Thomas Eggert (50Plus) unternimmt was

Thomas Eggert ist 55 Jahre alt und lebt in München. BESTZEIT-PLUS führte mit dem Mann, der etwas unternimmt, ein Gespräch.

Herr Eggert, Sie sind Geschäftsführer einer HR-Firma in Berlin und machen jetzt zusätzlich in Bier. Wie kommt’s?

Thomas Eggert sieht sein dump beer als Kunst-Aktion

Wie so oft im Leben – der Zufall. Ich bin ja jetzt seit 35 Jahren im Personalgeschäft unterwegs, zu Beginn als Personaler und Personalleiter, dann im Outsourcing und derzeit bin ich als Geschäftsführer bei der BEGIS in Berlin. Wir kümmern uns hier um die Digitalisierung der Personalarbeit mit Softwareprodukten und Dienstleistungen, die die Personalarbeit einfacher machen sollen. Gleichzeitig baue ich mit der SiiWii, einer Tochter der BEGIS, ein StartUp auf, das sich das Thema Recruiting auf die Fahne geschrieben hat. Da ist es doch klar und selbstverständlich, dass ich jetzt auch noch etwas mit Bier machen muss. Nein, allen Ernstes ist mein neues Projekt, die dump beer nicht nur ein Bierhersteller, sondern ein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ein Grafik-Designer und Freund kam letztes Jahr auf mich zu, und zeigte mir Entwürfe von Bierplakaten. Diese Plakate hatten den Hintergrund, auf den wachsenden Populismus in dieser Welt hinzuweisen. Zu dieser Zeit war ja gerade ein neuer amerikanischer Präsident in aller Munde. Ich habe die Plakate gesehen und spontan gesagt – das machen wir. Also war die Idee geboren, dieses Bier auch wirklich auf den Markt zu bringen. Und so haben Peter und ich letztes Jahr gemeinsam die dump beer UG gegründet und angefangen, alles zu organisieren. Und das war dann doch eine größere Herausforderung, als wir gedacht haben,

Was genau macht dump beer? Was unterscheidet Sie?

Dump beer ist mit dem Bier „Ronald Dump“ eine Kunst Aktion, die zeigt, wie leer die Aussagen der Populisten weltweit sind. Man kann die Phrasen austauschen und einfach einem anderen Produkt überstülpen. Man könnte damit auch Waschmittel bewerben. Oder Müsliriegel wieder grossartig machen. Oder eben Bier! In diesem Sinne – „das wird man doch noch trinken dürfen!“ Wir sind also keine der vielfachen „Craft Bier“-Brauereien, bei uns steht nicht das Bier selbst im Vordergrund, sondern die Botschaft, dass der Populismus nichts anderes ist, als die Verbreitung von leeren Phrasen.

Es hat dann aber doch ein halbes Jahr gedauert, bis wir eine Brauerei gefunden haben und so konnten wir Ende Dezember unser erstes Bier abfüllen lassen. Das war schon ein spannender Moment, als tausende Flaschen an uns vorbeigefahren sind, alle mit unserem Bier und unserem Label. Im Januar haben wir dann begonnen, das Bier zu verkaufen und das Feedback war überwältigend. Nachdem die ganze Firma ja nur durch uns beide finanziert ist und wir die komplette Produktion persönlich vorfinanzieren mussten, konnten wir nicht auch noch in Marketing oder Werbung investieren. Hier haben uns das Internet und die kompletten Sozial-Media-Kanäle geholfen und ein bisschen meine Erfahrung im Vertrieb – auch wenn es hier um ein ganz anderes Produkt geht.

Welchen Markt bedienen Sie?

Für wen ist unser Bier? Hier möchte ich unsere Webseite zitieren, denn die beschreibt es sehr gut: „Für einfach Jedermann. Sie können Dump Beer nackt, in Burka, oder mit roter Krawatte trinken. Der Genuss ist für schwarz, weiß, gelb, rot, klein, gross, dick, dünn gleichermassen grossartig. Uns ist auch vollkommen egal ob Sie Frauen oder Männer lieben, Hauptsache Sie lieben unser Bier. Ja, sie dürfen sogar amerikanischer Präsident sein und unser Bier grossartig finden. Nur eins dürfen Sie nicht sein – Weintrinker! Bad Gringos.“

Erste Erfolge?

Unsere ursprüngliche Erwartung war, dass wir die erste Produktion bis August verkaufen – da lagen wir aber komplett falsch. Anfang März durften wir bereits die nächste Abfüllung in Auftrag geben und auch die ist schon wieder fast verkauft. Das ist bis jetzt natürlich ein wahnsinniger Erfolg, wir werden schon als „Kultbier aus den sozialen Medien“ bezeichnet, wurden auf den verschiedensten Designseiten auch im Ausland gelistet und konnten auch bereits erste EDEKA-Märkte und Bierhändler, wie die Bierothek, von unserem Bier überzeugen. Hoffen wir, dass es so weiter geht.

