Wenn einer eine Reise tut… – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

… dann kann er was erleben und wir als Reise-Junkies sowieso. Als fleißige Nachfrager bekommen wir sie in allen Varianten aufgetischt. Die perfekten Pakete für Sportler, Abenteurer, Faulenzer, Seefahrer, Hundebesitzer, Familien, Singles, FKK-Freaks, Verliebte, Weltenbummler, Vermögende und weniger Vermögende und nicht zuletzt auch für Scheidungswillige. Dass Heartbreaker jetzt im Scheidungshotel einchecken und 48 Stunden später als geschiedene Leute das Hotel verlassen können, war mir neu, gibt es aber, samt Tross an Beratern, Psychologen, Anwälten, Maklern und Notaren. Der Kurzurlaub als Ehe-Endstation; Las Vegas umgekehrt.

Da ist mir die neue Ferientrendblüte für Waldliebhaber doch noch sympathischer, nämlich WALDBADEN. Was für ein unglaublich schönes, neues Wort… und ich denke an Wald, den Duft von Latschenkiefer in der Nase und einen hölzernen Bottich mitten im Geäst, in dem ich vom lauten Alltagstrubel Abstand gewinnen kann. In Wirklichkeit ist alles viel simpler: barfuß durch den Wald, riechen, spüren, runterkommen, sich erden und die Wanne bleibt im schönen Hotel am Waldrand.

Merke: Um den Nerv der Zeit zu treffen, muss man den Dingen nur den richtigen Namen verpassen.

Da bin ich als junge Alte baff und staune. Dass ich mir die Gesundheit im Wald nun nicht als neu verkaufen lasse und keinen brauche, der mir sagt, wann ich die Schuhe ausziehen und dem nächsten Baum um den Hals fallen soll, liegt wohl an meinem Alter. Da bin ich simpel gestrickt. In den wenigen arbeitsfreien Wochen will ich ein paar Dinge, je nach Reiseanlass und Ziel. Dafür brauche ich keinen zielgruppenspezifischen Ballon aufblasen, will auch keinen diskriminieren, sondern einfach nur meinen Urlaub machen und dabei keinem Fähnchen oder Schild hinterlaufen.

Für ein paar Tage Auszeit bin ich überdies gerne ohne Kindergeschrei und Trash-Musik am Pool. Ruhe als Urlaubsindikator in einer völlig lärmüberfrachteten Welt scheint in eins der Sehnsuchtsnester zu stechen, sonst würden die Offerten nicht zunehmen. Für einen Moment der totalen Stille musst du heute weit reisen. Vor Jahren habe ich es mal geschafft. Da bin ich abseits eines Dorfes einfach in die Wüste gelaufen. Nach 2 oder 3 Kilometern habe ich mich auf den harten Wüstenboden gesetzt und hatte in der Öde endlich meine Ruhe. Nicht mal Vogelgezwitscher. Nur Stille. Noch heute erinnere ich mich intensiv an diesen besonderen Moment, der mir so gutgetan hat.

Und ja, ich finde, Paare, deren Kinder erwachsen sind oder auch welche, die mal kinderlos verreisen möchten haben das Recht auf eine Unterkunft ohne Kreischalarm und Minidisco um 20.30 Uhr. Stattdessen ein romantisches Dinner am Strand und im Anschluss Live-Musik mit Tanz. Da mag sich nun manch einer wundern, aber der Trend geht eindeutig zum Tanz als Abendplaisir. Da haben die Jungen mit den „jungen“ Alten und den „alten“ Alten spontan abgefeiert und wollten gar nicht mehr aufhören. Bei 30° am Tag mischen sich die Altersgruppen am Abend von 20 bis 70 vorurteilslos. Der Dancefloor als gemeinsame Bühne, was du sonst nur auf Volkfesten siehst oder beim Panik-Udo; der kann das nämlich auch. Erst später fiel mir auf, dass es dafür noch gar kein Konzept gibt.

Liebe Urlaubserfinder – da gibt’s noch ‚ne Lücke. Stichwort: Generationenmix.

Und bei der Gelegenheit könnt‘ ihr mir noch einen Gefallen tun und den Frühbuchern bis Last-Minute-Reisenden so eine Art Reiseknigge mit auf den Weg geben:
Liebe UrlauberInnen

  1. Regt euch nicht über Belanglosigkeiten auf und denkt immer daran, ihr habt gerade Urlaub
    („Musst du immer meckern?!“)
  2. Seid tolerant, denn auch alle anderen wollen einfach nur Urlaub machen
    („Hey, lass doch mal…“)
  3. Drängelt nicht, denn auch der Letzte auf dem Zettel kommt mit
    („Geht’s noch?!“)
  4. Füllt eure Teller nicht mit Bergen bis zum Rand, die ihr ohnehin nicht essen könnt
    („Schon mal was von Kinderstube gehört?!“)
  5. Klaut nichts aus Hotelzimmern, denn ihr schadet dem Reise-Kollektiv
    („Hast du keinen Fön zu Hause?!“)
  6. Kleidet und benehmt euch angemessen; Leitfaden zum Download
    („So kannst’e doch nicht gehen“)
  7. Achtet Land, Leute, Kultur und Natur – schließlich seid ihr hier zu Gast.
    („Nimm deine Füße aus den Korallen, sind schon genug tot!“)

Geht doch! Schließlich ist Urlaub und das Leben ist stressig genug.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

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