Werte-Index 2016: Gesundheit, Freiheit und Erfolg bleiben den Deutschen am wichtigsten, die Sehnsucht nach Natur und Sicherheit steigt

Der Wertewandel der Deutschen zeichnet sich 2016 durch Polarisierung aus: Eigenverantwortung wird gesucht, Institutionen verlieren weiter an Glaubwürdigkeit. Gesundheit, Freiheit und Erfolg festigen im aktuellen Werte-Index ihre TOP 3-Positionen. Insgesamt zeigt sich, dass Werteorientierung und Technikaffinität im Leben der Deutschen nicht im Widerspruch zueinander stehen. Statt in der digitalen Welt zu vereinsamen, zieht sich der Einzelne zunehmend in die eigene Welt des Bekannten und der Gleichgesinnten zurück – dabei unterstützen ihn Apps und das mobile Internet. Die Gesellschaft wandelt sich in gleichgesinnte Gemeinschaften.

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Unangefochtene Spitzenreiter: Gesundheit, Freiheit, Erfolg

TOP 1 Gesundheit bleibt der wichtigste Wert der Deutschen. Im Fokus des Wertewandels steht die Selbstoptimierung. Dabei gilt es längst nicht mehr, Krankheiten zu vermeiden, sondern Leistung und Lebensqualität zu steigern. Die Deutschen setzen sich eigenverantwortlich und kritisch mit ihrer Gesundheit auseinander und vertrauen dabei auf den Austausch mit Gleichgesinnten und die Selbstvermessung durch Mobil- Health.

Top 2 Freiheit wird als selbstbestimmtes und unabhängiges Leben gelebt. Jedoch wird zum Thema Freiheit wieder politischer diskutiert als in der Vergangenheit. Das Verlangen nach kultureller und wirtschaftlicher Unabhängigkeit ist gestiegen. Das erklärt beispielsweise, warum das Freihandelsabkommen TTIP derzeit eine Rekordzahl an Gegnern auf die Straße bringt.

TOP 3 Erfolg wird an der eigenen verbesserten Lebensqualität gemessen – materielle Sicherheit plus mentale Balance ist der Maßstab. Die Deutschen setzen auf gelebte Leidenschaften und persönliche Projekte. Im Vordergrund stehen dabei alltägliche Handlungen und kleine, aber außergewöhnliche Erlebnisse.

Im Aufwärtstrend: Natur und Sicherheit

Die Natur erreicht seit der Erhebung des Werte-Index mit Position 4 ihren Höchstwert im Ranking. Getrieben wird der Aufstieg von umweltschutzbezogenen Themen. Der Einzelne erkennt hier die Grenzen seines Einflusses und fordert von Politik und Industrie alternative Produktions- und Wirtschaftslogiken. In der Natur finden die Deutschen einen Gegenpol zu ihrer hochtechnisierten Lebenswelt. In ihr erholen sie sich vom herausfordernden Alltag. So stoßen Skandale, die Einfluss auf die Umwelt haben, auf große Resonanz in der Bevölkerung.

Nach seinem historischen Tief von 2014 steigt der Wert Sicherheit wieder um drei Plätze auf Position 7. Sicherheit empfinden die Deutschen dort, wo sie das Gefühl haben, tatsächlich mitgestalten zu können. Statt auf Politik und Gesellschaft verlassen sie sich auf sich selbst, Familie und Freunde. Die aktuellen Demonstrationen und das Engagement für die Unterbringungen von Flüchtlingen zeigen, dass ein Teil der Zivilgesellschaft zuversichtlich und aktiv mitanpackt. Die Demonstrationen gegen die Flüchtlinge zeigen, wie stark andere ihre Sicherheit bedroht sehen und sich den Veränderungen hilflos ausgeliefert fühlen. Das betrifft vor allem die Gefährdung der eigenen kulturellen Identität.

Historisches Tief für Familie. Gerechtigkeit erstmals im Abstieg

Der Wert Familie verliert erneut zwei Plätze und rangiert auf Position 6 so tief wie noch nie. Gleichzeitig wird das immer seltener werdende Familienleben deutlich intensiver in den Social-Media-Kanälen zelebriert als früher. Gerechtigkeit verliert ihre Kraft als politischer Kampfbegriff – und fällt im Ranking um zwei Plätze auf Position 9. Angesichts der komplexer werdenden Welt rückt jene Gerechtigkeit in den Fokus, auf die der Einzelne Einfluss nehmen kann. Im Mittelpunkt stehen vor allem Alltagssituationen, die als unfair erlebt werden.

Was folgt daraus?

Der Werte-Index 2016 zeigt, dass für die Deutschen ihr direktes Umfeld, auf das sie selbst Einfluss nehmen können, über alle Werte hinweg der wichtigste Bezugspunkt ist.

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Trendforscher Prof. Peter Wippermann (Botschafter des Bundesverband Initiative 50Plus) fasst zusammen: „Während Individualität und Eigenverantwortung im Leben der Deutschen wichtiger werden, verlieren gesellschaftliche Institution und die Familie an Bedeutung.“ Diese Entwicklung folgt dem Trend zum „digitalen Biedermeier“: Das Vertrauen in die großen politischen und gesellschaftlichen Systeme sinkt. Der Mensch zieht sich in die Privatheit der ihm bekannten Welt zurück und findet dort Sicherheit und Geborgenheit. „Der Rückzug in die private Online-Welt wird in unserer Untersuchung vor allem anhand der steigenden Facebook-Beiträge deutlich“, erklärt Jens Krüger, Managing Director bei TNS Infratest. „Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich die Anzahl der analysierten Internet-Beiträge von 1,7 auf 5,7 Millionen fast vervierfacht. Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist Facebook.“

Die größte Chance liegt in der Energie, die unter Gleichgesinnten für gemeinsame Ziele kanalisiert werden kann, wie die Welle an Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen zeigt. Die größte Herausforderung dabei ist, dass diese Orientierung an den Gleichgesinnten nicht auf Kosten der Beziehungen zu allen anderen geht. Es sind die Fähigkeiten zu Dialog, Diskurs und Empathie, die über Zusammenhalt oder Auseinanderdriften der Gesellschaft entscheiden.

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