Schluss mit der Zwangspensionierung. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer).

Hand aufs Herz. Haben Sie bei irgendeinem Ihrer runden Geburtstage etwas gespürt? Haben Sie wirklich etwas spürbar wahrgenommen, als Sie 30, 40, 50, 60 oder älter geworden sind? Hat sich Ihr Leben von diesem Tag vor dem Geburtstag zum nächsten Tag verändert? Hat sich Ihr geistiges Leistungsvermögen um Mitternacht deutlich von einem auf den nächsten Moment verschlechtert? Ist Ihre körperliche Leistungskraft am Geburtstag plötzlich zusammengebrochen?

Bullshit. Natürlich nicht – auch wenn manche Menschen vor jedem runden Geburtstag eine Angst entwickeln, als gäbe es kein Morgen mehr. Unsere Leistungsfähigkeit und noch weniger unsere Leistungsbereitschaft sind auf irgendwelche Jahreszahlen oder ein bestimmtes Datum programmiert.

Deshalb ist auch der in einem bestimmten Alter zwangsweise angeordnete Rückzug aus dem Arbeitsleben reine Willkür und durch nichts zu begründen. Außer vielleicht durch finanzielle Erwägungen der Unternehmen, die aber nicht wirklich zu halten sind, wenn ältere Mitarbeiter ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden.

Wie ist es denn bitte zu erklären, dass das Renteneintrittsalter und die Frühverrentungsorgien in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder vor und zurück verändert wurden. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das auch so weitergehen. Das hat doch nichts mit den Beschäftigten und ihrer Glückseligkeit zu tun. Das ist rein politisch motiviert und geschieht aus – vorsichtig ausgedrückt – programmatischen oder eben aus finanziellen Gründen, weil die Rente im aktuellen System dauerhaft nicht zu finanzieren sein wird.

Wenn es um die Menschen, vielleicht sogar um ihr Wohlergehen und ihre Gesundheit gehen würde, müsste man doch auch Künstler, Unternehmer und Politiker zwangspensionieren. Wie kann es sonst sein, dass der Papst erst mit 76 gewählt wurde, immerhin zum Oberhaupt der katholischen Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern und zum Chef von 1,2 Millionen Priestern und Ordensleuten? Um seine Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft müssen wir uns sicher keine Sorgen machen.

In meinem früheren Leben als Bankvorstand (angestellter Manager) hatte ich einen – kurioserweise als unbefristet beschriebenen – Dienstvertrag, dessen Ende allerdings an meinen 65. Geburtstag gekoppelt war. Das ist vergleichbar mit dem Haltbarkeits- bzw. Verfalldatum auf einem Joghurtbecher im Supermarktregal. Ist das Datum erreicht, wird ausgesondert. Für mich waren der Ausstieg in die Selbstständigkeit mit 42 und der Wegfall dieses Endfälligkeitsdatum, eine wirkliche emotionale Befreiung. Bei allen Unwägbarkeiten der Selbstständigkeit habe ich die damalige Entscheidung nie bereut. Ich habe nach wie vor große Lust zu arbeiten. Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß und ich will selbst bestimmen, wie lange ich arbeite bzw. wann ich aufhören will.

Natürlich haben andere Menschen andere Interessen und ich bin mir auch bewusst, dass nicht jeder mit seiner Rente auskommt. Es sollte sich aber ungeachtet dessen langsam herumgesprochen haben, dass die offensichtlich in Stein gemeißelte Formel „65. Rente. Alt.“ ihre Berechtigung völlig verloren hat und nicht zu halten ist.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

www.helmutmuthers.com

www.generationengespraech.com

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