Überrascht hat uns aber auch die nach wie vor große Wirkung von Printmedien. Ein kleiner Bericht in der Passauer Presse hat uns so viel Bestellungen beschert, dass uns teilweise die Versandkartons ausgegangen sind. Und das ganze nach wie vor ohne große Investitionen in Marketing. Wir haben bis heute mehrere Interviews von Biertestern hinter uns, hatten die ersten Auftritte im Radio und sogar Antenne Bayern hat über uns berichtet. Im April dürfen wir bei der Stiegl Brauwelt bei einer Veranstaltung mit ausstellen und so werden wir fast täglich vor neue Herausforderungen gestellt. Hoffen wir mal, dass es so weiter geht, denn wir haben auch schon Ideen für weitere Biere und neue Editionen.

Welchen Vertriebsweg nutzt dump beer?

Wer unser Bier mal probieren will, kann dies bei einem unserer Händler oder direkt über unsere Homepage oder amazon kaufen. Da gibt es auch Bierdeckel, T-Shirts und was das Herz sonst noch begehrt. Aktuelle Infos findet man natürlich auf unserer Homepage unter www.dump-beer.com. Übrigens kommt auch ein Teil unserer Einnahmen auch einem guten Zweck zu Gute, wir spenden derzeit an den Verein Isarlust e.V. und seine Aktion „Play me, it’s yours“.

Wie war der Weg in die Selbstständigkeit mit 50Plus?

Ich habe ja mittlerweile schon einige Berufsjahre auf dem Buckel, habe 1991 meine erste Führungsaufgabe übernommen, bin seit 20 Jahren Geschäftsführer von verschiedensten Unternehmen und konnte in meiner beruflichen Laufbahn viele Firmengründungen, -käufe, -verkäufe begleiten. Von da her sind mir die Mechanismen einer Firmengründung und was alles dazugehört zum Glück sehr bekannt und Peter und ich sind aus meiner Sicht ein ideales Duo. Peter ist der Ideengeber, Grafiker, Künstler, ich kümmere mich um Finanzen, Organisation und das alles „sauber“ läuft. So hat jeder seine Aufgabe und kann sich blind auf den anderen verlassen. Das Gute daran ist sicherlich auch, dass wir uns bereits seit vielen Jahren kennen und schon oft zusammengearbeitet haben. Da weiß man um die Stärken und Schwächen des anderen.

Gab es Hilfe?

Hilfe hatten wir nicht viel, im Prinzip mussten wir uns um alles selbst kümmern, aber das ist auch ganz gut so. Schließlich müssen wir auch die Verantwortung dafür tragen und es ist auch unser Geld, mit dem wir hier handeln.

Was macht Siiwii?

Gerne können wir einen Abstecher zur SiiWii machen. Wir haben in dem StartUp mittlerweile viele Profile „gesammelt“. SiiWii geht ja einen neuen Weg des Recruitings. Hier können sich Bewerber registrieren und Unternehmen können sich bei den Kandidaten aktiv bewerben.

Warum tun sich Bewerber 50Plus schwer?

Warum sich Bewerber 50Plus so schwer tun, kann ich ehrlich gesagt, auch nicht verstehen. Denn viele Firmen haben derzeit Probleme, ihre Stellen zu besetzen und greifen ganz bewusst auf „ältere“ Mitarbeiter zurück, da die Erfahrung eine wesentliche Rolle spielt.

Was machen HR-Entscheider falsch?

Ich glaube, dass ist oftmals ein Problem der Gesprächspartner. Ich kann es manchmal schon verstehen, wenn ein „gestandener“ Bewerber einem Recruiter gegenüber sitzt, der gerade frisch aus dem Studium kommt und mit pseudo-psychologischen Tricks versucht, den Bewerber aus der Reserve zu locken oder eine Auswahl über Bots oder automatische Matching-Verfahren erfolgt, Gespräche nur noch über Videokonferenzen laufen und Firmen nur noch von Good-feel-Management sprechen und über New Work diskutieren. Ich glaube, da holen sie manchen Bewerber einfach am falschen Punkt ab, unsere Generation ist es aus meiner Erfahrung eher gewohnt, über konkrete Aufgaben und Kompetenzen zu sprechen. Da fehlt manchmal das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen. Ich glaube, da müssen beide Seite etwas mehr Verständnis für den anderen haben, dann klappts auch mit dem Job.

Zurück zum Bier. Wo gibt es mehr Informationen?

Unsere Homepage der dump beer erreichen Sie unter www.dump-beer.com. Hier finden Sie eine Beschreibung zu der ganzen Aktion, unsere aktuellen Plakate und Motive sowie eine Auflistung der derzeitigen Verkaufsstellen. Weiterhin befindet sich hier eine Aufstellung, wer schon alles über uns berichtet hat und natürlich unser Webshop. Unsere T-Shirts wurden schon bis in die USA geliefert, wir wissen aber leider bis heute nicht, ob vielleicht Melania unsere Shirts trägt. Und natürlich haben wir einen aktiven Twitter-Kanal und sind auf Facebook und Instagram vertreten.

2 Kommentare zu "Thomas Eggert (50Plus) unternimmt was"

  1. Total genial! Die Idee, die Message und hoffentlich auch das Bier! Es müsste mehr Menschen geben, die die Grenzen der normal Denkenden auf diese Weise einreißen und der Welt auf beeindruckende Weise zeigen, was Populismus ist! 50Plus go ahead!!

  2. Vielen Dank für das Feedback – und das Bier ist wirklich fantastic. Wir arbeiten gerade an neuen Editionen, lasst euch überraschen.

    Thomas

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