Umfrage: Rente bleibt für die Deutschen das wichtigste Thema – und wird bald das größte Problem

Die Rente bleibt für die Deutschen das derzeit wichtigste politische Thema. Das ergab eine Umfrage von INSA, einem Partner des Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus). Gleichzeitig wird die Rente zum größten Problem – aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten 10 Jahren.

INSA hat kurz vor Weihnachten eine repräsentative Umfrage gestartet und wollte herausfinden, welche politischen Themen für die Befragten die relevantesten sind. Die Befragten konnten aus verschiedenen Themengebieten diejenigen drei auswählen, welche sie gegenwärtig für sich persönlich am wichtigsten halten.

Es zeigt sich, dass 38 Prozent der Befragten „Rente und Altersarmut“ für eines der drei wichtigsten Themen halten. Danach kommt das Thema „Zuwanderung, Migration, Flüchtlinge“, welches 37 Prozent angeben. Beachtung findet auch noch der Bereich der Sozialen Sicherheit, den 30 Prozent als wichtig empfinden. Als am wenigsten relevant wurden die Gebiete „Wirtschaft“ und „Digitalisierung, Infrastruktur“ empfunden, was jeweils fünf Prozent der Befragten aufführten.

Die Sorgen der Deutschen um ihre Rente und die Furcht, in die Altersarmut zu rutschen, sind aufgrund der Fakten der demografischen Entwicklung begründet. Schon heute kommen auf 100 sozialversicherungspflichtig arbeitende Deutsche rund 36 Rentner, ein Spitzenwert innerhalb der OECD. In zehn Jahren werden es bereits fast 47 sein. So rasant steigt die Quote fast nirgendwo auf der Welt. Etwas mehr als zwei Erwerbstätige müssen in 10 Jahren die Rente von einem Senioren finanzieren, heute sind es immerhin noch knapp drei.

Doppelte Haltelinie mathematisch unrealistisch

Derzeit zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je 9,35 Prozent des Lohns an die Rentenversicherung. Bei einem durchschnittlichen Bruttolohn von 2.783 Euro sind das etwa 520 Euro. 2,7 Erwerbstätige können einem heutigen Rentner also etwa 1.400 Euro Rente erarbeiten – in zehn Jahren schaffen 2,1 Erwerbstätige nur noch 1.100 Euro. Das wäre schon ein Minus von rund 22 Prozent. Um den finanziellen Lebensstandard im Alter aufrecht erhalten zu können, muss also die staatlich geförderte private und betriebliche Altersvorsorge herhalten. Die wiederum wirft seit einigen Jahren aufgrund der Nullzins-Politik der EZB keine Zinsen mehr ab – ein Teufelskreis.

Im Bundestags-Wahlkampf 2017 hatte die SPD ein Rentenkonzept bis zum Jahr 2030 vorgelegt –  genau dem Jahr, in dem die großen Probleme bei der Rentenversicherung voll durchschlagen werden. Denn in diesem Jahr werden dann etwa 1,1 Mio gut verdienende Baby-Boomer erstmals eine Rente beziehen, gleichzeitig wird die Zahl der Arbeitnehmer – und damit Beitragszahler – gesunken sein. Die SPD forderte bis 2030 solle ein gesetzliches Rentenniveau von weiterhin 48 Prozent des Durchschnittslohns garantiert sein. Der Beitragssatz, der jetzt bei 18,7 Prozent liegt, soll bis 2030 auf nicht mehr als 22 Prozent steigen. Wie es dann ab 2030 mit der Rente weitergehen solle, ließ die SPD unbeantwortet. Die CDU machte es sich noch einfacher. Sie postulierte im Wahlkampf, da die Rente gut funktioniere, müsse auch nichts geändert werden und neue Vorschläge für eine Reform seien unnötig. Dabei ist klar, dass die Lebenserwartung – und damit die Bezugsdauer der Rente – stetig steigt, die Zahl der Rentner ebenfalls steigt, die Zahl der Beitragszahler aber sinkt. Wie in einem solchen Umfeld die Rente in der der aktuellen Höhe gesichert werden soll und ein weiterer Anstieg der Altersarmut verhindert werden kann, bleibt ein Rätsel.

Viele Länder in Europa haben Renten-Probleme

Ähnliche Probleme treffen übrigens auch unsere europäischen Nachbarn: Sowohl Frankreich, als auch die Niederlande und Belgien gehören zu den Ländern, deren Rentenquote 2027 weltweit am ungünstigsten aussehen wird. Aus der EU kommen noch Finnland, Italien, Schweden, Portugal, Griechenland, Kroatien und Slowenien als Problem-Länder hinzu. Österreich verpasst die Top 12 nur knapp.

Japan ist heute schon alt

In Japan sind die Verhältnisse bereits krass. Dort wurde jüngst das Renteneintrittsalter von 60 auf 65 Jahre angehoben. Aber jeder Fünfte Japaner arbeitet heute schon auch danach noch weiter. Das hat kulturelle Gründe, liegt aber auch schlicht an finanzieller Not. Japans Rentensystem ächzt unter der Last von Senioren, die mittlerweile im Schnitt 90 Jahre alt werden, viele sogar über 100 Jahre. Gleichzeit gibt es in Japan wenig Nachwuchs. Japans Geburtenrate lag 2015 bei 1,46 Kindern pro Frau, und damit sogar noch niedriger als in Deutschland.

Diese demografische Entwicklung hat Folgen: Schon heute kommen laut OECD auf 100 Erwerbstätige Japaner knapp 50 Rentner. In zehn Jahren werden es bereits 56 sein, 2050 schätzungsweise sogar 78. Dann müsste ein Arbeiter fast schon die komplette Rente eines Senioren bezahlen. Daher arbeiten die japanischen Senioren weiter, so lange sie können. Und die Regierung kämpft gegen Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt,

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