Wir sind Fußball! – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Ich schätze, ab spätestens 17.6., 17.00 Uhr geht in Deutschland nichts mehr, es sei denn, es hat mit Fußball zu tun. Spätestens dann, wenn unser Weltmeister-Trainer Jogi mit seinen Best Buddies einläuft, um für den 5. Titel zu kämpfen, werden wir in Deutschland-Trikots, -Hüten und -Brillen Lärm machen, gebannt vor Großleinwänden und Bildschirmen stehen oder sitzen und mitfiebern. Da fließt viel Bier die titeldurstigen Kehlen runter, werden Daumen fast blau gedrückt, Hände vor Aufregung gerieben, Haare gerauft, Lippen zusammengepresst. Orchestrierter Jubel und Gesang, wenn das richtige Tor fällt mit tausenden Menschen, die sich völlig ungeniert um wildfremde Hälse fallen und Freudentänze aufführen – gemeinsames trauern und weinen, wenn es doch andersrum kommt.

Topagemodel Renate Zott feuert Yogis Buben an

Die Nr. 12 kennt kein Alter, keine Vorurteile, keine Bedingungen, keine Grenzen – Deutschland einig Fußballland. Volle Konzentration am Bildschirmrand; man könnte den entscheidenden Moment verpassen. Auch der 12. Mann hat den Ball quasi immer am Fuß und lebt jedes Foul stöhnend mit, beäugt alle (Video-)Schiedsrichterentscheidungen kritisch, treibt die Jungs an, korrigiert, lobt, schimpft, schreit, meckert und weiß auch ohne Trainerschein alles besser. Wenn es um die richtige Taktik oder Strategie geht, den Gegner nur so vom Rasen zu dribbeln, da presst man schon mal die Beine zusammen und verschiebt den nächsten Gang zur Toilette. Millionen von Experten, die alle wissen, wie man den Titel holt.

Solange die Chaoten daheimbleiben und Terroristen die euphorisierten Massen in Ruhe lassen, mag ich auch Fan sein. Mag mit Freunden zusammensitzen und zusehen, wie unsere Jungs alles für Deutschland geben, als Mannschaft fighten und nicht nachlassen, auch einen verloren geglaubten Ball zurück zu erobern. Wenn es um Sport geht, darf die Nation feiern, Flaggen über Balkons hängen, Außenspiegel schwarz-rot-gold verkleiden und im Deutschland-Trikot das Haus verlassen. Ist das nicht schön?

Ja, das ist schön.

Und ich erinnere mich gerne an die vielen anderen hochkarätigen Sportevents mit deutscher Finalbeteiligung. Denkt nur an unser „Bobbele“ – nicht der aktuellen Trennung wegen – sondern wie er mit seinen zarten 17 Jahren 1985 das Wimbledon-Stadion zum Kochen brachte und zusammen mit Ausnahme-Tennisspielerin Steffi Graf in den 80ern einen wahren Tennis-Hype auslöste. Auch wenn ganz viele von denen, die für Deutschland aufs Siegerpodest kamen und für die wir die Deutschlandhymne mitgeträllert haben, längst keine Steuern mehr in Deutschland zahlen, dürfen wir doch ein bisschen stolz sein. Irgendwie sind sie alle unsere Helden geblieben.

Oder etwa nicht?

Ich finde ohnehin, dass es auch außerhalb sportlicher Höchstleistungen sehr an der Zeit ist, wieder ein bisschen stolz auf unser Land sein zu dürfen und gesunden Patriotismus weder nach Rechtsaußen zu legen, noch immer und immer wieder an unsere über 70 Jahre zurückliegende, dunkle Nazi-Vergangenheit zu erinnern. Dabei ist nichts zu schönen, nichts zu vergessen, nichts zu leugnen oder zu verharmlosen. Und: wie ist es denn in all den anderen Ländern, die rein quantitativ betrachtet ebenfalls grauenhafte Kriegsszenarien in ihren Geschichtsbüchern stehen haben? Dort darf man heute Patriot sein und Nationalfeiertage zum Fest erklären. Hierzulande ist das leider noch immer peinlich und verpönt und vermutlich wissen nicht mal alle, dass der 3. Oktober der „Tag der deutschen Einheit“ ist. Das finde ich peinlich. Mit unserer Vergangenheit darf man das nicht. Aber warum eigentlich nicht? Ich sehe das anders.

Unser Land, wie es sich heute in der Welt darstellt, ist ein anderes Land. Friedlicher als die meisten anderen auf jeden Fall. Da kann ich nur an mangelnde Bildung denken, wenn ich am 3. Oktober Plakate lese auf denen „Nie wieder Deutschland“ steht.

Aber jetzt ist erstmal Fußball. Feiern und freuen, ungeniert emotional.

Und da heißt es einfach nur Daumen drücken: Dem Jogi für eine gute Hand und allen Spielern für einen zielsicheren Ball am Fuß – in die richtige Richtung versteht sich. Rechtsaußen, Linksaußen oder ab durch die Mitte: auf jeden Fall rein ins gegnerische Tor! JEAHH! Der Weg ist das Ziel – ob wir es dann zum 5. Mal schaffen oder auch nicht.

Wir sind die Mannschaft und das Runde muss wieder ins Eckige. Olé!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

Kommentar hinterlassen zu "Wir sind Fußball! – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: