So nicht! – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer).

Haben Sie immer noch Klischees und Vorurteile über ältere Menschen im Kopf, die längst nicht mehr in die heutige Zeit passen? Dann beginnen Sie, etwas daran zu ändern. Sicher fallen Ihnen viele Dinge ein, die Sie verändern könnten.

Ein anschauliches Beispiel lieferte ein Restaurantbesitzer. Er kam auf die Idee, eine flache Lupe in die Speisekarte zu legen, um seinen älteren Gästen das Lesen zu erleichtern. Was denken Sie, erzielte er mit dieser Maßnahme die erhoffte Wirkung? Nein. Sie wissen, dass kein Mensch gerne mit seinen Defiziten konfrontiert. Besser ist es, die Speisekarte gleich in einer großen, gut lesbaren, kontrastreichen Schrift zu drucken.

Wie man mit älteren Kunden gut umgeht, hat eine amerikanische Supermarktkette vorgemacht. Mittels einer Umfrage haben die Verantwortlichen herausgefunden, dass einem Großteil der älteren Kunden die Parkplätze, zum Ein- und Aussteigen sowie zum Beladen, zu klein waren. Was haben sie daraufhin getan? Sie haben die Parkplätze vergrößert. Auf diese Weise wurde eine Kundschaft erreicht, die gerne etwas mehr bezahlt und auch ein Stück weiter fährt, ohne sich mühsam aus dem Auto zwängen zu müssen.

Für einen älteren Bekannten aus meinem Umfeld ist das gleiche Thema wichtig. Er fährt in kein Einkaufszentrum und in keinen Supermarkt mehr, in dem nicht ausreichend große Parkplätze vorhanden sind. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da können Sie das beste Fachgeschäft mit den besten Angeboten sein, sie können herausragende Produkte haben und einen fantastischen Service bieten, wenn die Parkplätze zu schmal sind, haben Sie bei bestimmten Kunden keine Chance. Das gilt nicht nur für ältere Kunden, das gilt gleichermaßen für alle Menschen mit Mobilitätseinschränkungen (Rollstuhl, Rollator) und für Mütter mit Kleinkindern. Es ist im Grunde unverantwortlich, wegen solcher Kleinigkeiten ganze Kundengruppen auszuschließen. Kümmern Sie sich um solche Dinge. Das ist knallharte Betriebswirtschaft.

Am Flugplatz in Wien oder am Bahnhof in Luzern gibt es bereits Parkplätze mit einer Breite von 3,50 Metern. Sie sagen, Sie haben nicht das Budget für derartige Maßnahmen oder es liegt nicht in Ihrem Entscheidungsrahmen? Wenn Sie an den Parkplätzen nichts ändern können, denken Sie doch einmal über einen Taxi-Dienst oder einen Liefer-Service nach. Fragen Sie Ihre älteren Kunden, ob das ihr Problem lösen würde. Und fragen Sie, was Sie sich sonst noch wünschen und wie Sie bestimmte Probleme lösen können. Schaffen Sie, gemeinsam mit den Älteren, die Voraussetzungen, um dauerhaft von ihrer großen Kaufkraft zu profitieren. Bitte einfach mal umdenken oder anders denken.

Nie zuvor gab es so viele Menschen über 50, die mitten im Leben stehen und ihr Geld ausgeben möchten. Dennoch werden diese Kunden zu häufig sträflich vernachlässigt, weil die Sorge groß ist, dass junge Leute das Geschäft meiden, wenn man sich zu sehr um ältere Kunden kümmert. Die Furcht ist unbegründet, weil in den meisten Fällen Lösungen für Ältere auch den Jungen gefallen. Denken Sie an die Parkplätze, an Bedienungsanleitungen oder an Blister-Verpackungen, die für ältere wie für jüngere Menschen schwer zu öffnen sind.

Die Ergebnisse einer Befragung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) zum Thema Verpackung sind da eindeutig. 92 Prozent der Befragten äußerten Probleme beim Öffnen von Verpackungen. Mehrmals die Woche oder sogar täglich haben 49 Prozent der Befragten dieses Problem. Dreiviertel der Teilnehmer bemängelten, dass der Öffnungsmechanismus nicht richtig funktioniert. Als Spitzenreiter der Problemverpackungen werden von 71 Prozent der Befragten in Kunststoff eingeschweißte Produkte, zum Beispiel Käse oder Wurst, genannt. 54 Prozent wünschen sich kleinere Packungsgrößen für Lebensmittel. Zweidrittel der Befragten ärgern sich über schlecht lesbare Haltbarkeitsdaten. Die Befunde belegen deutlich, dass der Umgang mit Verpackungen für viele Konsumenten zum alltäglichen Ärgernis wird. Wie heißt es doch so treffend: Entwickle für die Jungen, und du schließt die Alten aus. Entwickle für die Alten und du schließt die Jungen ein. Eine Verbesserung kommt im Grunde allen Kunden zugute. 20 Wie schnell sich die Ignoranz solcher Probleme rächen kann, weiß jeder, der schon einmal einen kaufkräftigen älteren Kunden an den Wettbewerb verloren hat. Die Generationen 50Plus sind heutzutage äußerst wechselbereit und wissen genau, was sie wollen. Nach jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Verkäufern lassen sich ältere Kunden nichts vormachen und es fehlt ihnen die Geduld, sich mit halben Sachen zufrieden zu geben.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

www.helmutmuthers.com

www.generationengespraech.com

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