Wertpapierschäden wegen VW-Dieselgate

Seit dem 18.September 2015 bewegt der Volkswagen-Abgasskandal die Nachrichten- und Finanzwelt. Die Wolfsburger Autobauer manipulierten nicht nur einfach ihre tausendfach verbauten Dieselmotoren, sondern verschwiegen dem Kapitalmarkt auch die hieraus resultierenden Milliardenrisiken. In Folge dessen brach der Kurs der Volkswagen Stamm- und Vorzugsaktien sowie der Porsche Vorzugsaktien nach Bekanntwerden dramatisch ein. Ein Umstand, der bei vielen Aktionären und Investoren immense Schäden verursachte. Nachfolgend veröffentlicht BESTZEIT-PLUS.de Informationen und Tipps über den aktuellen Stand im VW-Dieselgate und Möglichkeiten von Anlegern zur Geltendmachung der Schadensersatzansprüche.

OLG Braunschweig

Der 3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Braunschweig hat mit Beschluss vom 08.03.2017 (3 Kap 1/16) nach einem mehrmonatigen Auswahlverfahren den Musterkläger bestimmt. Dieser wird von unserer Schwesterkanzlei TILP Litigation Rechtsanwaltsgesellschaft mbH zusammen mit weiteren über 550 institutionellen Investoren vertreten. Daneben vertritt TILP im Musterverfahren derzeit über 1.850 private Anleger.

Worum geht es im Verfahren?

Gegenstand des Musterverfahrens sind Transaktionen in Volkswagen Stamm- und Vorzugsaktien, derivative Finanzinstrumente auf die Volkswagen Aktien und Vorzugaktien der Porsche Automobil Holding SE, welche zwischen dem 06.06.2008 und 18.09.2015 gehandelt wurden. Volkswagen hatte am 20.09.2015 öffentlich eingeräumt, die Abgaswerte von Diesel-PKW in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben. Die Kurse der VW-Stamm- und Vorzugsaktien brachen daraufhin um jeweils über 60 Euro ein. Auch die Meldungen über den Wechsel an der Konzernspitze sorgten nicht nachhaltig für eine Wiederbelebung des Kurses.

Nach der Rechtsauffassung der TILP Rechtsanwaltsgesellschaft hat sich VW wegen einer Reihe von unterlassenen sowie unvollständigen Kapitalmarktinformationen gegenüber seinen Aktionären schadenersatzpflichtig gemacht und mit seiner bewussten Manipulation eine Grenze überschritten. Neben Ansprüchen aus §§ 37b, c des Wertpapierhandelsgesetzes werden auch sogenannte deliktische Ansprüche unterschiedlicher Art, jeweils für eigenständige Pflichtverletzungen von VW zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten in Zeitraum ab Juni 2008 geltend gemacht.

Was bedeutet die Eröffnung des Musterverfahrens?

Mit der Bekanntmachung des Musterklägers beginnt nun eine 6-Monatsfrist für die Anmeldung zu laufen. Die Anmeldung ist insbesondere für private Anleger und Investoren in Aktien der Volkswagen AG oder in derivativen Finanzinstrumenten auf die VW-Aktie interessant. Hierbei handelt es sich um eine sehr kostengünstige Möglichkeit von dem Musterverfahren zu profitieren und Schäden geltend zu machen, ohne die Kostenrisiken eines normalen Gerichtsverfahrens einzugehen. TILP empfiehlt allen Geschädigten, die sich noch nicht für die Geltendmachung ihrer Schadensersatzansprüche entschieden haben, nunmehr zeitnah zu handeln.

Wichtige Information: Mögliche Verjährung am 23.05.2017!

Trotz der nun laufenden 6-Monatsfrist für die Anmeldung ist auf eine mögliche Verjährung vor Ablauf dieser Frist zu achten. Diese könnte bereits am 23.05.2017 eintreten. Da die Rechtslage bezüglich der Frage einer möglichen Verjährung offen ist, wird dieses essentieller Gegenstand des Musterverfahrens werden. Es ist daher ratsam, die erforderlichen Verfahrensschritte sehr zeitnah einzuleiten. Die mögliche Verjährung zum 23.05.2017 betrifft besonders gut gelagerte Ansprüche aus den §§ 37b und c Wertpapierhandelsgesetz a.F. (WpHG). Hierunter fallen Käufe von VW Stamm- und Vorzugsaktien, welche nach dem 23.05.2014.getätigt wurden. In diesen Fällen sollten deshalb bereits vor dem 23.05.2017 verjährungshemmende Maßnahmen ergriffen werden.

Ansprüche im Zusammenhang mit dem Erwerb von derivativen Finanzinstrumenten (z.B. Optionsscheinen oder Zertifikaten) dagegen verjähren noch nicht zum 23.05.2017, weswegen hierfür bis zum Ende der sechsmonatigen Anmeldefrist, also bis zum 08.09.2017 Zeit für die Anmeldung besteht.

Wie kann man Ansprüche geltend machen?

Für Anleger bestehen nun zwei Handlungsalternativen, um die Rechtsverfolgung zu betreiben.

  1. Erhebung einer Klage gegen die Volkswagen AG Anleger können im Wege einer Klage gegen die Volkswagen AG bei dem zuständigen Landgericht in Braunschweig vom Musterverfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) profitieren. Das KapMuG sieht als gesetzliche Folge des Musterverfahrens vor, dass Ihr Verfahren vom Landgericht Braunschweig bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Musterverfahrens ausgesetzt wird. Die Kläger werden sodann Beigeladene des Musterverfahrens. Im Falle des Obsiegens sind die Kosten der Klage sodann von der Volkswagen AG zu erstatten.
  2. Anmeldung zum Musterverfahren Mit der Eröffnung des Musterverfahrens, besteht nun die Möglichkeit, dass Anleger Ihre Ansprüche innerhalb von sechs Monaten durch einen Rechtsanwalt zum Musterverfahren „anmelden“. Jedoch bleibt auch bei der Anmeldung die o. g. Verjährungsfrist zum 23.05.2017 zu beachten, sodass die Ansprüche ggf. bereits bis zu diesem Datum angemeldet werden sollten. Die Anmeldung führt zur Verjährungshemmung ab diesem Zeitpunkt. Anmelder können anschließend den Ausgang des Musterverfahrens abwarten, da die verjährungshemmende Wirkung bis zum rechtskräftigen Musterentscheid zuzüglich drei Monaten fortdauert. Ob im Falle des Obsiegens im Musterverfahren weitere Maßnahmen der Rechtsverfolgung erforderlich sein werden hängt im Wesentlichen vom Ausgang des Musterverfahrens und dem anschließenden Verhalten der Volkswagen AG ab. Vorteil der Anmeldung ist, dass sich die hierfür anfallenden Kosten deutlich geringer halten als bei einer Klage.

TILP hat eine Plattform unter www.vw-klage.de eingerichtet, auf der sich geschädigte Anleger und Investoren kostenfrei registrieren können und dann weitere Informationen erhalten.

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