aus, sie wird aber komplexer. Und: Die Halbwertzeit von Wissen nimmt weiter ab. Daher braucht die deutsche Wirtschaft immer besser qualifizierte Fachkräfte. Die Fachkräftelücke wird zu einer wachsenden Herausforderung für alle deutsche Unternehmen, vor allem aber für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in weniger attraktiven Regionen des Landes. Es werden sowohl Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, als auch solche mit Hochschulabschluss fehlen. Unqualifizierte werden dagegen von Arbeitslosigkeit bedroht sein.

Das zeigen auch die Befürchtungen der deutschen Wirtschaft. So ist der Fachkräftemangel laut einer aktueller Konjunkturumfrage des DIHK erstmals die Hauptsorge der deutschen Unternehmen. Besonders besorgt sind kleine und mittelständische Unternehmen. 78% von ihnen sehen es als schwer bis sehr schwer an, Fachkräfte zu rekrutieren. Der Mangel an Fachkräften führt schon bei jedem zweiten Mittelständler zu nennenswerten Umsatzeinbußen.

Die Prognos AG findet den Ansatz der Bundesregierung, mit dem Fachkräftereport diese Entwicklungen regelmäßig zu messen, richtig. Zwar hat die Politik schon einiges gemacht, aber das reicht nicht aus, um in der Zukunft ökonomisch erfolgreich zu bleiben. Deshalb sollten nachdrücklicher als bisher Maßnahmen umgesetzt werden, die eine hohe Zahl an Arbeitskräften mobilisieren.

Zusätzliche, qualifizierte Arbeitskräfte müssen kurzfristig mobilisiert werden können. Dies umfasst die internationale Rekrutierung von Arbeitskräften ebenso wie eine längere Arbeitszeit von Älteren. Junge und alte Arbeitskräfte müssen mit Qualifizierungen und Weiterbildung auf die Veränderungen der Digitalisierung vorbereitet werden.

Bundesverband Initiative 50Plus fordert von Politik und Tarifparteien schnelles Handeln

KMU müssen mehr tun, um ältere Arbeitskräfte zu binden, fordert Uwe-Matthias Müller

Die Interessenvertretung der Generation 50Plus weist darauf hin, dass die von Prognos vorgelegten Zahlen seit Jahren bekannt sind.  Die Tatsache, dass 2030 das Jahr sein wird, in dem die meisten Arbeitnehmer in Rente gehen macht klar, dass nun gehandelt werden muss. „Die Bundesregierung hat selbst definiert, dass ein wichtiges Aktionsfeld zur Bekämpfung des Fachkräfte-Mangels, der schon längst ein Arbeitskräfte-Mangel geworden ist, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer ist. Nachdem statistisch ältere Arbeitslose kaum noch vorhanden sind wäre es an der Zeit, die Lebensarbeitszeit an die – erfreulicherweise – gestiegene Lebenszeit anzupassen.“ so Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. „Es bleibt unverständlich, warum KMU, obwohl 78 % von ihnen angeben, Probleme bei der Besetzung freiwerdender Arbeitsplätze zu haben, nicht mehr Employer Branding betreiben und sich ernsthaft anstrengen, für Arbeitnehmer attraktiv zu erscheinen.“ Der Bundesverband Initiative 50Plus habe schon 2011 eine „Initiative Arbeit 50Plus“ gegründet, die aber gerade von KMU bisher kaum genützt würde. „Der Mittelstand hat in Deutschland das größte Potential und lässt es ungenutzt liegen. Die Folgen werden wir alle tragen müssen, wenn sich nicht bald etwas ändert.“ so Müller.


Titel-Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

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