Rentner im Unruhestand. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer).

Viele Rentner wollen wieder- oder weiterarbeiten. Das zeigen viele Studien. Manchmal we-gen des Geldes, oft, weil sie sich zuhause langweilen oder den Kontakt zu anderen Menschen suchen.

Es sind aber auch die Unternehmen, die in der heutigen Zeit auf die Expertise und die Erfahrung ihrer älteren Mitarbeiter nicht verzichten wollen und eigene Beschäftigungsgesellschaften gründen (OTTO, Bosch, Commerzbank…).

Ein schönes Beispiel für die Leistungsfähigkeit älterer Menschen liefert eine kleine amerikanische Firma. Bill Ferson ist 97 Jahre alt und berufstätig. Der Älteste ist jeden Morgen als erstes in der Fabrik. Er ist Mitarbeiter der Firma Vita Needle, einer Firma im Örtchen Needham im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie fertigt kleine Edelstahlrohre und Präzisionsnadeln. Als er sich bei der Firma bewarb, wollte er nur einen Teilzeitjob für einige Monate. Das ist jetzt 27 Jahre her. „Ich werde nie aufhören zu arbeiten“, sagt der Mann mit den weißen Haaren heute.

Mit seinem hohen Alter ist er keine große Ausnahme bei Vita Needle. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist 73 Jahre. Während in den USA wie in Deutschland schon Menschen ab Mitte 40 Schwierigkeiten haben, einen neuen Job zu finden, sobald sie arbeitslos werden, gilt bei Vita Needle: Je älter, desto besser.
Untersuchungen zeigen immer wieder, dass sich Ältere besser auf Details konzentrieren können und auf Qualität achten. Das ist wichtig in einer Fabrik, in der das weitaus meiste noch per Hand gedrechselt wird. Außerdem kündigen die Alten seltener als junge Mitarbei-ter.

Seit 1932 gibt es die Firma, sie gehört seit mehr als 80 Jahren der Familie Hartman. Alte Mitarbeiter werden aber erst seit den 80er-Jahren beschäftigt, als der heutige Firmenchef an die Spitze rückte. Damals konnte Vita Needle in einer Krise nur Teilzeitjobs vergeben. Die einzigen Bewerber waren schon alt und hatten ihre vorherigen Jobs verloren.

„Es war eine Offenbarung“, sagt Hartman. „Und ein gutes Arrangement für uns alle.“ Seitdem stieg der Gewinn der Firma. Die Lohnkosten sind auch deshalb so gering, weil der Staat für die alten Teilzeitkräfte die Krankenkasse und andere Lohnnebenkosten übernimmt. Sie verdienen zwischen 10 und 20 Dollar pro Stunde. „Ich werde hier nicht reich“, sagt Bill Ferson. Im Gegenzug hat er aber absolute Freiheit. Die Mitarbeiter können zu Hause bleiben, wenn sie auf die Enkel aufpassen wollen. Jeder arbeitet in seinem eigenen Tempo. Die Weißhaarigen machen Mittagspause im so genannten Clubhaus, erzählen sich Geschichten. „Meine Freunde sind alle unter der Erde“, sagt Ferson. „Das hier sind alles meine neuen Freunde.“

Rosa Finnegan hielt lange den Rekord als älteste Mitarbeiterin. „Herzukommen hält mich am Laufen, es ist etwas, auf das ich mich freuen kann“, sagte sie in einem Interview im Jahr 2013. Sie starb kurze Zeit nachdem sie ihren Job aufgegeben hatte – im Alter von 102 Jahren.

Interessant für die Personalleute in den Unternehmen ist vielleicht auch folgender Aspekt: Zur Frage, wann ältere Mitarbeiter aufhören sollen, gibt es eine ungeschriebene Vereinbarung. Die Beschäftigung endet, wenn ein Mitarbeiter die Treppenstufen zu seinem Arbeitsplatz im ersten Stock nicht mehr hochkommt. Eine gute, unkonventionelle Idee – auch im Interesse der Menschen, oder?

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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